Schwangere in Deutschland: Kritische NĂ€hrstofflĂŒcken trotz Gesundheitsbewusstsein
28.04.2026 - 10:38:08 | boerse-global.de
Eine aktuelle Studie des UniversitĂ€tsklinikums Schleswig-Holstein zeigt: Die Versorgung mit FolsĂ€ure und Jod bei Schwangeren ist mangelhaft â obwohl die meisten Frauen auf ihre ErnĂ€hrung achten.
Das Problem: Viele beginnen zu spÀt mit der Supplementierung. Die Richtlinien empfehlen FolsÀure bereits vier Wochen vor der EmpfÀngnis. Doch in der Praxis starten Frauen oft erst kurz vor oder nach der Schwangerschaft.
Hinzu kommt: Knapp 83 Prozent der befragten Frauen erhielten keine qualifizierte ErnĂ€hrungsberatung durch Ărzte oder Hebammen. Fast 78 Prozent suchten ihre Informationen stattdessen im Internet â mit erhöhtem Risiko fĂŒr Fehlinformationen.
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Plant-based im Fokus: Neue Studie startet
Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) hat gemeinsam mit der UniversitĂ€t Jena ein spezielles Modul der COPLANT-Studie gestartet. Es untersucht die NĂ€hrstoffversorgung bei veganer, vegetarischer oder pescetarischer ErnĂ€hrung wĂ€hrend Schwangerschaft und Stillzeit.
Professorin Cornelia Weikert vom BfR betont: Die Auswirkungen einer stark pflanzenbetonten ErnĂ€hrung auf die kindliche Entwicklung seien noch nicht abschlieĂend erforscht. Besonders Vitamin B12 steht im Fokus â es kommt fast ausschlieĂlich in tierischen Lebensmitteln vor.
Dr. Christine Dawczynski von der UniversitĂ€t Jena ergĂ€nzt: Der Verzicht auf bestimmte Lebensmittelgruppen erhöhe zwangslĂ€ufig das Risiko fĂŒr NĂ€hrstoffmĂ€ngel.
Energiebedarf: Weniger als gedacht
Entgegen der Annahme, Schwangere mĂŒssten âfĂŒr zwei essen", bleibt der Energiebedarf im ersten Trimester nahezu unverĂ€ndert. Der zusĂ€tzliche Bedarf liegt bei nur 70 Kilokalorien pro Tag.
Deutlich steigt dagegen der Bedarf an spezifischen MikronĂ€hrstoffen. Neben FolsĂ€ure und Jod rĂŒcken Omega-3-FettsĂ€uren (DHA) in den Fokus. Die DGE empfiehlt mindestens 200 Milligramm DHA tĂ€glich â entscheidend fĂŒr die Entwicklung von Gehirn und Netzhaut des Kindes.
Anders bei Eisen: Die Verbraucherzentrale und das BfR raten von einer pauschalen Supplementierung ab. Eine gezielte Einnahme sollte nur nach Àrztlicher Diagnose erfolgen.
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Marktchaos bei NahrungsergÀnzungsmitteln
Die Diskrepanz zwischen Empfehlungen und RealitĂ€t bietet Potenzial fĂŒr die Gesundheitswirtschaft. Marktanalysen zeigen: Eine optimierte Supplementierung mit mehreren MikronĂ€hrstoffen könnte nicht nur Geburtsergebnisse verbessern, sondern auch Gesundheitskosten senken.
Gleichzeitig kritisieren VerbraucherschĂŒtzer die QualitĂ€t vieler PrĂ€parate. Marktchecks zeigen: Viele frei verkĂ€ufliche Produkte ĂŒberschreiten die vom BfR vorgeschlagenen Höchstmengen oder enthalten unnötige Zusatzstoffe.
Was sich Àndern muss
Forscher und Praktiker sind sich einig: Die bloĂe Informationsbereitstellung im Internet reicht nicht. Die LĂŒbecker Studie unterstreicht die Notwendigkeit einer standardisierten, qualifizierten Beratung durch GynĂ€kologen und Hebammen.
Da viele Frauen bereits vor der EmpfÀngnis Defizite aufweisen, sollte die ErnÀhrungsberatung idealerweise bei bestehendem Kinderwunsch beginnen.
Die COPLANT-Studie wird voraussichtlich ab 2027 detaillierte Einblicke liefern, wie pflanzliche DiĂ€ten den Stoffwechsel von Mutter und Kind beeinflussen. Experten erwarten maĂgeschneiderte SupplementierungsplĂ€ne, die Lebensstil und genetische Disposition berĂŒcksichtigen.
Technologische Innovationen wie personalisierte ErnĂ€hrungs-Apps könnten die LĂŒcke zwischen professioneller Beratung und Informationsbedarf schlieĂen â und so die Gesundheit kĂŒnftiger Generationen fördern.
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