Rocket Lab Aktie: Space Systems überholt Launch-Geschäft
Veröffentlicht am: 03.06.2026 um 11:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rocket Lab verändert sein Gesicht. Das Unternehmen, das lange als reiner Raketenanbieter galt, positioniert sich zunehmend als breiter aufgestellter Weltrauminfrastruktur-Konzern. Eine Analyse von Zacks vom 2. Juni stellt genau diesen Wandel in den Mittelpunkt und gibt Anlegern einen neuen Bewertungsrahmen an die Hand.
Der Unterschied ist fundamental. Im ersten Quartal 2026 erzielte die Space-Systems-Sparte von Rocket Lab einen Umsatz von 136,7 Millionen US-Dollar — mehr als doppelt so viel wie die 63,7 Millionen aus dem Launch-Geschäft. Der Gesamtumsatz kletterte auf 200,3 Millionen Dollar, ein Plus von 63,5 Prozent zum Vorjahr. Die Bruttomarge lag bei 38,2 Prozent, der Auftragsbestand bei 2,2 Milliarden Dollar.
Raketen bleiben, aber die Mischung ändert sich
Der Abschied vom reinen Raketen-Image ist strategisch gewollt. Der Fokus verschiebt sich auf Satellitensysteme, missionskritische Infrastruktur und Raumfahrzeugtechnologien. Das eröffnet neue Perspektiven: wiederkehrende Nachfrage aus dem Verteidigungssektor, Komponenten für Satellitenkonstellationen und Hardware für On-Orbit-Missionen. Der Launch-Betrieb bleibt zentral für die Narrative, trägt aber immer weniger zur Bewertung bei.
Die Zahlen untermauern diesen Kurs. Im ersten Quartal meldete Rocket Lab 31 neue Elektron- und HASTE-Verträge sowie fünf zusätzliche Neutron-Starts. Insgesamt umfasst das Startmanifest inzwischen über 70 Missionen. Ein Großkunde buchte im Mai fünf dedizierte Neutron-Starts und drei Elektron-Starts für den Zeitraum 2026 bis 2029 — ein milliardenschweres Commitment.
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Akquisitionen vertiefen das Infrastruktur-Profil
Zwei Übernahmen unterstreichen den Strategiewechsel. Rocket Lab schloss die Übernahme von Mynaric AG ab und unterschrieb einen Vertrag zur Übernahme von Motiv Space Systems, das inzwischen als Rocket Lab Robotics firmiert. Motiv bringt Raumfahrtrobotik und Präzisionsmechanik mit, darunter Technologie von Mars-Missionen.
Hinzu kommt die Einführung des Gauss-Elektrik-Satellitentriebwerks und die Auswahl für das Space Based Interceptor Program in Partnerschaft mit Raytheon. Das sind keine Randnotizen, sondern konkrete Schritte, um mehr von der Wertschöpfungskette der Weltrauminfrastruktur zu besetzen: Satellitenkomponenten, Robotik, Antriebstechnik, Raumfahrzeugproduktion und Verteidigungsprogramme.
Hohe Erwartungen, enge Vorgaben
Die Aktie notiert aktuell bei 106,00 Euro — ein Minus von knapp 18 Prozent in den letzten sieben Tagen. Auf Jahressicht steht ein Plus von 350 Prozent, das 52-Wochen-Hoch von 129,20 Euro liegt aber schon einige Tage zurück. Die Marktkapitalisierung beträgt rund 56 Milliarden Euro.
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Das Bewertungsniveau setzt die Messlatte hoch. Für das zweite Quartal prognostiziert Rocket Lab einen Umsatz von 225 bis 240 Millionen Dollar, eine GAAP-Bruttomarge zwischen 33 und 35 Prozent und einen bereinigten EBITDA-Verlust von 20 bis 26 Millionen Dollar. Die entscheidende Frage ist, ob das Unternehmen den Ausbau der Weltrauminfrastruktur in nachhaltiges Umsatzwachstum übersetzen kann — und ob die Börse weiter bereit ist, den Wandel von der Raketenfirma zum Infrastrukturkonzern mit einer Bewertung jenseits der 50 Milliarden zu honorieren.
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