Einen Feiertag ganz streichen?
09.12.2025 - 09:36:23Im bundesweiten Schnitt weist der Kalender 250,5 Arbeitstage aus, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Das sind 2,4 Tage mehr als 2025, als es mit durchschnittlich 248,1 Arbeitstagen den niedrigsten Wert seit 2019 gab.
In ihren Prognosen fĂŒr 2026 haben Ăkonomen die zusĂ€tzlichen Arbeitstage bereits einkalkuliert: Dann soll es nach drei mageren Jahren endlich wieder aufwĂ€rtsgehen mit der deutschen Wirtschaft - zumindest etwas. 0,9 Prozent bis 1,3 Prozent Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) werden erwartet.
Das Ende der Konjunkturflaute naht - auch dank mehr Arbeitstagen. Laut Faustregel kann ein zusÀtzlicher Arbeitstag das BIP um etwa 0,1 Prozentpunkte steigern: bis zu 8,6 Milliarden Euro nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Einen Feiertag grundsÀtzlich abschaffen?
Sollte man daher einen Feiertag ganz streichen, um die seit Jahren schwĂ€chelnde deutsche Wirtschaft nach vorn zu bringen? Immer wieder wird darĂŒber diskutiert - auch, weil es zusĂ€tzlich gilt, die neuen Milliardenschulden fĂŒr Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz zu finanzieren.
Die Chefin des Lasertechnik-Spezialisten Trumpf, Nicola Leibinger-KammĂŒller, schlug jĂŒngst die Streichung des freien Ostermontags vor, um IndustriearbeitsplĂ€tze in Deutschland halten zu können. "Wir haben die meisten Feiertage und im Durchschnitt die meisten Krankheitstage", sagte Leibinger-KammĂŒller den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Stuttgarter Zeitung".
Auch der PrĂ€sident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Peter Adrian, hĂ€lt es fĂŒr sinnvoll, Feiertage zu streichen, um die Wirtschaftsleistung zu erhöhen. Die "Wirtschaftsweise" Monika Schnitzer befĂŒrwortet die Abschaffung eines Feiertages zur Finanzierung von Krisenlasten.
DGB: Erholung an Feiertagen fördert ProduktivitÀt
Das Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hĂ€lt mit einer Analyse dagegen: Bei sechs untersuchten FĂ€llen habe sich ergeben, dass sich die Wirtschaft in gut der HĂ€lfte der FĂ€lle sogar danach in jenen BundeslĂ€ndern besser entwickelte, in denen Feiertage beibehalten wurden oder neu hinzukamen. "Die Gleichung: Wenn Feiertage wegfallen, steigt das Wachstum, geht offensichtlich nicht auf", folgert Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) argumentiert, die Abschaffung des BuĂ- und Bettages in Deutschland 1995 habe "keinen nennenswerten Effekt" fĂŒr die Wirtschaft gehabt. Zudem trĂŒgen Feiertage zur Erholung der BeschĂ€ftigten und damit auch zur ProduktivitĂ€t bei.
Auch die Wiesbadener Statistiker weisen darauf hin, dass je nach Lage des zusÀtzlichen Arbeitstages im Jahr der tatsÀchliche konjunkturelle Effekt sehr unterschiedlich ausfallen kann: "Zwischen Heiligabend und Neujahr ruht die wirtschaftliche TÀtigkeit in vielen Branchen ohnehin weitgehend. Ein zusÀtzlicher Arbeitstag hat dann weniger Einfluss auf das BIP, als wenn der 1. Mai oder der 3. Oktober auf ein Wochenende fallen."
Unterschiedliche Regelungen in den BundeslÀndern
Neun Feiertage sind in allen 16 BundeslĂ€ndern einheitlich geregelt: Neujahrstag, Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, 1. Mai, Tag der Deutschen Einheit, erster und zweiter Weihnachtsfeiertag. ZusĂ€tzlich gibt es Tage, die nur in einigen BundeslĂ€ndern per Gesetz freigestellt sind. Darum ergeben sich fĂŒr den bundesweiten Durchschnitt fĂŒr die Zahl der Arbeitstage Werte mit einer Nachkommastelle. Den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung gab es 2004 mit 252,8, den niedrigsten 1991 mit 246,9.
Auf ein Wochenende fallen 2026 unter anderem der Tag der Deutschen Einheit (3.10.) und der zweite Weihnachtsfeiertag (26.12.). AuĂerdem Allerheiligen (1.11.) als gesetzlicher Feiertag in den katholisch geprĂ€gten BundeslĂ€ndern Baden-WĂŒrttemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland.
Statt Feiertage abzuschaffen, gab es in Deutschland in den vergangenen Jahren den gegenlĂ€ufigen Trend: In Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist seit 2018 der Reformationstag am 31. Oktober arbeitsfrei. Berlin - das zuvor vier Feiertage weniger hatte als Bayern - fĂŒhrte 2019 als erstes Bundesland den Internationalen Frauentag (8. MĂ€rz) als gesetzlichen Feiertag ein, Mecklenburg-Vorpommern zog 2023 nach. Arbeitnehmer profitieren davon 2026 allerdings nicht: Beide Tage fallen aufs Wochenende.

