WOCHENAUSBLICK: Dax droht Gefahr von ĂŒberzogenen Zinserwartungen
22.01.2024 - 05:50:33 | dpa.deDie NervositĂ€t an den AktienmĂ€rkten, die sich zuletzt etwas gelegt hatte, könnte also wieder steigen. Das GeschĂ€ft mit Aktien dĂŒrfte sich in der vierten Handelswoche des neuen Jahres deutlich beleben, zumal auch erste deutsche und europĂ€ische Schwergewichte ihre Quartalsberichte vorlegen.
Im Fokus dĂŒrften zunĂ€chst jedoch noch die Bilanzen groĂer US-Tech-Konzerne stehen. Mit Netflix US64110L1061, Texas Instruments US8825081040, IBM US4592001014 und Intel US4581401001 stehen gleich mehrere BranchengröĂen auf der Agenda. Hier hatten Anleger zuletzt ĂŒberwiegend eine abwartende Haltung an den Tag gelegt. Positive Ăberraschungen der Unternehmen könnten also mit AktienkĂ€ufen quittiert werden. Das gilt auch fĂŒr den E-Auto-Hersteller Tesla US88160R1014, dessen Aktien zuletzt auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten gefallen waren.
Gefahr droht dem deutschen Leitindex Dax DE0008469008 derweil von möglicherweise ĂŒberzogenen Erwartungen an Zinssenkungen in der Eurozone. Die EZB dĂŒrfte die Leitzinsen am Donnerstag unverĂ€ndert belassen. Marktexperte Ronald Gehrt vom Broker Lynx verwies darauf, dass die Notenbank erst im kommenden Jahr mit einem RĂŒckgang der Inflation in ihre Zielzone um zwei Prozent rechnet. "Damit dĂŒrften Zinssenkungen 2024 wenn, dann moderat ausfallen, mehr als Geste (...) Und so manchem Bullen wird auch langsam bewusst, dass nicht der Beginn, sondern erst die Endphase einer Serie von Zinssenkungen das Wachstum stimuliert."
Am Anleihemarkt hatten Investoren ihre groĂen Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen zuletzt schon etwas korrigiert: Die Rendite zehnjĂ€hriger Bundesanleihen war in den vergangenen Wochen von TiefstĂ€nden unter 2 Prozent wieder gestiegen. Sollte die EZB die noch immer hochgesteckten Erwartungen enttĂ€uschen, droht ein weiterer Anstieg der Renditen - und möglicherweise weitere RĂŒcksetzer an den europĂ€ischen Aktienbörsen.
Einen Blick wert dĂŒrften in der neuen Woche auch der ifo-GeschĂ€ftsklimaindex und Umfragen unter EinkĂ€ufern in Unternehmen in Europa und den USA sein. Beide Konjunkturdaten gelten als wichtige FrĂŒhindikatoren. Experten rechnen damit, dass sich hier die moderate Erholung der vergangenen Monate fortsetzt. "Allerdings könnte die GefĂ€hrdung der Schifffahrt durch die Huthi-Miliz zu einer zurĂŒckhaltenderen EinschĂ€tzung der Unternehmen vor allem im Verarbeitenden Gewerbe fĂŒhren", gibt die Landesbank Helaba zu bedenken.
Auch in Europa kommt die Saison der Quartalsberichte in der neuen Woche allmĂ€hlich ins Laufen. Mit SAP DE0007164600 und Sartorius DE0007165631 stehen zwei Dax-Konzerne im Rampenlicht. WĂ€hrend SAP-Aktien zuletzt stark gestiegen waren und ein Rekordhoch nur knapp verpasst hatten, geht es fĂŒr Sartorius seit Jahresbeginn abwĂ€rts. Neue Impulse fĂŒr die europĂ€ische Halbleiterbranche könnten von den GeschĂ€ftszahlen des Chip-AusrĂŒsters ASML NL0010273215 und des Halbleiterproduzenten STMicroelectronics NL0000226223 ausgehen./bek/tav/jha/he
--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---
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