ScheinselbststÀndigkeit: Reformstau gefÀhrdet Projektwirtschaft
28.01.2026 - 19:22:11Die Debatte um Scheinselbstständigkeit eskaliert und lähmt zunehmend die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Freelancern. Ein kritischer Medienbericht wirkt wie ein Brandbeschleuniger in einer seit Jahren schwelenden Krise.
Spiegel-Bericht entfacht Grundsatzdebatte
Auslöser der aktuellen hitzigen Diskussion ist ein Artikel des „Spiegel“ vom Dezember 2025. Das Magazin stellte die rechtssichere Beauftragung von Honorarkräften als nahezu unmöglich dar. Diese Zuspitzung entfachte in Fachkreisen und sozialen Netzwerken eine kontroverse Debatte: Hilft diese schonungslose Darstellung oder schürt sie nur zusätzliche Angst bei potenziellen Auftraggebern? Der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) beobachtet diese gespaltene Diskussion mit Sorge. Sie offenbart die tiefe Frustration über ein ungelöstes Problem, das Existenzen und Innovation bedroht.
Vage Kriterien verunsichern die Praxis
Das Kernproblem sind die unklaren Abgrenzungskriterien zwischen Selbstständigkeit und abhängiger Beschäftigung. Weder Unternehmen noch die Freelancer selbst können sicher sein, ob ihre Zusammenarbeit vor Prüfungen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) standhält. Die Rechtsprechung der Sozialgerichte trägt nicht zur Klarheit bei, sondern wirkt oft widersprüchlich.
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Ein aktuelles Urteil des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg vom 21. Januar 2026 zeigt die strikte Linie: Es stufte Piloten einer irischen Airline trotz zwischengeschalteter Firmen als Arbeitnehmer ein. Diese Praxis hat konkrete Folgen. Aus Furcht vor horrenden Nachzahlungen für Sozialabgaben und sogar Strafverfahren zögern viele Firmen, Aufträge an externe Experten zu vergeben. Ein Bremsklotz für die projektbasierte Wirtschaft.
Politik unter Druck: Koalitionsversprechen nicht eingelöst
Die Rufe nach einer Reform des Statusfeststellungsverfahrens (§ 7a SGB IV) werden lauter. Im Koalitionsvertrag steht zwar eine Überarbeitung für mehr Rechtssicherheit – passiert ist aber wenig. Diese Untätigkeit stößt auf massives Unverständnis. Wirtschaftsverbände fordern seit Jahren praxistaugliche, klare Kriterien.
Für viele Freelancer ist diese politische Unsicherheit das größte Problem und ein struktureller Nachteil. Die Folge? Unternehmen verlagern Projekte ins Ausland oder weichen auf Modelle wie Arbeitnehmerüberlassung aus. Das schadet der Flexibilität und Agilität des Standorts Deutschland.
Modernes Arbeiten vs. veraltetes Recht
Die aktuelle Rechtslage steht im krassen Widerspruch zur Realität einer modernen, agilen Arbeitswelt. Branchen wie IT, Ingenieurwesen und die Kreativwirtschaft sind auf hochspezialisierte Externe angewiesen, um innovativ zu bleiben. Statt Unternehmertum zu fördern, herrscht ein Klima des Misstrauens.
Experten fordern eine Reform, die nicht nur klare Positivkriterien definiert, sondern auch das Verfahren beschleunigt und transparenter macht. Der aktuelle bürokratische Aufwand mit langen Wartezeiten belastet Auftraggeber und Auftragnehmer gleichermaßen.
Lichtblick: Reform für 2027 in Arbeit
Trotz aller Frustration gibt es einen Hoffnungsschimmer. Das Bundesarbeitsministerium (BMAS) arbeitet an einem Referentenentwurf zur Reform. Er soll gegen Ende des zweiten Quartals 2026 vorliegen, damit das Gesetz zum 1. Januar 2027 in Kraft treten kann.
Selbstständigen-Verbände sind im Austausch mit dem Ministerium. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wird die Reform die nötige Rechtssicherheit schaffen und Kriterien liefern, die der Dynamik der Projektwirtschaft gerecht werden? Bis dahin navigieren Unternehmen und Freelancer weiter im rechtlichen Graubereich – in der Hoffnung, dass die Politik die Dringlichkeit endlich erkannt hat.
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