Welche StÀdte die Technik testen
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 07:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIn Kassel werden seit Anfang Oktober zwei der im Bordstein eingelassenen Ladepunkte im Stadtteil Vorderer Westen getestet. Die Stadtwerke Bad Homburg erproben sie bereits seit rund einem Jahr fĂŒr Fahrzeuge auf ihrem BetriebsgelĂ€nde.
Die StĂ€dtischen Werke in Kassel errichteten die Anlagen nach eigenen Angaben bewusst in einem Wohngebiet, in dem viele Menschen keine eigenen StellplĂ€tze oder Wallboxen haben. Ziel sei es, ElektromobilitĂ€t und unkompliziertes Laden fĂŒr mehr Menschen verfĂŒgbar zu machen. "Bei guter Akzeptanz und Nutzung sowie einem zuverlĂ€ssigen Betrieb prĂŒfen wir weitere Standorte", erklĂ€rte ein Sprecher.
Platzsparende Ladetechnik
Als Vorteile nannte er: "Die Ladetechnik ist in die Bordsteinkante integriert, also ein bestehendes Bauteil im Parkstand." Es sei weniger Bodenversiegelung beispielsweise von GrĂŒnflĂ€chen notwendig. "Die verfĂŒgbare Gehwegsbreite und ParkplĂ€tze bleiben erhalten, es sind keine gesonderten Fundamente, Poller oder SchutzbĂŒgel erforderlich." Die Ladepunkte seien zudem stadtbildvertrĂ€glich und die Kabelwege zum Fahrzeug nah. "Kurz, sie sind platzsparend und nutzen FlĂ€chen optimal."
Geladen wird wie an anderen öffentlichen Ladepunkten: per Ladekarte oder ad hoc per QR-Code. Die von Rheinmetall DE0007030009 hergestellten Bordsteine liefern jeweils bis zu 22 Kilowatt Wechselstrom. Sie sind laut Stadtwerken beheizt, wasserfest und fĂŒr den Betrieb zu jeder Jahreszeit ausgelegt.
Kostenpunkt: 3.000 bis 4.000 Euro pro Ladebordstein. Im Vergleich zu herkömmlichen LadesĂ€ulen seien die Kosten pro Ladepunkt etwas höher, die Errichtung aber tendenziell gĂŒnstiger, weil kein gesondertes Fundament nötig ist, erlĂ€uterte der Sprecher. Zudem erwarte man einen wartungsarmen Betrieb.
Bad Homburg will Test ausweiten
In Bad Homburg lĂ€uft bereits seit Oktober vergangenen Jahres ein Pilotprojekt. Dort wurden auf dem BetriebsgelĂ€nde der Stadtwerke drei Ladebordsteine in Betrieb genommen. Die Stadt sei von der Technologie ĂŒberzeugt, sagte ein Sprecher. "Die Testphase ist noch nicht abgeschlossen. Jedoch hat sich der Ladebordstein bereits als sinnvolle und zuverlĂ€ssige Ladeinfrastruktur bewiesen."
Die Erfahrungen seien durchweg positiv, erklÀrte er. Technische AusfÀlle habe es bislang nicht gegeben, die Bedienung sei intuitiv. Der Test solle jetzt auf den öffentlichen Raum ausgeweitet werden. "Wir sind derzeit in konkreter Planung und werden bald die ersten öffentlichen Ladebordsteine verbauen."
Stadtwerke: "Sinnvolle ErgÀnzung"
Als Vorteil nennen die Stadtwerke vor allem den Einsatz bei beengten PlatzverhĂ€ltnissen, etwa an schmalen Gehwegen oder Parkbuchten. Nachteile: Pro Bordstein gibt es nur einen Ladepunkt, teils sind mehr Kabelwege nötig, und zur Authentifizierung muss man sich bĂŒcken.
Die Kosten inklusive Tiefbau und StraĂenmarkierung kann die Stadt dem Sprecher zufolge noch nicht genau benennen. "Es ist absehbar, dass sie höher sein werden als bei LadesĂ€ulen", sagte er. "Dennoch sehen wir die Bordsteine als sinnvolle ErgĂ€nzung fĂŒr entsprechende Park- und Platzsituationen."
Keine konkreten PlÀne in Darmstadt und Wiesbaden
Andere StĂ€dte zögern noch. In Darmstadt gibt es nach Angaben der Entega AG aktuell keine konkreten PlĂ€ne zur Installation von Ladebordsteinen. Der Energieanbieter verweist auf wirtschaftliche GrĂŒnde; Ladebordsteine seien je Ladepunkt kostenintensiver. "Die Technologie ist uns jedoch bekannt und könnte kĂŒnftig dort zum Einsatz kommen, wo der verfĂŒgbare Platz fĂŒr eine klassische LadesĂ€ule nicht ausreicht", sagte ein Sprecher. Auch Wiesbaden hat nach eigenen Angaben aktuell keine konkreten Planungen, will den Ansatz aber prĂŒfen.
Frankfurt sieht im bestehenden StraĂenraum nur begrenzte Möglichkeiten. "Voraussetzung fĂŒr eine wirtschaftliche und praktikable Umsetzung sind geeignete bauliche und infrastrukturelle Rahmenbedingungen", sagte ein Sprecher des Verkehrsdezernats. Diese seien in Frankfurt vielerorts nicht gegeben - insbesondere im dicht bebauten Altstadtbereich, wo die Gehwege hĂ€ufig ohnehin nur wenig Platz böten. ZusĂ€tzliche HausanschlusskĂ€sten könnten GehwegflĂ€chen weiter einschrĂ€nken.
Frankfurt und Fulda beobachten Entwicklungen
Aus Sicht der Mainmetropole kĂ€men Ladebordsteine eher in neuen Quartieren infrage. "Wir verfolgen die Erfahrungen aus den laufenden Pilotprojekten anderer StĂ€dte jedoch mit Interesse und beziehen neue Erkenntnisse in die weitere Bewertung geeigneter Lösungen fĂŒr Frankfurt ein", so der Sprecher.
Auch die Stadt Fulda beobachtet die Entwicklung nach eigenen Angaben sehr aufmerksam. Die gegenwĂ€rtigen E-LadesĂ€ulen wĂŒrden vermutlich nicht das Ende der Entwicklung darstellen, sagte ein Sprecher. Ob sich allerdings tatsĂ€chlich die Bordstein-Lösung im AuĂenbereich flĂ€chendeckend durchsetzen wird, bleibe abzuwarten. "Denn aus unserer Sicht sind Themen wie Schutz gegen Wassereintrag, Verschmutzung, Streusalz et cetera sowie auch die technischen Voraussetzungen beim Ladebordstein noch nicht hinreichend geklĂ€rt", erlĂ€uterte er.
Der ADAC Hessen-ThĂŒringen erwartet wegen der höheren Kosten im VerhĂ€ltnis zu ĂŒblichen Langsam-LadesĂ€ulen keine flĂ€chendeckende Umsetzung. In innerstĂ€dtischen und historischen Bereichen könnten Ladebordsteine jedoch eine platzsparende und stadtbildvertrĂ€gliche Lösung sein - allerdings seien sie wegen ihrer geringen Sichtbarkeit möglicherweise schwerer zu finden.
