Rocket Lab Aktie: Rekordauftragsbuch bei 2,2 Milliarden Dollar
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 00:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Tagesverlust von 8,29 Prozent, ein Monatsminus von 24,90 Prozent – und trotzdem ein Rekordauftragsbuch von 2,2 Milliarden Dollar. Bei Rocket Lab klaffen Kursverlauf und operative Realität gerade weit auseinander. Wer nur auf den Chart schaut, sieht Panik. Wer auf die Geschäftszahlen schaut, sieht ein Unternehmen, das so schnell wächst wie nie zuvor.
Technisch überverkauft
Der Wochenschluss bei 56,40 Euro bestätigt den scharfen Rücksetzer. Der 14-Tage-RSI ist auf 30,8 gefallen – ein Niveau, das Chartanalysten klassisch als überverkauft einstufen. Die Verkaufswelle hat die Aktie weit von ihren Höchstständen entfernt.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 133,80 Euro trennen sie inzwischen 57,85 Prozent. Zudem notiert der Titel deutlich unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 67,36 Euro. Analysten scheinen diese Schwäche für übertrieben zu halten: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 100,50 Euro, ein Aufschlag von 78,2 Prozent zum aktuellen Kurs. Eine Lücke dieser Größe deutet darauf hin, dass der Markt gerade eine deutlich pessimistischere Geschichte erzählt, als die Fundamentaldaten hergeben.
Iridium-Sorgen gegen harte Fakten
Der Auslöser der Schwäche liegt weniger im operativen Geschäft als in der Marktstimmung. Die historische Übernahme von Iridium soll Rocket Lab zu einem vertikal integrierten Raumfahrtkonzern machen. Anleger fürchten dabei Verwässerung und Integrationsrisiken – ein nachvollziehbares Bedenken bei einem Deal dieser Tragweite.
Die operativen Kennzahlen erzählen eine andere Geschichte. Rocket Lab sicherte sich kürzlich einen Auftrag der US Space Force über 266 Millionen Dollar für suborbitale Starts bis 2028. Das Management hob außerdem die Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 850 bis 900 Millionen Dollar an. Das Segment Space Systems diversifiziert die Erlöse damit spürbar weg vom reinen Startgeschäft.
Der Termin am 10. August
Der nächste Prüfstein folgt am Montag, den 10. August 2026, wenn Rocket Lab die Zahlen für das zweite Quartal vorlegt. Das Management stellt einen Umsatz zwischen 225 und 240 Millionen Dollar in Aussicht. Erreicht oder übertrifft das Unternehmen dieses Ziel, wäre das ein Signal für intaktes Wachstum trotz der Kursschwäche.
Langfristig hängt die Investmentthese an der Neutron-Rakete. Der Erstflug ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Das Fahrzeug soll den Markt für mittelschwere Nutzlasten öffnen und im Wettbewerb um Megakonstellationen mitspielen. Positive Nachrichten zur Qualifizierung des Archimedes-Triebwerks oder zur Tankfertigung könnten während der Telefonkonferenz neues Interesse wecken.
Die Gemengelage bleibt widersprüchlich. Auf Jahressicht steht ein Minus von 8,29 Prozent, auf Zwölfmonatssicht dagegen ein Plus von 37,56 Prozent. Für mich überwiegen die Chancen einer Konsolidierungsphase, in der der Markt auf konkrete Fortschritte bei Neutron und der Iridium-Integration wartet. Wer sich auf das operative Geschäft konzentriert statt auf die Tagesbewegung, dürfte den Abstand zum Rekordhoch eher als Bewertungslücke lesen – eine Lücke, die der Markt im Moment schlicht ignoriert.
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