Finanzierung/Investitionen, Produktion/Absatz

Tesla lĂ€sst Zeitplan fĂŒr Ausbau in GrĂŒnheide offen

04.08.2024 - 14:08:52

Protest, Produktionsstillstand, Probleme am Markt: US-Elektroautobauer Tesla US88160R1014 fÀhrt in diesem Jahr in Deutschland gegen wachsende WiderstÀnde an.

Das Unternehmen hĂ€lt an den AusbauplĂ€nen fĂŒr seine einzige europĂ€ische Fabrik in GrĂŒnheide bei Berlin fest. Aber wegen der schwierigen Marktlage ist der Zeitplan völlig offen. "Wir gehen fest davon aus, dass der Markt wieder anziehen wird. Es ist sicherlich eine Frage wie schnell und wann", sagte Werksleiter AndrĂ© Thierig der Deutschen Presse-Agentur. Aber er betonte: "Wir werden nicht mehrere Milliarden fĂŒr den Ausbau der Fabrik in die Hand nehmen, ohne dass die Signale ganz klar sind, dass das vom Markt auch abgefragt wird."

Der Tesla-Werksleiter macht damit nicht nur deutlich, dass der Bau einer weiteren Fabrik mehrere Milliarden Euro kosten wĂŒrde, sondern nennt auch die Bedingung dafĂŒr. "Wir können aufs Gas treten, wenn wir merken, dass wir es brauchen", sagte Thierig, der seit fast 25 Jahren in der Automobilindustrie arbeitet. "Wir produzieren nach wie vor fĂŒnf Tage in der Woche dreischichtig und könnten jederzeit wieder hochlaufen."

Deutlich weniger E-Autos neu zugelassen

Der Elektroautomarkt steckt in der Flaute. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres lag die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland im Elektrobereich bei 184.125, darunter 21.249 Mal Tesla, wie aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamts hervorgeht. Im Vorjahreszeitraum sah es besser aus: Damals wurden 220.244 E-Fahrzeuge zugelassen, darunter 36.384 Teslas.

Das von Tech-MilliardĂ€r Elon Musk gefĂŒhrte Unternehmen schloss das zweite Quartal in Folge weltweit mit GewinnrĂŒckgang ab. Der zuvor geplante Stellenabbau bei Tesla hatte auch Folgen fĂŒr GrĂŒnheide: "Unsere Planung Anfang des Jahres prognostizierte ein deutlich stĂ€rkeres Wachstum, das sich nicht eingestellt hat", sagte Thierig. "Wir haben die 400 ArbeitsplĂ€tze recht schnell und gerĂ€uschlos mit einem attraktiven Abfindungsprogramm abgebaut."

Als positives Signal verweist er auf die Produktion fĂŒr die Britischen Inseln. "Dadurch, dass wir jetzt auch den Rechtslenker-Markt in Großbritannien und Irland aus Berlin heraus bedienen, haben wir aber einen grĂ¶ĂŸeren Absatzmarkt, auf den wir direkt zugreifen."

Antrag auf Genehmigung fĂŒr den Ausbau in Stufen

In GrĂŒnheide in Brandenburg stellt Tesla seit mehr als zwei Jahren Elektroautos her. Dort arbeiten nach Unternehmensangaben knapp 12.000 BeschĂ€ftigte. Der Autobauer will die Produktion von hochgerechnet ĂŒber 250.000 Autos im Jahr perspektivisch auf eine Million Fahrzeuge im Jahr hochfahren.

Der erste Antrag auf umweltrechtliche Genehmigung beim Land Brandenburg zum Ausbau ist gestellt, verzögert sich aber. Dabei geht es zunĂ€chst nur um Baumaßnahmen an bestehenden GebĂ€uden - dafĂŒr erteilte das Landesumweltamt eine vorlĂ€ufige Genehmigung. "Wir rechnen damit, dass die erste Teilgenehmigung im September oder Oktober kommen wird", sagte Thierig. Den Zeitplan nennt auch das Landesumweltamt Ă€hnlich. Zwei weitere AntrĂ€ge sind bisher geplant, dazu wĂŒrde auch der fĂŒr die Genehmigung einer neuen Fabrik zĂ€hlen.

Der Start ins Jahr war holprig. Rund zwei Wochen ruhte die Fertigung im Januar und Februar, weil Bauteile wegen der Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf Schiffe im Roten Meer fehlten. Der Protest gegen das US-Unternehmen wĂ€chst. Seit Februar campieren Umweltaktivisten im Wald nahe der Fabrik, um gegen eine Erweiterung mit Waldrodung und neuem GĂŒterbahnhof sowie gegen den Wasserverbrauch zu protestieren. Nach einer BĂŒrgerbefragung in GrĂŒnheide, die sich mehrheitlich gegen die Erweiterung aussprach, soll weniger Wald gerodet werden.

Der Widerstand wÀchst

Im MĂ€rz kam es in der NĂ€he der Fabrik zu einem Anschlag auf die Stromversorgung von Tesla. Die Autoproduktion lag wegen eines Stromausfalls fast eine Woche lang auf Eis. Im Mai versuchten Umweltaktivisten bei Protesttagen, das Tesla-GelĂ€nde zu stĂŒrmen. Im Juni stand die Produktion erneut still - laut Tesla wegen interner Optimierungen. Der Autobauer hat mehr Automatisierung eingefĂŒhrt: Bisher transportierten zum Beispiel Gabelstapler im Karosseriebau Teile, nun lĂ€uft es vollautomatisch.

Derzeit laufen die Planungsarbeiten fĂŒr einen neuen GĂŒterbahnhof. DafĂŒr muss Wald gerodet werden, der im Besitz des Landes ist. "FĂŒr den Kauf sind wir im GesprĂ€ch mit dem Forst", sagte Thierig. Der Finanzausschuss des Brandenburger Landtags muss grĂŒnes Licht geben - offen ist, ob das noch in dieser Wahlperiode etwas wird. "Dann hĂ€tten wir eine Chance, den Kauf eventuell in diesem Jahr noch abzuschließen."

UmweltschĂŒtzer haben Bedenken - Tesla weist zurĂŒck

Seit dem Bau gibt es große Bedenken von UmweltschĂŒtzern und Anwohnern, auch weil das Werk zum Teil im Wasserschutzgebiet liegt. Der Verbrauch von Frischwasser lag im vergangenen Jahr bei unter 500.000 Kubikmeter, das ist deutlich weniger als die vereinbarte Wassermenge pro Jahr. Pro Auto werden laut Tesla 1,8 Kubikmeter Wasser verbraucht. Das liege deutlich unter dem Schnitt der Autoindustrie, betont das Unternehmen. Der deutsche Autobauer BMW DE0005190003 verbrauchte nach eigenen Angaben im Jahr 2023 pro produziertem Fahrzeug 1,78 Kubikmeter Trinkwasser.

Tesla will fĂŒr den Ausbau nicht mehr Wasser verbrauchen als bisher. Die vertraglich gesicherte Menge reiche auch fĂŒr eine Million Autos, "weil wir in Zukunft nicht nur unser Prozesswasser, sondern auch unser SanitĂ€rabwasser in der Fabrik recyceln wollen", sagte Thierig. Den Protest sieht er kritisch: "Wir bauen hier Elektroautos, wir sind keine Ölraffinerie oder was auch immer." Das Protestcamp ist allerdings immer noch im Wald nahe der Fabrik.

@ dpa.de | US88160R1014 FINANZIERUNG/INVESTITIONEN