POLITIK/ ROUNDUP: Mehrheit fĂŒr GrundgesetzĂ€nderung zu Klimaanpassung möglich
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 15:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWSGrĂŒne und Linke zeigten sich bereit, eine solche VerfassungsĂ€nderung mitzutragen. Bedenken kommen aber aus dem Kanzleramt.
Staatsminister Philipp Amthor wandte sich gegen "abstrakte Diskussionen ĂŒber eine VerfassungsĂ€nderung". ZunĂ€chst sollte man ĂŒber eine "optimale Nutzung schon bestehender Handlungsmöglichkeiten" reden, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.
Die SPD möchte eine neue "Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung und Naturschutz" im Grundgesetz verankern. FĂŒr eine wirksame Anpassung an die Klimakrise brauche es "eine gesamtstaatliche Kraftanstrengung, die PrioritĂ€ten setzt, Ressourcen bĂŒndelt, Abstimmungen intensiviert und schnelles Handeln ermöglicht", heiĂt es in einem Papier SPD-gefĂŒhrter Bundesministerien fĂŒr die Kabinettsklausur Ende August.
FĂŒr GrundgesetzĂ€nderung ist Zweidrittelmehrheit nötig
FĂŒr eine Ănderung des Grundgesetzes ist eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat erforderlich. Die schwarz-rote Koalition brĂ€uchte dafĂŒr UnterstĂŒtzung aus den Reihen von GrĂŒnen und Linken, wenn sie nicht auf Stimmen der AfD angewiesen sein will.
Bisher liegt die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr den Hitzeschutz in erster Linie bei LĂ€ndern und Kommunen. WĂ€re er als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankert, könnte der Bund mehr beteiligt werden.
GrĂŒne und Linke ĂŒber GrundgesetzĂ€nderung gesprĂ€chsbereit
GrĂŒnen-Fraktionschefin Katharina Dröge wies im Deutschlandfunk darauf hin, dass ihre Partei dies schon in der vergangenen Wahlperiode gefordert habe. "Es braucht dafĂŒr eine GrundgesetzĂ€nderung, und damals hĂ€tte es die CDU aus der Opposition heraus gebraucht, und die war nicht bereit mitzumachen." Wenn es die SPD jetzt schaffe, die CDU dazu zu bringen, sei das eine wichtige MaĂnahme. GrĂŒnen-Chef Felix Banaszak sagte dem Fernsehsender Welt: "Die SPD bringt eine Forderung ins Spiel, von der sie weiĂ, dass die Union sie ablehnen wird."
Die Linke-Vorsitzende Ines Schwerdtner rief Union und SPD dazu auf, sich erst einmal untereinander zu verstĂ€ndigen. "Dann können sie sich gerne nach der Sommerpause bei uns in der Bundestagsfraktion melden." Man dĂŒrfe aber nicht nur ĂŒber das Grundgesetz sprechen. "Wir sind da als Linke natĂŒrlich gesprĂ€chsbereit, wenn es um Verbesserungen im Grundgesetz geht. Aber wir können jetzt schon einfachgesetzlich sehr, sehr viel regeln." Schwerdtner nannte eine stĂ€rkere Finanzierung des kommunalen Hitzeschutzes, etwa durch eine höhere Beteiligung der Kommunen an der Umsatzsteuer.
Amthor sieht keinen Automatismus fĂŒr neue Mischfinanzierung
"Klimaanpassung ist selbstverstĂ€ndlich eine wichtige gesamtstaatliche Aufgabe, die Bund, LĂ€nder und Kommunen gemeinsam und auf Augenhöhe bewĂ€ltigen mĂŒssen", sagte der im Kanzleramt fĂŒr die Bund-LĂ€nder-Zusammenarbeit zustĂ€ndige Amthor. "Aus dieser Erkenntnis folgt fĂŒr mich aber kein Automatismus fĂŒr eine neue verfassungsrechtlich verankerte Mischfinanzierung."
Der Staatsminister betonte, in der Gesamtdiskussion sollte nicht vergessen werden, dass der Bund schon heute betrĂ€chtliche Finanzmittel ĂŒber bestehende Förderprogramme in die FlĂ€che vergebe. Er nannte die Anpassung urbaner und lĂ€ndlicher Regionen an den Klimawandel, den Waldumbau und die Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen.
"Zudem hat der Bund insbesondere mit seinem "Sondervermögen Infrastruktur und KlimaneutralitĂ€t" schon betrĂ€chtliche Mittel zur VerfĂŒgung gestellt, die - ganz ohne erneute VerfassungsĂ€nderung - auch fĂŒr MaĂnahmen der Klimaanpassung genutzt werden können", sagte Amthor. Diese Mittel könnten nicht nur im Rahmen der BundeszustĂ€ndigkeiten, sondern etwa im Hinblick auf den LĂ€nderanteil von 100 Milliarden Euro auch schon heute flexibel genutzt werden.
CSU reagiert mit strikter Ablehnung
Scharfe Kritik kam aus dem CSU-regierten Bundesland Bayern. Innenminister Joachim Herrmann erklĂ€rte, eine GrundgesetzĂ€nderung, die dem Bund neue Kompetenzen gebe und zu ZustĂ€ndigkeitsstreitereien im Föderalismus fĂŒhre, sei der völlig falsche Weg. "Wir brauchen weder Gemeinschaftsaufgaben noch GrundgesetzĂ€nderungen, sondern rasches konkretes Handeln fĂŒr mehr Hitzeschutz von jeder Behörde in Deutschland in ihrem ureigenen ZustĂ€ndigkeitsbereich."
DGB will einen "Hitzegipfel"
UnterstĂŒtzung erhielt die SPD vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Sein stellvertretender Vorsitzender Stefan Körzell, forderte zudem einen "Hitzegipfel unter Beteiligung der Sozialpartner und Zivilgesellschaft, um ĂŒber kurz-, mittel- und langfristige MaĂnahmen zur Steigerung der Klimaresilienz zu beraten".
Joachim Rock, der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des ParitĂ€tischen Gesamtverbandes, begrĂŒĂte das von der SPD ebenfalls geforderte Sofortprogramm zur Förderung von Klimaanpassung und Hitzeschutz fĂŒr Pflegeheime, KrankenhĂ€user und Kitas. "Richtig zu lĂŒften, ausreichend Wasser bereitzustellen oder andere kurzfristige MaĂnahmen zu ergreifen, reicht angesichts extremer Hitze nicht aus."
GrundgesetzÀnderung beschÀftigt schon Arbeitsgruppe
Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums erlĂ€uterte in der Bundespressekonferenz, die Umweltminister aller 16 LĂ€nder hĂ€tten bei ihrer Konferenz im Mai den Bund aufgefordert, eine GrundgesetzĂ€nderung voranzutreiben. Darum kĂŒmmere sich nun eine Bund-LĂ€nder-Arbeitsgruppe.
