ROUNDUP, Sabotage

Sabotage am Stromnetz: Polizei findet Bekennerschreiben

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 12:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach den Sabotage-Angriffen auf das Stromnetz in mehreren BundeslÀndern hat die Polizei in der NÀhe von Aachen ein weiteres Bekennerschreiben gefunden.

Der Brief sei am Montag gemeinsam mit mehreren Abschussvorrichtungen an einer Hochspannungsleitung in der NĂ€he des Kraftwerks Weisweiler entdeckt worden, teilte die Polizei mit. Zum Inhalt könne aus ermittlungstaktischen GrĂŒnden nichts gesagt werden.

Ob auch dieser Brief und die nun entdeckten Abschussvorrichtungen von dem 48-jĂ€hrigen TatverdĂ€chtigen stammen, nach dem seit Tagen gefahndet wird, mĂŒsse nun ermittelt werden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur Ă€hneln die Konstruktionen denen, die Ermittler zuletzt an mehreren sensiblen Stellen fĂŒr die Energieversorgung in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen gefunden haben.

Allerdings hatte der 48 Jahre alte TatverdÀchtige detaillierte Informationen zu seinem Vorgehen in zwei Bekennerbriefen niedergeschrieben. Diese waren in den vergangenen Tagen öffentlich geworden. Denkbar wÀre also auch, dass ein Trittbrettfahrer sein Vorgehen kopiert hat.

Blitze und KnallgerÀusche zu hören

WÀhrend der Suche in Weisweiler seien am Montagabend gegen 21.00 Uhr auch Blitze und KnallgerÀusche zu hören gewesen, berichtete die Polizei. Womöglich könnten diese auf einen erneuten Kurzschluss an den Stromleitungen hindeuten. SchÀden seien bislang aber nicht festgestellt worden, teilte die Polizei mit.

Wann wurden die Abschussvorrichtungen installiert?

Eigentlich hatten EinsatzkrĂ€fte das Gebiet in Weisweiler schon vergangene Woche mit großem Aufwand abgesucht. Ob die nun entdeckten Abschussvorrichtungen und der Bekennerbrief damals ĂŒbersehen wurden oder ob der TĂ€ter sie erst kĂŒrzlich dort installiert hat, sagten die Ermittler auf Nachfrage nicht.

Nach dem erneuten Fund waren die EinsatzkrĂ€fte am Dienstag wieder mit einem Großaufgebot vor Ort. EntschĂ€rfer des Landeskriminalamts standen bereit, falls weitere Abschussvorrichtungen gefunden werden sollten. Auch eine Drohne mit WĂ€rmebildkamera war im Einsatz. Mit ihrer Hilfe könnten die Ermittler den TatverdĂ€chtigen womöglich aufspĂŒren, falls er sich noch in der NĂ€he aufhĂ€lt.

Wegen des großen Polizeiei4nsatzes blieb die Autobahnabfahrt Weisweiler an der A4 weiter gesperrt. Am Montagabend hatten die EinsatzkrĂ€fte einen Abschnitt der Autobahn, die von Köln nach Aachen fĂŒhrt, zeitweise sogar komplett dicht gemacht.

Fahndung nach 48-jÀhrigem TatverdÀchtigen weiter ohne Erfolg

Seit Tagen fahnden die Behörden wegen der Sabotage-Aktionen nach dem verdĂ€chtigen 48-JĂ€hrigen. Er soll an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen versucht haben, mit selbst gebauten Raketen einen dĂŒnnen Draht ĂŒber Hochspannungsleitungen zu schießen und so einen Kurzschluss auszulösen.

In mindestens zwei FĂ€llen gelang der Plan des TĂ€ters. In Bergheim westlich von Köln waren dadurch mehrere Blöcke eines Kraftwerks fĂŒr einige Tage lahmgelegt worden. In Brandenburg hatte es am Umspannwerk Turnow-Preilack nahe dem Kraftwerk JĂ€nschwalde zwei KurzschlĂŒsse gegeben. Mehr als 20 selbst gebaute Raketen sollen dort leitfĂ€higes Material auf die Hochspannungsleitungen geschossen haben. Einen Stromausfall gab es bei den beiden Taten nicht.

Zu der Sabotage-Serie gibt es Bekennerbriefe, die die Ermittlungsbehörden fĂŒr authentisch halten und dem gesuchten 48-JĂ€hrigen aus Gevelsberg im sĂŒdlichen Ruhrgebiet zuordnen. "Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges TĂ€terwissen", hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mit Blick auf die Bekennerbriefe zuletzt gesagt. Es handele sich offensichtlich um "Klimaterrorismus" eines EinzeltĂ€ters.

In den Bekennerbriefen hatte der mutmaßliche TĂ€ter die Angriffe auf das Stromnetz mit dem Kampf gegen fossile Energien begrĂŒndet. "Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen", heißt es in den Briefen, die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. In allen drei betroffenen BundeslĂ€ndern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt.

Disclaimer...

de | boerse | 70068294 |