BauplÀne der Deutschen Bahn verzögern sich um Jahre
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 12:02 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(neu: Details.)
BERLIN (dpa-AFX) - Die Deutsche Bahn fĂ€hrt ihren PĂŒnktlichkeitszielen hinterher, Hauptgrund dafĂŒr ist nach Ansicht des Konzerns die marode Infrastruktur. Nun wird klar: Das vielerorts baufĂ€llige Netz wird die ZĂŒge in Deutschland wohl noch deutlich lĂ€nger ausbremsen als zunĂ€chst gedacht. Denn die Generalsanierung wichtiger Strecken wird nach Aussage von Bahnchefin Evelyn Palla lĂ€nger dauern.
Eine Ăberarbeitung des Konzepts habe gezeigt, dass vier solcher Sanierungen pro Jahr zu viel seien, sagte Palla vor Journalisten in Berlin. Sie rechne in Zukunft mit zwei, bei besonderen technischen Notwendigkeiten auch drei Generalsanierungen pro Jahr. Das ĂŒberarbeitete Konzept werde derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt und solle bald vorgestellt werden. Genaue Jahreszahlen wollte Palla nicht nennen.
Die Bahn hatte im zweiten Halbjahr 2024 zwischen Mannheim und Frankfurt (Riedbahn) mit den Generalsanierungen begonnen. Das Konzept sah im Kern mehrmonatige Vollsperrungen vor, damit nicht im laufenden Betrieb saniert werden muss.
Bisheriger Plan: Generalsanierungen 2036 abschlieĂen
FĂŒr die Generalsanierungen wurden rund 40 Strecken ausgewĂ€hlt. UrsprĂŒnglich war das Ziel, Anfang der 2030er Jahre all diese Sanierungen abzuschlieĂen. Zuletzt war dann von 2036 die Rede. Nach der Ăberarbeitung des Konzepts könnte es sein, dass die Sanierungen nicht mehr innerhalb der 2030er Jahre abgearbeitet werden können.
Als GrĂŒnde fĂŒr die Anpassung nannte Palla neben Erfahrungen aus den ersten GroĂbaustellen auch die Frage, wie viel Geld im Sondervermögen des Bundes fĂŒr alle Generalsanierungen in Summe zur VerfĂŒgung stehen wird. "Wir werden die Anzahl der Korridorsanierungen pro Jahr an das Finanzierungsvolumen anpassen", sagte Palla. Zudem sei zuletzt deutlich geworden, dass vier groĂe Sanierungen die KapazitĂ€ten im gesamten Netz zu sehr verringerten.
Zuletzt reichlich Kritik an Generalsanierungen
Neben der Riedbahn wurden die Strecken Emmerich-Oberhausen, Hamburg-Berlin, Hagen-Wuppertal-Köln und NĂŒrnberg-Regensburg grundlegend saniert. Derzeit laufen Bauarbeiten auf den Verbindungen Obertraubling-Passau und Troisdorf-Wiesbaden. Im Oktober starten zudem die Arbeiten zwischen Berlin und Hannover (Berlin-Lehrte).
Bei den bisherigen Sanierungen kam es in einigen FĂ€llen zu Verzögerungen, auch das Bauvolumen musste verringert werden. Nach den Wiedereröffnungen gab es teils viele Störungen. Auf einer Strecke in NRW fiel erst nach der Sanierung auf, dass eine BrĂŒcke marode ist und nicht mehr mit voller Last befahren werden kann.
Das Konzept gilt in der Branche im Kern als alternativlos, weil die Infrastruktur jahrzehntelang nicht ausreichend in Schuss gehalten wurde und auf manchen Strecken wohl nur eine radikale Sanierung mit Vollsperrung hilft. Die Probleme bei den ersten Generalsanierungen haben aber auch zu viel Kritik gefĂŒhrt. Der Verband der privaten GĂŒterbahnen Ă€rgert sich vor allem ĂŒber zu lange Umwege fĂŒr den GĂŒterverkehr, der Interessenverband Allianz Pro Schiene beklagt immer wieder gebrochene Versprechen beim Bauvolumen.
"Die Korridorsanierungen mit mehrmonatigen Vollsperrungen dĂŒrfen nicht zum Dauerzustand werden", sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Dirk Flege zu den neuen PlĂ€nen der DB. "Bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts muss der Sanierungsstau aufgelöst sein. Insofern kann der Zeitplan nicht beliebig gestreckt werden."
Palla: Umleiterstrecken vor Sanierung besser vorbereiten
Palla kĂŒndigte an, dass Strecken nach grundlegenden Sanierungen kĂŒnftig nicht von einem Tag auf den anderen wieder mit voller Last in Betrieb genommen werden. Man habe etwa aus der Sanierung Hamburg-Berlin gelernt, "dass es keinen Stichtag gibt, an dem wir die Strecke aufmachen, und dann funktioniert alles wie am SchnĂŒrchen". Es brauche nach einer grundlegenden Sanierung eine sogenannte Hochlaufphase.
Wichtig sei auch, dass die sogenannten Umleiterstrecken vor Beginn einer Generalsanierung angemessen ertĂŒchtigt seien fĂŒr zeitweise deutlich mehr Verkehr. Ein Beispiel ist hier die Korridorsanierung zwischen Berlin und Hannover: Weil eine parallel verlaufende Strecke nicht rechtzeitig elektrifiziert werden konnte, mĂŒssen die FahrgĂ€ste 14 Monate lang einen Umweg mit 80 Minuten mehr Fahrzeit zwischen Berlin und Hannover hinnehmen.
"Es geht auch um das Thema, welches Leistungsversprechen wollen wir konkret abgeben", sagte Palla. "Welche Zustandsnote wollen wir erreichen? Welche Baufreiheit garantieren wir? Das wird unterschiedlich sein dann, weil wir auch nicht immer dasselbe machen", so die Bahnchefin. Bei der Sanierung der Infrastruktur sei es insgesamt wichtig, kĂŒnftig die Bereiche Bauen und Fahren besser in Balance zu bringen.
Was die Bahnchefin in den kommenden Monaten noch plant
Die SĂŒdtirolerin leitet den Bahn-Konzern seit knapp einem Jahr. FĂŒr die nĂ€chsten Monate hat sie neben Sanierung der Infrastruktur drei weitere Schwerpunktthemen ausgemacht: Die Sicherheit an Bahnhöfen und in den ZĂŒgen, den Konzernumbau und eine neue Herangehensweise beim Fernverkehr. Dieser solle wieder stĂ€rker "das AushĂ€ngeschild der Deutschen Bahn" werden.
"Wir wollen das Produkt ICE auf ein neues Level heben", sagte Palla. Details wollte sie nicht verraten, es gehe aber nicht um sauberere ZĂŒge oder eine funktionierende Innenausstattung. "Es geht um das Kundenerlebnis, um das Produkt ICE an sich." Man habe sich viele Konzepte in anderen LĂ€ndern angeschaut und die Frage gestellt: "Was könnte in Deutschland funktionieren? Was finden wir gut, was finden wir nicht gut?", sagte Palla. Der genaue Plan soll in den kommenden Wochen vorgestellt werden.
