Privatversicherte bei Klinikreform einbeziehen
Veröffentlicht am: 22.09.2024 um 14:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Bleibt es bei den bisherigen PlĂ€nen von Gesundheitsminister Lauterbach, wĂŒrde kĂŒnftig ein Privatversicherter in einem Bett behandelt, das die Solidargemeinschaft der gesetzlich Krankenversicherten bezahlt hat", sagte Reimann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Statt die Kosten fĂŒr den geplanten Fonds zum Umbau der Kliniklandschaft in Höhe von 50 Milliarden Euro zur HĂ€lfte den gesetzlich Krankenversicherten aufzubĂŒrden, sollten die Lasten gerechter verteilt werden. Denn es entfielen knapp zehn Prozent aller Klinikbehandlungen auf Privatversicherte, meinte Reimann. "Es ist ein Gebot der Fairness, auch die private Krankenversicherung am Umbau der Krankenhauslandschaft zu beteiligen." Die Finanzierung der Krankenhausreform teilen sich die BundeslĂ€nder und die gesetzlichen Kassen, die dafĂŒr wohl die BeitragssĂ€tze der Versicherten erhöhen mĂŒssten. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hĂ€lt dies fĂŒr verfassungswidrig.
Auch die Chefin des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, kritisierte die PlĂ€ne: "Unser Krankensystem fuĂt auf dem Solidarprinzip - eigentlich. Schon die Zweiteilung in gesetzlich und privat Versicherte hebelt das aus und sorgt fĂŒr eine Zweiklassengesellschaft. Den bitternötigen Umbau der Krankenhauslandschaft nun allein den gesetzlich Versicherten aufzubĂŒrden, ist eine neue Stufe des unsolidarischen Miteinanders", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.
AufschlÀge auf die Klinik-Rechnungen?
Konkret schlug AOK-Chefin Reimann AufschlĂ€ge auf die Klinik-Rechnungen fĂŒr Privatversicherte vor. Das sei technisch am einfachsten zu realisieren und habe sich bereits in anderen Bereichen bewĂ€hrt. Zugleich bekrĂ€ftigte die Kassenvertreterin die grundsĂ€tzliche Haltung der gesetzlichen Krankenkassen, wonach die Modernisierung der Krankenhauslandschaft eigentlich Aufgabe von Bund und LĂ€ndern sei und damit komplett aus Steuermitteln bezahlt werden mĂŒsse. Der SoVD vertritt laut Engelmeier die gleiche Auffassung.
Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, sagte der dpa, die privaten Krankenkassen mĂŒssten von Anfang an bei der Finanzierung der Reform mitwirken. Ein Aufschlag auf Klinik-Rechnungen wie von Reimann ins Spiel gebracht sei der falsche Weg. "Das wĂŒrde die Benachteiligung der gesetzlich Versicherten erhöhen. Denn schon heute werden in der stationĂ€ren Versorgung Privatversicherte bevorzugt, da mit Ihnen höhere Erlöse zu erzielen sind."
Die Krankenhausreform wird derzeit im Bundestag beraten. FĂŒr Mittwoch ist eine öffentliche Expertenanhörung im Gesundheitsausschuss geplant- begleitet von Protestaktionen. Lauterbach wirbt seit Monaten fĂŒrseine ReformplĂ€ne, die mehr Spezialisierung und weniger BĂŒrokratie bringen sollen.
