PrÀsentismus, Milliarden

PrÀsentismus kostet Unternehmen Milliarden

06.02.2026 - 23:22:12

Kranke Mitarbeiter am Arbeitsplatz verursachen höhere Kosten als Fehlzeiten. Das PhĂ€nomen wird durch Homeoffice verschĂ€rft und fĂŒhrt zu ProduktivitĂ€tsverlusten sowie langfristigen Gesundheitsrisiken.

Kranke Mitarbeiter am Arbeitsplatz verursachen höhere Kosten als Fehlzeiten. Neue Analysen zeigen: Das Phänomen Präsentismus wird durch Homeoffice noch verschärft und entwickelt sich zur ernsten Gefahr für Gesundheit und Produktivität.

Die versteckte Milliarden-Rechnung

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beziffert die volkswirtschaftlichen Schäden für 2024 auf bis zu 227 Milliarden Euro ausgefallene Bruttowertschöpfung. Experten sind sich einig: Die Kosten durch Präsentismus übersteigen die Ausgaben für reguläre Krankmeldungen bei Weitem.

Warum ist krank arbeiten so teuer? Die Produktivität sinkt dramatisch, während Fehlerquoten und Unfallrisiken steigen. Eine Unternehmensanalyse zeigte ein deutliches Bild:

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  • Von einem gesamten Produktivitätsverlust von 14 Prozent gingen 11 Prozentpunkte auf Präsentismus zurück.
  • Nur 3 Prozentpunkte entfielen auf tatsächliche Fehlzeiten.
  • Pro krank arbeitendem Mitarbeiter entstehen jährlich Kosten von rund 2.400 Euro.

Hinzu kommt die Ansteckungsgefahr für Kollegen, die weitere Ausfälle nach sich ziehen kann.

Angst und Kultur treiben kranke Mitarbeiter an

Warum gehen Menschen trotzdem krank zur Arbeit? Die Gründe liegen tief in der Unternehmenskultur. Die größten Treiber sind:

  • Die Sorge, Kollegen im Stich zu lassen (besonders bei dünner Personaldecke).
  • Angst vor beruflichen Nachteilen oder sogar Jobverlust.

Eine Umfrage unterstreicht den Zusammenhang: 71 Prozent derjenigen mit Angst um ihren Arbeitsplatz gehen krank zur Arbeit. Bei Beschäftigten ohne diese Sorge sind es nur 41 Prozent. Besonders junge Mitarbeiter unter 30 fürchten negative Konsequenzen.

Das Verhalten der Führungskräfte wirkt wie ein Vorbild. Wenn Chefs selbst krank im Büro erscheinen, fühlen sich Mitarbeiter unter Druck gesetzt, es ihnen gleichzutun. Eine Kultur, die Anwesenheit mit Leistung verwechselt, schadet dem ganzen Unternehmen.

Homeoffice verschärft das Problem zur Gesundheitsfalle

Die Ausbreitung von Homeoffice hat dem Präsentismus eine neue Dimension gegeben. Als „Tele-Präsentismus“ oder „Workahomeism“ arbeiten Beschäftigte von zu Hause aus, obwohl sie krank sind. Studien deuten darauf hin, dass die Neigung im Homeoffice sogar größer ist.

Die gesundheitlichen Folgen sind schwerwiegend. Eine Studie der TU Chemnitz belegt: Die Erschöpfung nach einer Präsentismus-Phase hält deutlich länger an und baut sich nur langsam über Wochen ab. Das Risiko für Burnout und chronische Erkrankungen steigt.

Im Homeoffice verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Erholung vollends. Der Laptop liegt im Krankheitsfall nur eine Armlänge entfernt – die notwendige Regeneration wird so systematisch erschwert.

Vertrauen statt Anwesenheitszwang

Was können Unternehmen tun? Der Schlüssel liegt in einer klaren Botschaft der Führungsebene: Kranke Mitarbeiter sollen zu Hause bleiben, um vollständig zu genesen. Konkrete Maßnahmen sind:

  • Etablierung flexibler Arbeitsmodelle und klarer Vertretungsregelungen.
  • Identifikation unternehmensspezifischer Ursachen durch datenschutzkonforme Befragungen.
  • Förderung einer Kultur, die Gesundheit als wertvolle Ressource anerkennt.

In Zeiten des Fachkräftemangels können sich Unternehmen eine ausgeburnte Belegschaft nicht leisten. Gesunde und erholte Mitarbeiter sind nicht nur loyaler, sondern auf Dauer auch deutlich produktiver. Die Investition in ihr Wohlbefinden ist damit direkt eine Investition in die Zukunft des Unternehmens.

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