Rekordhalbjahr - Aber Konsumflaute bremst Inlandstourismus
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 12:55 Uhr | dpa.deDie Hotels und andere Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten meldeten in dem Monat 48,9 Millionen Ăbernachtungen. Das waren 2,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Auf das erste Halbjahr gesehen liegt das GeschĂ€ft aber gerade noch auf Rekordkurs.
Zumindest ein Teil der ErklĂ€rung der Juni-Zahlen dĂŒrfte der verschobene Pfingsttermin sein, der im Vorjahr komplett im Juni lag und wie immer starken Reiseverkehr ausgelöst hat. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) sieht aber auch die eingetrĂŒbte Konsumlaune und schlechte Verkehrsverbindungen als Probleme fĂŒr den Tourismus, der immerhin knapp vier Prozent der deutschen Brutto-Wertschöpfung erbringt.
Vor allem GĂ€ste aus dem Inland kamen im Juni seltener: 41,2 Millionen Ăbernachtungen bedeuteten einen RĂŒckgang um 3,6 Prozent. Die Zahl der Ăbernachtungen auslĂ€ndischer GĂ€ste stieg hingegen um 1,6 Prozent auf 7,7 Millionen.
Halbjahr bleibt knapp auf Rekordkurs
223,8 Millionen Ăbernachtungen in den ersten sechs Monaten bedeuten einen Zuwachs von 0,3 Prozent im Vergleich zur ersten JahreshĂ€lfte 2025. Diese hatte den bisherigen Rekord fĂŒr das erste Halbjahr mit 223,1 Millionen Ăbernachtungen markiert. Die Zahl der GĂ€ste aus dem Ausland ist mit 0,5 Prozent zuletzt etwas stĂ€rker gestiegen als bei den InlĂ€ndern mit 0,3 Prozent.
Die persönliche wirtschaftliche Unsicherheit auch infolge der internationalen Spannungen dÀmpft in breiten Bevölkerungsgruppen die Reiselust. Bei einer Umfrage Ende April/Anfang Mai im Auftrag des BTW erklÀrten 40 Prozent, im laufenden Jahr bei Reisen zu sparen. 22 Prozent verzichteten zumindest teilweise auf Urlaubsreisen.
Besonders betroffen sind Àltere Menschen und Haushalte mit niedrigem Einkommen. "Wenn Menschen Angst um ihren Job oder ihr Einkommen haben, verzichten sie irgendwann auch auf Reisen und Genuss", sagt BTW-PrÀsident Sören Hartmann.
Deutschland als sicheres Reiseziel
Mit 36,4 Millionen Ăbernachtungen auslĂ€ndischer GĂ€ste zum Halbjahr wird das Niveau aus der Zeit vor der Corona-Krise aber weiterhin nicht erreicht. In der ersten JahreshĂ€lfte 2019 waren rund 3,4 Millionen Ăbernachtungen mehr registriert worden.
Man habe trotz schwieriger Marktbedingungen Zugewinne erzielt, betont die Deutsche Zentrale fĂŒr Tourismus (DZT), die fĂŒr das Incoming-GeschĂ€ft zustĂ€ndig ist. Es gebe auch international einen Trend zu sicherheitsorientierten und kurzfristigeren Buchungsentscheidungen und nĂ€her gelegenen Reisezielen, sagt DZT-Chefin Petra Hedorfer. "Davon kann Deutschland mit seiner zentralen Lage, einem attraktiven Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis und seiner Wahrnehmung als sicheres Reiseziel in dieser Sommersaison profitieren".
Fluganbindung geht zurĂŒck
Nach EinschÀtzung einer BTW-Sprecherin tragen das geÀnderte GeschÀftsreiseverhalten, komplexe Visaregeln und die schlechtere Fluganbindung Deutschlands zu den immer noch verminderten Besucherzahlen aus dem Ausland bei.
Dazu passen Zahlen des Flughafenverbands ADV, der fĂŒr das erste Halbjahr nur 77 Prozent der Flugbewegungen aus dem Vergleichszeitraum im Jahr 2019 registriert hat. Zwar sind die meisten FlĂŒge auf innerdeutschen Verbindungen gestrichen worden, doch auch im Europa- und Interkontinentalverkehr gibt es weniger Angebot. Vor allem Regionen auĂerhalb der Drehkreuze verlieren ihre Anbindung an internationale MĂ€rkte.
Reiseziele klimafest machen
Zwar reden alle ĂŒber das Wetter, aber im ersten Halbjahr dĂŒrften laut BTW allenfalls Kurzurlauber ihre Reisen von anfĂ€nglicher KĂ€lte oder heftiger Hitzewelle Ende Juni abhĂ€ngig gemacht haben. Als Reiseziel könnte Deutschland im Vergleich zum ĂŒberhitzten Mittelmeerraum sogar gewinnen.
Doch der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen Tourismusverbands, Norbert Kunz, warnt: "Die Folgen des Klimawandels treffen lĂ€ngst auch deutsche Urlaubsregionen: Hitze schĂ€digt StraĂen und Schienen, Trockenheit senkt die Pegel von FlĂŒssen und Seen." Insbesondere den Kommunen fehlten die Mittel fĂŒr notwendige Investitionen fĂŒr Hitzeschutz und Vorsorge vor Extremwetter.
