Frankfurt-News, Wochenausblick

Börse Frankfurt-News: Wochenausblick: Aktuell sind starke Nerven gefragt

05.08.2024 - 10:55:27

Schwache Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten, eine bislang nur durchwachsene Bilanzsaison und die Auflösung von Carry-Trades setzen die AktienmÀrkte unter Druck.

Die Charttechnik warnt vor weiteren Verlusten in den kommenden Wochen.

5. August 2024. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Zum Beginn der historisch betrachtet schwierigen Jahreszeit haben die AktienmĂ€rkte ihr Korrekturtempo noch mal verschĂ€rft. In den USA mussten der S&P 500 und der Nasdaq 100 die dritte Woche in Folge mit fallenden Kursen hinnehmen. Der DAX, der sich in der Woche davor etwas erholen konnte, verlor diesmal ĂŒberproportional stark an Wert. Der Schlusskurs von 17.661 Punkten bedeutete ein Wochenminus von 4,1 Prozent. Nach ebenfalls sehr schwachen Vorgaben aus Asien steht der deutsche Aktienindex zum Start der neue Woche erneut unter Druck. Vorbörslich wird der DAX auf unter 17.300 Punkte taxiert.

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Unternehmensgewinne in Gefahr

Und das in einem Umfeld deutlich gesunkener Anleiherenditen und zunehmender Hoffnungen auf Leitzinssenkungen. Momentan spielt das an den Börsen aber nur eine untergeordnete Rolle. Im Fokus stehen andere Themen. Die Kombination aus einer sich weltweit abschwĂ€chenden Konjunkturdynamik, wohl weit ĂŒberzogenen KI-induzierten Gewinnerwartungen und Problemen im Umgang mit China könnten nach Meinung der LBBW auf Sicht GewinnabwĂ€rtsrevisionen bei den Unternehmen nach sich ziehen.

Insbesondere bei den Tech-Giganten wittern die Analysten grĂ¶ĂŸere Probleme: "Das Erlahmen der Zugpferde spricht fĂŒr eine bevorstehende Konsolidierung an den Weltbörsen". Dabei verweisen die Strategen auch auf die aktuelle Bewertung der US-AktienmĂ€rkte. Nur an 17 Prozent aller Tage in den vergangenen zehn Jahren sei der S&P 500 noch teurer als aktuell gewesen. "Um in neutrale Bewertungsgefilde zurĂŒckzukommen brĂ€uchte es daher eine Konsolidierung oder aber alternativ einen deutlich steigenden Indexgewinn". Letzteres ist nach Ansicht der LBBW aber nur schwer möglich, weil die Analysten die Gewinnerwartungen der US-Tech-Giganten kĂŒnftig wieder realistischer und somit weniger euphorisch einschĂ€tzen dĂŒrften.

"Turbulenzen vorprogrammiert"

Als VerkĂ€ufer sollen aktuell vor allem internationale Hedgefunds auftreten. Diese Ansicht vertritt zum Beispiel Volker Schulz von den Bernecker Börsenbriefen. Der erfahrene Finanzjournalist spricht von "massiven Auflösungen von gehebelten Carry-Trades" nach der Leitzinsanhebung in Japan und dem daraufhin deutlich gefallenen Dollar/Yen-Kurs. Demnach haben sich die Hedgefunds lange Zeit zu gĂŒnstigen Konditionen in Yen verschuldet und das aufgenommene Geld dann im Dollarraum investiert, wo sie von den deutlich höheren Zinsen und steigenden Aktienkursen profitieren konnten. Schulz geht davon aus, dass "bedeutendes Kapital auf diesem Weg auch in Big Tech geflossen ist". Die Aufwertung des japanischen Yen hat den Akteuren nun einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sollte das auf rund 20 Billionen Dollar taxierte Carry-Trade-Volumen deshalb nun teilweise aufgelöst werden, seien Turbulenzen vorprogrammiert.

