ROUNDUPTrumps, Friedensrat

Blaupause fĂŒr Alternativ-UN?

20.01.2026 - 13:58:09

PrĂ€ambel, 13 Kapitel, zahlreiche Unterpunkte und eine entscheidende Frage: Will Donald Trump mit seinem "Friedensrat" die diplomatische Welt auf den Kopf stellen? Ein offenkundig vom US-PrĂ€sidenten an diverse Regierungen weltweit verschicktes Papier sorgt nicht nur in Deutschland fĂŒr Aufregung, Verwirrung und Sorge um die internationale Nachkriegs-Ordnung.Im Mittelpunkt der Diskussion ĂŒber die "Charta fĂŒr den Friedensrat", die der "Times of Israel" nach eigenen Angaben vorliegt, steht die BefĂŒrchtung, Trump könnte mit dem Papier die Blaupause fĂŒr eine von ihm geplante Alternative fĂŒr die Vereinten Nationen vorgelegt haben.Diplomaten lesen aus der "Charta" bereits eine unverhohlene Kampfansage an die UN.

PrĂ€ambel, 13 Kapitel, zahlreiche Unterpunkte und eine entscheidende Frage: Will Donald Trump mit seinem "Friedensrat" die diplomatische Welt auf den Kopf stellen? Ein offenkundig vom US-PrĂ€sidenten an diverse Regierungen weltweit verschicktes Papier sorgt nicht nur in Deutschland fĂŒr Aufregung, Verwirrung und Sorge um die internationale Nachkriegs-Ordnung.

Im Mittelpunkt der Diskussion ĂŒber die "Charta fĂŒr den Friedensrat", die der "Times of Israel" nach eigenen Angaben vorliegt, steht die BefĂŒrchtung, Trump könnte mit dem Papier die Blaupause fĂŒr eine von ihm geplante Alternative fĂŒr die Vereinten Nationen vorgelegt haben.

Diplomaten lesen aus der "Charta" bereits eine unverhohlene Kampfansage an die UN. Zumal der US-PrĂ€sident aus seiner Verachtung fĂŒr internationale Organisationen keinen Hehl macht und etwa im Streit um Grönland mit der Androhung von Zöllen auf die Macht des StĂ€rkeren setzt.

Was ĂŒber Trumps PlĂ€ne bekannt ist

Laut "Times of Israel" war die "Charta" den Einladungen beigefĂŒgt, mit denen Dutzende Staats- und Regierungschefs gebeten wurden, gemeinsam mit Trump dem "Friedensrat" (Board of Peace) fĂŒr den Gazastreifen beizutreten. Dieser Rat soll laut Trumps Friedensplan fĂŒr den Gaza-Streifen mit der Überwachung eines Nachkriegs-Managements beauftragt sein. Doch in den 13 Kapiteln der "Charta" kommt das Wort Gaza nicht vor.

Vielmehr heißt es dort ganz allgemein in der PrĂ€ambel, man bedauere, "dass zu viele AnsĂ€tze der Friedensförderung dauerhafte AbhĂ€ngigkeiten begĂŒnstigen und Krisen institutionalisieren, anstatt die Menschen aus ihnen herauszufĂŒhren". Die Vertragsparteien wĂŒrden die "Charta" in dem Entschluss verabschieden, "eine Koalition williger Staaten zu bilden, die sich zu praktischer Zusammenarbeit und wirksamem Handeln verpflichten".

Gleich im ersten Kapitel ist unter der Überschrift "Auftrag" festgehalten: "Der Friedensrat ist eine internationale Organisation, die sich fĂŒr StabilitĂ€t, die Wiederherstellung verlĂ€sslicher und rechtmĂ€ĂŸiger RegierungsfĂŒhrung sowie die Sicherung dauerhaften Friedens in von Konflikten betroffenen oder bedrohten Gebieten einsetzt." Staaten können sich laut "Charta" allerdings unbefristet einen Sitz im Friedensrat sichern, wenn sie innerhalb eines Jahres eine Milliarde US-Dollar zum Etat beisteuern. Im ganzen Text findet sich kein Wort zu Gaza - wer will, kann die Formulierungen als Alternative zur gĂŒltigen UN-Charta lesen.

Welche BefĂŒrchtungen gibt es?

Hauptpunkt der Kritik an den PlĂ€nen Trumps ist, dass der "Friedensrat" vollstĂ€ndig auf seine Person zugeschnitten ist. Mitglied kann nur werden, wer vom Vorsitzenden - Trump - eingeladen wird. Festgeschrieben wird außerdem, dass Trump die Befugnis hat, einen Nachfolger zu benennen. Ein Ersatz des Vorsitzenden könne nur "durch freiwilligen RĂŒcktritt oder aufgrund von GeschĂ€ftsunfĂ€higkeit erfolgen", wenn dies vom Vorstand einstimmig beschlossen werde. Eine zeitliche Bindung an die Amtszeit Trumps als US-PrĂ€sident ist demnach nicht vorgesehen. Trump wolle sich, sagen kritische Stimmen, offenbar zum Vorsitzenden des Friedensrats auf Lebenszeit machen.

Auch die Zusammensetzung des Vorstands des "Friedensrats" liegt laut der "Charta" ausschließlich in Trumps HĂ€nden. "Der Vorstand wird vom Vorsitzenden ausgewĂ€hlt und setzt sich aus international anerkannten Persönlichkeiten zusammen", heißt es in Kapitel vier. Die Vorstandsmitglieder sollen fĂŒr jeweils zwei Jahre ernannt werden. Der Vorsitzende - also Trump - "kann sie abberufen, eine VerlĂ€ngerung ist ihm jedoch möglich".

Wie Kanzler Merz reagiert

Die Bundesregierung steht dem Friedensrat in der von Trump beabsichtigten Form zurĂŒckhaltend gegenĂŒber. Man bedanke sich fĂŒr die Einladung und unterstĂŒtze jede Initiative, die zu Frieden und StabilitĂ€t im Gaza-Streifen beitrage, heißt es aus deutschen Regierungskreisen. Ob der Friedensrat diesem Ziel diene, mĂŒsse weiter geprĂŒft werden. "Prinzipiell unterstĂŒtzt Deutschland jede Maßnahme, die sich im Rahmen der völkerrechtlichen Ordnung bewegt."

Die aktuelle ZurĂŒckhaltung der Bundesregierung bei der öffentlichen Bewertung von Trumps "Charta" dĂŒrfte auch mit dem von Merz am Mittwoch geplanten Treffen mit dem US-PrĂ€sidenten am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos zusammenhĂ€ngen. Dabei soll es zwar hauptsĂ€chlich um den Streit mit den USA um Grönland gehen - und die von Trump in diesem Zusammenhang angedrohten Zölle gegen Deutschland und andere europĂ€ische Nato-LĂ€nder.

Was LÀndern droht, die sich gegen die "Friedensrat"-VorschlÀge Trumps stellen, konnte Merz am Beispiel Frankreich beobachten. Wegen der zögerlichen Haltung von PrÀsident Emmanuel Macron, dem Gremium beizutreten, droht der US-PrÀsident mit Zöllen von 200 Prozent auf Wein und Champagner.

Wie andere LĂ€nder auf die Einladung Trumps reagieren

Zur Teilnahme am "Friedensrat" wurden neben Kanzler Merz unter anderem der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan, Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi und Argentiniens PrĂ€sident Javier Milei eingeladen. Interessant, welche LĂ€nder außerdem noch Einladung vom US-PrĂ€sidenten bekommen haben: Auch Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin bekam laut Kreml-Angaben ein solches Schreiben, genau wie die chinesische Regierung.

@ dpa.de