PayPal Aktie: 28 Prozent Aufschlag auf Aktie
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 22:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Für PayPal-Aktionäre wird es an diesem Dienstag ernst: Der Zahlungsdienstleister legt seine Zweitquartalszahlen vor, während im Hintergrund eine Übernahmeschlacht schwelt, die den Kurs bereits kräftig bewegt hat. Ein vertrauliches Angebot von Stripe und dem Finanzinvestor Advent International über rund 53 Milliarden US-Dollar hatte die Aktie zuletzt beflügelt – der PayPal-Vorstand lehnte die Offerte jedoch als unzureichend ab.
Die Offerte und ihre Ablehnung
Stripe und Advent International boten laut Berichten 60,50 US-Dollar je Aktie, ein Aufschlag von 28 Prozent auf den Schlusskurs von Mitte Juli. Der PayPal-Vorstand bewertete das Angebot als zu niedrig und wies es zurück. Medienberichten zufolge könnte Truist Securities recht behalten: Das Analysehaus stufte PayPal auf Hold hoch und sieht eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent, dass ein nachgebessertes Gebot in der Nähe von 62 US-Dollar je Aktie folgt. Die Ablehnung des ersten Angebots trieb den Kurs an der Wall Street nach Bekanntwerden der Übernahmegespräche um rund 30 Prozent nach oben – ein Ausschlag, der sich auch im deutschen Handel niederschlug: Der 30-Tage-Wert der Aktie liegt bei einem Plus von 31,92 Prozent, ein deutliches Zeichen dafür, wie stark die Spekulation um einen Käufer den Titel bewegt hat.
Die Optionsmärkte preisen für die anstehenden Zahlen laut Berichten eine Kursbewegung von 8,8 Prozent ein – deutlich mehr als der durchschnittliche Ausschlag von 4,6 Prozent bei früheren Quartalsberichten. Analysten erwarten einen Gewinn je Aktie von rund 1,28 US-Dollar bei einem Umsatz von etwa 8,5 Milliarden US-Dollar, das Transaktionsvolumen soll im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Das erste Quartal hatte die Erwartungen noch übertroffen: Der Gewinn je Aktie lag bei 1,34 US-Dollar gegenüber einer Konsensschätzung von 1,27 US-Dollar, der Umsatz erreichte 8,35 Milliarden Dollar und wuchs damit um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Institutionelle Investoren bauen Positionen aus
Während die Übernahmefantasie die Schlagzeilen dominiert, bauen mehrere große institutionelle Anleger ihre PayPal-Positionen weiter aus. PNC Financial Services stockte seinen Bestand im ersten Quartal um 9,2 Prozent auf über 376.000 Aktien auf. Auch die norwegische Zentralbank baute eine neue Position auf, Vanguard erhöhte seinen Anteil um 6,5 Prozent. Insgesamt halten institutionelle Investoren mittlerweile rund 68 Prozent aller PayPal-Aktien – ein Vertrauensbeweis, der zeitlich mit der Übernahmediskussion zusammenfällt. Auf der Gegenseite gab es aber auch vereinzelte Insiderverkäufe, etwa durch Führungskräfte des Unternehmens, die kleinere Aktienpakete abstießen.
Der Analystenkonsens bleibt insgesamt verhalten: Von den erfassten Analysten empfehlen die meisten die Aktie zum Halten, nur eine Minderheit rät zum Kauf oder Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt nach den vorliegenden Einschätzungen im hohen 40er- bis niedrigen 50er-Dollar-Bereich – deutlich unter der abgelehnten Übernahmeofferte, was die Frage aufwirft, ob der Markt die Wahrscheinlichkeit eines höheren Gebots noch nicht vollständig eingepreist hat.
Kursbild bleibt angespannt
Im deutschen Handel schloss die PayPal-Aktie am Freitag bei 49,35 Euro, ein moderates Plus von 0,23 Prozent. Trotz der jüngsten Kursrally bleibt der Titel weit von seinen Höchstständen entfernt: Zum 52-Wochen-Hoch von 70,78 Euro, erreicht Ende Oktober vergangenen Jahres, klafft weiterhin eine Lücke von gut 30 Prozent. Das unterstreicht, wie tief die Aktie zuvor gefallen war, bevor die Übernahmespekulation für neuen Schwung sorgte.
Neben der Übernahmefrage muss sich der neue Vorstandschef Enrique Lores auch operativen Herausforderungen stellen. In Deutschland etwa bereitet sich der Handelskonzern Lidl darauf vor, mit der europäischen Zahlungsplattform Wero direkt gegen PayPal anzutreten – mit Checkout-Funktionen im stationären Handel und niedrigeren Gebühren, unterstützt von mehreren Banken. Für Anleger verdichten sich damit zwei parallele Erzählstränge: die kurzfristige Übernahmespekulation und die längerfristige Frage, wie robust PayPals Geschäftsmodell gegenüber neuer europäischer Konkurrenz bleibt. Die Zahlen am Dienstag dürften zeigen, welche der beiden Geschichten für den Kurs vorerst die größere Rolle spielt.
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