Eine anhaltende Korrektur bei den Technologiewerten hĂ€lt auch die Helaba fĂŒr wahrscheinlich. Daher seien aktuell erst einmal starke Nerven gefragt. Allerdings wĂŒrde ein solches Szenario grundsĂ€tzlich eine Überhitzung der MĂ€rkte vermeiden und somit insgesamt zu einer Verstetigung des AufwĂ€rtstrends beitragen. Unter dem Strich bleiben die Analysten daher zuversichtlich. Der fĂŒr das strategische Timing entwickelte Helaba-BEST-Indikator fĂŒr den DAX bewegt sich aktuell im Bereich "halten". Da der DAX um seinen fairen Wert schwanke, habe der deutsche Aktienindex auf Sicht der kommenden Monate "Potenzial fĂŒr eine höhere Bewertung". Dazu sei allerdings eine Aufhellung der Konjunkturstimmung nötig.

Technisches Bild zeigt "zahlreiche neue Verkaufsignale"

Der technische Analyst Marcel Mußler bezeichnet das Ende der abgelaufenen Woche als ein "Desaster fĂŒr die AktienmĂ€rkte". Manche MĂ€rkte habe es "förmlich zerrissen", was zu "zahlreichen neuen Verkaufsignalen" gefĂŒhrt habe. Zwar seien in der neuen Woche erste StabilisierungsansĂ€tze und Erholungsversuche möglich, das dĂŒrfe man aber nicht als "Neustart" interpretieren. Beim DAX weist Mußler auf die "Major-UnterstĂŒtzung" bei 17.626 Punkten hin, die am Freitag bereits erreicht wurde. Bei einem unteren Ausbruch diene als nĂ€chste Zielalternative der 2022er AufwĂ€rtstrend bei aktuell 17.070 Punkten. Die Charttechniker von HSBC sehen als weitere potenzielle Anlaufpunkte bei einer sich ausdehnenden Korrektur die alten Hochpunkte bei 17.003 und vor allem bei 16.529 und 16.290 Punkten.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche

Montag, 5. August

10.30 Uhr. Eurozone: Sentix-Konjunkturindex. Nach EinschĂ€tzung der Deka dĂŒrfte der erste Stimmungstest im August negativ ausfallen. Als BegrĂŒndung verweisen die Volkswirte auf die unverĂ€nderten politischen Herausforderungen sowie enttĂ€uschende Konjunkturindikatoren. Der Gesamtindex wird daher bei minus 8,0 Punkten erwartet. Die KonsensschĂ€tzungen liegen bei minus 5,9 Punkten.

14.30 Uhr. USA: ISM-Index Dienstleistungen. FĂŒr die Analysten der Commerzbank sind die Zahlen zum ISM-Index eine der wichtigsten Nachrichten der Woche. Und auch ein potenzieller HoffnungstrĂ€ger, denn es wird eine deutliche Verbesserung ĂŒber die Wachstumsschwelle bei 50 Punkten erwartet. Weil in der sehr servicelastigen US-Wirtschaft die Dienstleistungen eine sehr wichtige Rolle spielen, könnten damit die aufkommenden RezessionsĂ€ngste wieder eingefangen werden. Im Konsens wird ein Wert von 51,3 prognostiziert

Dienstag, 6. August

08.00 Uhr. Deutschland: Auftragseingang Industrie. Nachdem schwache Mai-Zahlen den Hoffnungen auf eine Konjunkturbelebung eine deutlichen DÀmpfer verpasst hatten, könnten die Juni-Daten laut der Commerzbank mit einem Anstieg von 1,5 Prozent ein positives Bild zeichnen. Was allerdings Sondereffekten geschuldet wÀre. Die "harten" Daten sollten demnach eine unverÀnderte SchwÀche der deutschen Industrie offenbaren.

Mittwoch, 7. August

08.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion. Volkswirte gehen hier im Durchschnitt von einem leichten Plus von 1,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat aus. GegenĂŒber dem vergangenen Jahr wĂŒrde das allerdings immer noch ein krĂ€ftiges Minus von 3,8 Prozent bedeuten.

Donnerstag, 8. August

14.30 Uhr. USA: ErstantrÀge auf Arbeitslosenversicherung. Bei den wöchentlich erscheinenden Daten schÀtzt die Deka diesmal einen Wert von 249.000 AntrÀgen. In der vergangenen Woche war die Zahl der AntrÀge auf saisonbereinigter Basis ebenfalls auf 249.000 und damit stÀrker als erwartet gestiegen.

Freitag, 9. August

keine relevanten Datenveröffentlichungen

Von Thomas Koch, 5. August 2024, © Deutsche Börse AG

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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