Psychologen-Verband, EU-Datenreform

Psychologen-Verband warnt vor EU-Datenreform

27.01.2026 - 18:26:12

Der Berufsverband Deutscher Psychologen kritisiert die geplante EU-Reform als Risiko für Patientendaten. Pseudonymisierte Informationen aus Therapien könnten ihren Schutz verlieren.

Der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) schlägt Alarm: Das geplante EU-Digitalpaket gefährdet den Schutz sensibler Gesundheitsdaten. Die Kritik zielt auf eine Aufweichung der DSGVO.

Kern der Kontroverse: Pseudonymisierte Daten

Im November 2025 legte die EU-Kommission ihren „Digital Omnibus“-Entwurf vor. Ein zentraler Punkt ist die Neudefinition von personenbezogenen Daten in der DSGVO. Künftig sollen pseudonymisierte Daten für einen Empfänger nicht mehr als personenbezogen gelten, wenn dieser die Person nicht mit „vernünftigen Mitteln“ identifizieren kann.

Was technisch klingt, hat massive Folgen. Große Datenmengen könnten so aus dem strengen Schutzregime der DSGVO herausfallen. Für Kritiker ist das ein Freibrief für einen laxeren Umgang mit persönlichen Informationen.

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Gesundheitsdaten in besonderer Gefahr

Der BDP sieht in der Reform eine direkte Bedrohung für Patientendaten. In einer aktuellen Stellungnahme warnt der Verband vor einer kritischen Schwachstelle. Betroffen wären hochsensible Informationen aus der elektronischen Patientenakte (ePA), etwa aus Psychotherapien.

„Fielen pseudonymisierte Gesundheitsdaten nicht mehr unter die DSGVO, wären die Risiken kaum abschätzbar“, so der BDP. Der Verband lehnt die Pläne daher entschieden ab. Nationale Schutzstandards in Deutschland könnten durch die EU-Regelung ausgehebelt werden.

EU-Datenpolitik im Spannungsfeld

Die Debatte ist Teil einer größeren Neuausrichtung. Die EU will mit Gesetzen wie dem Data Act den Datenaustausch für Wirtschaft und Forschung erleichtern. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) nennt Vertrauen die „Währung der Datenökonomie“.

Doch welchen Preis hat dieses Vertrauen? Datenschützer befürchten, dass Bürgerrechte dem Wirtschaftsinteresse geopfert werden. Eine Anhörung im Bundestag zum Data Act am 28. Januar wird auch den Digital Omnibus im Blick haben.

Zielkonflikt: Innovation versus Privatsphäre

Die Kontroverse zeigt den Grundkonflikt moderner Digitalpolitik. Die Kommission argumentiert mit mehr Rechtssicherheit für Unternehmen und Innovationsförderung. Klarere Regeln für pseudonymisierte Daten sollen helfen.

Skeptiker wie der BDP halten dagegen: Pseudonymisierung ist kein Allheilmittel. Künstliche Intelligenz macht die Rück-Identifizierung scheinbar anonymer Daten immer einfacher. Eine Lockerung jetzt könnte das Vertrauen der Bürger nachhaltig beschädigen.

Widerstand formiert sich

Mit dem BDP erhält die Kritik eine prominente Stimme. Der Verband bringt das abstrakte Thema auf die konkrete Ebene des Patientenschutzes. Das verleiht der Argumentation Gewicht.

Das Gesetzgebungsverfahren in Brüssel steht noch am Anfang. Es ist wahrscheinlich, dass weitere Verbände und Datenschutzbehörden folgen werden. Die kommenden parlamentarischen Beratungen werden zeigen, ob der Ruf nach mehr Schutz Gehör findet – oder ob die wirtschaftliche Nutzung Vorrang erhält. Die Weichen für Europas digitale Zukunft werden gerade gestellt.

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