Psychische Belastung durch mangelnde Abschaltfähigkeit steigt
24.03.2026 - 08:00:31 | boerse-global.deDie Fähigkeit, nach Feierabend mental abzuschalten, wird für viele Beschäftigte zum Problem. Aktuelle Studien zeigen alarmierende Zahlen zu psychischen Belastungen und belegen, dass selbst der Urlaub seine erholsame Wirkung verliert.
Der Zeigarnik-Effekt sabotiert die Erholung
Hauptgrund für die fehlende Entspannung ist ein psychologisches Phänomen: der Zeigarnik-Effekt. Unser Gehirn merkt sich unerledigte Aufgaben besser als abgeschlossene. Diese offenen Punkte verfolgen viele bis in den Feierabend und in den Urlaub. Die ständige digitale Erreichbarkeit und die Last unvollendeter Projekte halten das Gehirn in einer kognitiven Warteschleife. Der präfrontale Kortex bleibt in Alarmbereitschaft. Experten beobachten, dass der Cortisolspiegel in den Ferien unter diesen Bedingungen oft nicht sinkt. Das Ergebnis ist ein Urlaub, der physisch stattfindet, mental aber wirkungslos bleibt. Über 57 Prozent der europäischen Urlauber geben an, primär zur Regeneration zu verreisen.
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Alarmierende Zahlen: Jeder Dritte kann nicht abschalten
Die psychische Belastung am Arbeitsplatz erreicht neue Höchststände. Der "2026 State of Workforce Mental Health Report" zeigt einen Anstieg schwerwiegender mentaler Gesundheitsprobleme um 67 Prozent im letzten Jahr. Mehr als ein Drittel der Befragten berichtet, im Arbeitsalltag nur noch zu "überleben". Eine Studie der Pronova BKK hebt das Phänomen des "Quiet Cracking" hervor. Fast jeder dritte Erwerbstätige in Deutschland kennt diese stille Überlastung, bei der man nach außen funktioniert, innerlich aber erschöpft ist. Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 40 Prozent.
Die Swiss Life Stress-Studie offenbart zudem einen deutlichen Generationenunterschied. Während 48 Prozent der Generation Z unter hohem Stress leiden, sind es bei den Babyboomern nur 20 Prozent. Eine Erhebung der Techniker Krankenkasse zeigt: Einem Drittel der Beschäftigten gelingt das Abschalten nach der Arbeit nicht. 42 Prozent fühlen sich durch den Job oft abgearbeitet und verbraucht.
Unternehmen in der Pflicht – aber viele zögern
Die Folgen für die Leistungsfähigkeit sind gravierend. Fast jeder zweite Österreicher fühlt sich durch psychische oder körperliche Belastungen eingeschränkt. Etwa ein Drittel der Arbeitszeit wird als unproduktiv erlebt. Obwohl 90 Prozent der Arbeitnehmer es für wichtig halten, dass sich Unternehmen um die mentale Gesundheit kümmern, haben nur 44 Prozent den Eindruck, dass ihre Arbeitgeber dieses Thema ernst nehmen. Die Swiss Life Stress-Studie bestätigt diese Defizite. Nur 20 Prozent der Erwerbstätigen fühlen sich gut über entsprechende Angebote informiert.
Eine Studie der RWTH Aachen und Universität Trier belegt: Konsequentes Abschalten in der Freizeit führt zu höherer Zufriedenheit – beruflich und privat. Wer gedanklich nicht von der Arbeit loskommt, ist unzufriedener. Die Forschenden fordern, dass Arbeitgeber echte Erholung fördern sollten, anstatt ständige Erreichbarkeit zu erwarten.
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Was hilft? Vom "Right to Disconnect" bis zu klaren Grenzen
Angesichts der Belastungen sind individuelle und strukturelle Maßnahmen nötig. Ein zentraler Ansatz ist das "Right to Disconnect", also das Recht, nach Feierabend offline zu sein. Dieses Konzept wird in einigen Ländern bereits gesetzlich verankert.
Individuell kann die Burnout-Prävention im Alltag beginnen. Dazu gehören achtsame Selbstwahrnehmung, das Setzen klarer Grenzen und das Einplanen bewusster Erholungszeiten. Technikfreie Zonen oder das bewusste Ausschalten beruflicher Nachrichten nach Feierabend sind wirksame Schritte. Experten betonen: Bereits kurze bildschirmfreie Zeiten können Wunder wirken.
Für Arbeitgeber bedeutet dies, Strukturen zu schaffen, die Erholung ermöglichen. Dazu gehört die regelmäßige Besprechung von Zielen und Prioritäten im Team, um unrealistische Erwartungen zu vermeiden. Auch die Integration psychischer Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung, die seit 2026 intensiver umgesetzt wird, bietet einen systematischen Ansatz.
Work-Life-Balance wird zum Top-Priorität
Die mangelnde Abschaltfähigkeit ist ein Symptom tiefgreifender Veränderungen. Digitalisierung und Flexibilisierung verwischen die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben. Für einige bedeutet das mehr Freiheit, für andere, insbesondere ältere Generationen, zusätzlichen Stress.
Die Studien zeigen eine klare Verschiebung der Prioritäten. Eine gute Work-Life-Balance wird für viele zum wichtigsten Faktor bei der Jobwahl – noch vor dem Gehalt. Diese Entwicklung zwingt Unternehmen, ihr betriebliches Gesundheitsmanagement zu überdenken. Eine verbesserte Abschaltfähigkeit steigert nicht nur das Wohlbefinden, sondern sichert langfristig auch Produktivität und Loyalität.
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