Rheinmetall, Aktie

Rheinmetall Aktie: NVL-Übernahme verliert ihr Fundament

24.06.2026 - 17:04:49 | boerse-global.de

Der Stopp des F126-Fregattenbaus lässt Rheinmetalls Aktie einbrechen und stellt die NVL-Übernahme infrage.

Rheinmetall Aktie: F126-Auftragsstopp erschüttert Marinepläne
Rheinmetall - Dramatische Silhouette eines großen Marineschiffs vor einem stürmischen Himmel, das Verlust und Unsicherheit darstellt. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Für Rheinmetall war die milliardenschwere Übernahme des Schiffbauers Naval Vessels Lürssen (NVL) Anfang April 2026 ein strategischer Coup — der F126-Fregattenauftrag sollte das Herzstück des neuen Marinegeschäfts werden. Heute ist dieser Plan Geschichte.

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat den Bau von sechs Fregatten des Typs F126 offiziell gestoppt. Statt Rheinmetall bekommt der Kieler Marineschiffbauer TKMS den Zuschlag — für acht Fregatten des Typs Meko A-200 DEU, primär für die U-Boot-Jagd ausgelegt. Die Aktie rauschte daraufhin um bis zu 18 Prozent in die Tiefe und fiel zeitweise unter die Marke von 1.000 Euro — erstmals seit mehr als einem Jahr.

Warum das Projekt scheiterte

Das F126-Programm war von Anfang an ein Novum: 2020 europaweit ausgeschrieben, mit dem niederländischen Unternehmen Damen Schelde Naval Shipbuilding als Generalunternehmer. Der erste Liefertermin, Mitte 2028, war längst unrealistisch geworden. IT-Probleme mit der Konstruktionssoftware hatten das Projekt ausgebremst.

Die Kostenlage war nicht weniger beunruhigend. Ursprünglich auf rund 10 Milliarden Euro veranschlagt, hätte eine Fortführung nach Ministeriumseinschätzung mehr als 18 Milliarden Euro verschlungen — bei bereits entstandenen Kosten von rund 2,3 Milliarden Euro, die nun größtenteils abgeschrieben werden dürften. Ein Wechsel zu NVL als neuem Generalunternehmer scheiterte daran, dass der Bund dabei auf Schadensersatzansprüche gegen Damen hätte verzichten müssen.

Was das für Rheinmetall bedeutet

JPMorgan-Analyst David Perry bezifferte den entgangenen Auftragswert auf rund 12 Milliarden Euro und erwartet, dass Rheinmetall die eigenen Ziele für den Auftragseingang im zweiten Quartal und im Gesamtjahr verfehlen wird. Das JPMorgan-Kursziel liegt bei 1.500 Euro, die Einstufung bleibt "Neutral".

MWB Research formulierte es schärfer: Der gestrichene Auftrag nehme Rheinmetall sein "Kronjuwel" — jenes Projekt, das die NVL-Übernahme inhaltlich gerechtfertigt und die Wachstumsprognosen im Marinesegment bis 2030 untermauert hatte. Der Vorstand werde die Jahresziele beim nächsten Quartalsbericht neu definieren müssen.

Morgan Stanley sieht den finanziellen Schaden für den laufenden Prognoserahmen als überschaubar, hebt aber ein anderes Problem hervor: Das eigentlich Beunruhigende sei der Vertrauensverlust in die deutsche Rüstungsbeschaffung und die Planungssicherheit bei Aufträgen. Die Stornierung sei "völlig unerwartet" gekommen.

Offen bleibt, ob die NVL-Werft komplett leer ausgeht. Das Ministerium hat nicht ausgeschlossen, bei NVL andere Schiffstypen zu ordern oder die Werft als Subunternehmer für die Meko-Fregatten einzubinden. Kein Wunder, dass Anleger bei dieser Unsicherheit nervös reagieren.

Breite Belastung für den DAX

Der Kurssturz zog auch den deutschen Leitindex mit: Der DAX verlor zeitweise mehr als ein Prozent und fiel unter seine 21-Tage-Linie. Weitere Rüstungswerte gaben nach — unter anderem im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Börsengang des Panzerherstellers KNDS, für den Umschichtungen aus anderen Rüstungsaktien erwartet werden.

Das F126-Debakel ist für die Bundesregierung nach dem Scheitern des Kampfjet-Projekts FCAS vor wenigen Wochen bereits das zweite milliardenschwere Rüstungsvorhaben, das nach langer Agonie für beendet erklärt wird. Für Rheinmetall ist jetzt der Quartalsbericht im Herbst der nächste kritische Termin — dann muss der Vorstand glaubwürdig erklären, wie das Marinegeschäft ohne sein ursprüngliches Fundament neu aufgestellt werden soll.

Anzeige

Rheinmetall-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rheinmetall-Analyse vom 24. Juni liefert die Antwort:

Die neusten Rheinmetall-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 24. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Rheinmetall: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

de | DE0007030009 | RHEINMETALL | boerse | 69619049 |