Deutsche Kleinkinder bekommen mehr Breitbandantibiotika als dÀnische
02.02.2024 - 06:13:23Im Vergleich dazu betrĂ€gt dieser Anteil in DĂ€nemark nur 6 Prozent. Das berichtet das Leibniz-Instituts fĂŒr PrĂ€ventionsforschung und Epidemiologie in Bremen (Bips) mit Verweis auf eine Studie. "Medizinisch ist das nicht zu erklĂ€ren", sagte Bips-Professorin Ulrike Haug. Es sei davon auszugehen, dass sich das Infektionsgeschehen in beiden LĂ€ndern nicht grundlegend unterscheide. "Möglicherweise hat der höhere Einsatz an Breitbandantibiotika in Deutschland etwas mit Verschreibungsgewohnheiten zu tun."
Diese Praxis sei "im Hinblick auf Nebenwirkungen und Resistenzen sehr bedenklich", sagte Erstautor Oliver Scholle. "Manche Infektionen können nur mit Breitspektrum-Antibiotika therapiert werden, Schmalspektrum-Antibiotika wirken da nicht. Bei vielen anderen Infektionen reichen hingegen Schmalspektrum-Antibiotika", ergĂ€nzte Ulrike Haug, Leiterin der Abteilung Klinische Epidemiologie am Bremer Institut. Durch unnötigen Einsatz von Breitbandantibiotika werde die Entstehung von BakterienstĂ€mmen gefördert, die gegen Breitbandantibiotika resistent seien. Zudem töte ein Breitbandantibiotikum ein breites Spektrum an Bakterien ab, was dazu fĂŒhre, dass auch nĂŒtzliche Bakterienarten vernichtet werden. Die Folge seien etwa mehr Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich.
Bei anderen Aspekten der Verschreibung von Antibiotika sind deutsche Ărzte jedoch zurĂŒckhaltender als dĂ€nische. In der Studie, die in der Fachzeitschrift "Infectious Diseases and Therapy" erschien, wurden Daten aus dĂ€nischen Gesundheitsregistern und deutsche Krankenkassendaten verglichen. Die Forschenden betrachteten Kinder, die von 2004 bis 2016 geboren wurden. "Im Geburtsjahrgang 2016 betrug die Zeit bis zur ersten Antibiotikaverschreibung in DĂ€nemark etwa 21 Monate, wĂ€hrend sie in Deutschland bei etwa 28 Monaten lag. Die Rate der Antibiotikabehandlungen pro 1000 Personenjahre betrug 537 in DĂ€nemark und 433 in Deutschland. Dies weist zunĂ€chst auf ein zurĂŒckhaltenderes Verschreibungsverhalten in Deutschland hin", berichtete Scholle. Besorgniserregend sei aber der Breitbandantibiotika-Anteil.
Die Studie des Bips und der SĂŒddĂ€nischen UniversitĂ€t in Odense zeigt in beiden LĂ€ndern positive VerĂ€nderungen bei Antibiotikaverschreibungen im Laufe der Jahre bis 2016: So stieg das Alter bei der Erstverschreibung und die VerschreibungshĂ€ufigkeit ging zurĂŒck.

