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Samsung Electronics Aktie: Anthropic prüft 2-Nanometer-Fertigung

05.07.2026 - 04:25:02 | boerse-global.de

Samsung-Aktie erholt sich nach Berichten über KI-Chip-Gespräche mit Anthropic. Analysten erwarten Quartalszahlen.

Samsung Electronics: Anthropic-Deal treibt Aktie nach Kurssturz
Samsung - Abstrakte Darstellung einer hochmodernen Halbleiterfertigung mit leuchtenden Mikrochips und Schaltkreisen in Blautönen. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neun Prozent Absturz am Donnerstag, über acht Prozent Erholung am Freitag. Samsung Electronics hat binnen 48 Stunden eine der wildesten Kursachterbahnen des Jahres hingelegt. Der Auslöser der Erholung: Berichte, wonach Anthropic den koreanischen Chiphersteller als Fertigungspartner für einen eigenen KI-Chip prüft.

Die Aktie schloss am Freitag bei 309.500 Won, ein Plus von 8,22 Prozent. Das reicht nicht, um die Vorwoche auszugleichen – auf Sieben-Tage-Sicht steht immer noch ein Minus von 8,84 Prozent. Zum Jahreshoch von 374.500 Won aus dem Juni fehlen weiterhin gut 17 Prozent.

Anthropic klopft bei Samsungs Foundry an

Anthropic PBC führt Gespräche mit Samsung über die Fertigung eines maßgeschneiderten KI-Chips. Die Pläne stecken noch in einer frühen Phase. Das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude muss erst klären, welche Funktionen der Prozessor übernehmen soll und wie leistungsstark er werden muss.

Zuerst berichtete das Portal "The Information" darüber, mehrere Fachmedien griffen die Meldung auf. Anthropic will mit einem eigenen Chip die Infrastrukturkosten senken und interessiert sich dafür für Samsungs fortschrittliche 2-Nanometer-Fertigung samt Packaging-Technologie.

Ganz festgelegt hat sich Anthropic aber nicht. Das Unternehmen betonte auf Anfrage, Nvidia-GPUs, Google-TPUs und AWS-Trainium-Chips blieben weiterhin zentral für die eigene Rechenleistung. Die Gespräche mit Samsung seien explorativ, kein fertiger Deal.

Der Zeitpunkt ist heikel für Samsungs Foundry-Ambitionen. Der Konzern hatte zuvor bereits einen kundenspezifischen KI-Chip für OpenAI entwickelt. Diese Gespräche scheiterten Anfang Juni 2026 an strategischen Differenzen – OpenAI-Chef Sam Altman sagte daraufhin einen geplanten Seoul-Besuch ab, der die Beziehung eigentlich vertiefen sollte.

Samsung ist der einzige der drei großen Speicherhersteller, der zusätzlich ein umfangreiches Auftragsfertigungsgeschäft betreibt. Das weckt Hoffnungen, die Beziehung zu Anthropic könnte über reine Speicherlieferungen hinauswachsen. Ein solcher Kunde wäre ein wichtiger Baustein im Versuch, Taiwan Semiconductor bei fortschrittlichen Prozessoren herauszufordern.

Für Nvidia, das derzeit auf einen geschätzten Marktanteil von 74 Prozent im KI-Chip-Markt kommt, würde die Entwicklung neue Konkurrenz bedeuten. Auch TSMC bekäme einen ernsthaften Rivalen um Prestige-Kunden wie Anthropic.

Vom Handelsstopp zur V-förmigen Erholung

Die Rally krönte zwei turbulente Tage für koreanische Chipwerte. Am Donnerstag brach der KOSPI um 7,89 Prozent ein – einer der heftigsten Tagesverluste des Jahres 2026. Mehrfach griffen automatische Handelsunterbrechungen.

Am Freitag eröffnete der Index zunächst schwach, fiel intraday bis auf 7.300 Punkte. Dann drehte er und schloss bei 8.088,34 Punkten, ein Plus von 5,76 Prozent – ein Lehrbuch-Beispiel für eine V-förmige Erholung.

Samsung selbst hatte am Donnerstag 9,1 Prozent verloren, bevor die Anthropic-Berichte am Freitag genau im richtigen Moment die Stimmung drehten. Konkurrent SK Hynix zeigte dieselbe Dynamik: Nach einem Einbruch von 14,6 Prozent am Donnerstag legte die Aktie am Freitag um 10,88 Prozent zu.

Marktteilnehmer machten auch technische Faktoren für den anfänglichen Ausverkauf verantwortlich. Verkäufe in stark gehebelten Single-Stock-ETFs verstärkten die Bewegung nach unten – eine Dynamik, zu der sich Südkoreas Finanzaufsicht öffentlich besorgt äußerte.

Blick richtet sich auf Quartalszahlen

Die Anthropic-Nachricht liefert dem technischen Rebound nun ein fundamentales Fundament. Der nächste Test folgt schnell: Am 7. Juli veröffentlicht Samsung vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal.

Analysten rechnen mit einem operativen Gewinn im Bereich von 80 Billionen Won, nahe am Konsens von 85 Billionen Won (rund 61,6 Milliarden Dollar). Ein Analyst von iM Securities ordnete die jüngste Kursrally als überzogen ein – eine kurzfristige Korrektur sei die Folge, der mittelfristige Aufwärtstrend bleibe aber intakt, gestützt durch die Branchenlage und eine erwartete Erholung der globalen Liquidität im zweiten Halbjahr.

Ein anderer Analyst verwies auf die Speichersparte im Speziellen: Die Device-Solutions-Division dürfte dank kräftig steigender Speicherpreise solide Ergebnisse liefern, trotz Rückstellungen im Zusammenhang mit Bonuszahlungen.

Ein Jahr der Extreme

Trotz der Turbulenzen der vergangenen Woche liegt Samsung meilenweit über dem Jahresstart. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 141 Prozent, auf Zwölf-Monats-Sicht sogar von rund 391 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 60.200 Won aus dem Juli 2025 beträgt der Abstand mehr als 414 Prozent.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei fast 97 Prozent – ein Wert, der die Nervosität der vergangenen Handelstage widerspiegelt. Der breite KOSPI, getragen vom Speicher-Duopol aus Samsung und SK Hynix, zählt damit weiterhin zu den stärksten großen Aktienindizes der Welt in diesem Jahr.

Die Anthropic-Gespräche liefern Samsungs KI-Geschichte einen neuen Erzählstrang jenseits der Speicherpreise. Ob dieser trägt, zeigt sich schon in den kommenden Tagen, wenn die vorläufigen Zahlen zum zweiten Quartal eintreffen.

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