Pirelli & C. Aktie: Tschechische Milliardäre greifen nach China-Anteil
03.07.2026 - 11:05:01 | boerse-global.de
Zwei tschechische Milliardäre wollen sich in die Aktionärsstruktur des italienischen Reifenherstellers einkaufen — und zielen dabei direkt auf den chinesischen Großaktionär. Ein Bericht der Zeitung Corriere della Sera brachte am Donnerstag Bewegung in die Pirelli-Aktie, die am Freitag im Tagesverlauf auf ein Jahreshoch von 7,04 Euro kletterte.
Zwei Milliardäre, ein heikler Deal
Michal Strnad, Kopf des Rüstungskonzerns Czechoslovak Group, und Pavel Tykac, Alleinaktionär der Energiegruppe Se.ven Global Investment, haben laut dem Bericht Kontakt zu Sinochem aufgenommen. Der chinesische Mischkonzern hält 34,1 Prozent an Pirelli, die beiden Investoren wollen davon zwischen 10 und 20 Prozent übernehmen.
Strnad kontrolliert rund 85 Prozent von CSG, das an der Amsterdamer Börse mit etwa 14 Milliarden Euro bewertet wird. Tykac gilt als Besitzer eines Vermögens von rund 8 Milliarden Euro. Pirelli selbst bringt derzeit einen Marktwert von 7,5 Milliarden Euro auf die Waage.
Fix ist der Deal nicht. Die Preisvorstellungen der Käufer sollen mit denen von Sinochem kollidieren — ein Muster, das schon frühere Interessenten an der gleichen Beteiligung hat scheitern lassen. Am Markt kursiert die Einschätzung, Sinochems Position sei weniger eine Verhandlungs- als eine politische Frage: China zeigt wenig Bereitschaft, sich aus einem westlichen Unternehmen drängen zu lassen.
Der Hintergrund reicht bis in den April zurück, als die italienische Regierung über ihre Goldene-Aktie-Rechte eingriff und Sinochems Einfluss im Vorstand beschnitt. Von 15 möglichen Kandidatenplätzen durften nur drei von Sinochem besetzt werden, weder Vorstandsvorsitz noch CEO-Posten waren für sie zugänglich. Bei der jüngsten Hauptversammlung setzte sich schließlich die Mehrheitsliste von Camfin durch, der Vorstand berief anschließend Marco Tronchetti Provera zum Executive Chairman.
Insiderkauf und Dividendentermin als zusätzliche Treiber
Eine Tronchetti Provera nahestehende Gesellschaft hatte bereits am 23. Juni Pirelli-Aktien im Wert von rund 997.000 Euro gekauft — ein Signal, das Marktteilnehmer als Vertrauensbeweis werten. Hinzu kommt ein näher rückender Dividendentermin: Am 20. Juli 2026 steht der Ex-Dividendentag an, mit einer Gesamtausschüttung von 0,34 Euro je Aktie, darin enthalten eine Sonderdividende von 0,10 Euro.
Operativ meldete Pirelli zudem den Einstieg mit 24,99 Prozent bei RIDEsense, einer Ausgründung der Universität Neapel Federico II. Eine Option auf Aufstockung bis zur vollständigen Übernahme besteht bereits. Die Technologie soll künftig in das Cyber-Tyre-Ökosystem einfließen und dort unter anderem die Aquaplaning-Erkennung verbessern.
Für die Aktie bleibt der Sinochem-Anteil aber das dominierende Thema. Sollte sich Sinochem tatsächlich zu einem Teilverkauf durchringen, würde sich die seit Jahren belastete Aktionärsstruktur spürbar verschieben — mitsamt der politischen Unsicherheit, die Italien seit dem Eingriff im April begleitet.
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