Gastronomie-Pleiten, Schwierige

So viele Gastronomie-Pleiten wie seit 2011 nicht

19.03.2026 - 09:23:28 | dpa.de

Schwierige Zeiten fĂŒr die Gastronomie: Die Insolvenzen in der Branche sind laut einer Auswertung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform im Jahr 2025 zum vierten Mal in Folge gestiegen.

Nach vorlÀufigen Zahlen waren im vergangenen Jahr mehr als 2.900 Betriebe betroffen. Das ist der höchste Stand seit 2011 und fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit trifft es die Branche deutlich hÀrter als die Gesamtwirtschaft.

Zwischen 2020 und 2025 wurden in der Branche laut Creditreform mehr als 11.200 Insolvenzen gezĂ€hlt. Fast 69.000 Unternehmen, die GaststĂ€tten, Restaurants, CafĂ©s oder Bars gefĂŒhrt haben, stellten in diesem Zeitraum den Betrieb ein. "Pandemie, Energiekrise und Inflation haben die Gastronomie hart getroffen. Viele Betriebe haben diese Abfolge von Krisen nicht ĂŒberlebt", sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Zu den bekanntesten InsolvenzfĂ€llen der vergangenen Jahre gehören die Restaurantketten Sausalitos und Vapiano. WĂ€hrend der Pandemie hĂ€tten Staatshilfen das Überleben vieler Unternehmen gesichert und Schließungen zunĂ€chst verhindert, so Hantzsch.

"Weniger Aperitif, weniger Nachtisch, weniger Wein"

Der Experte sieht weitere GrĂŒnde. Viele Wirte könnten in der aktuell verschĂ€rften Wirtschaftslage mit hohen Lohnkosten nicht rentabel arbeiten. "Die steigenden Preise in Lokalen treffen auf eine Bevölkerung, die in vielen Bereichen spart." Die Menschen bestellten hĂ€ufiger Essen nach Hause. Insgesamt gebe es weniger Restaurant- und Barbesuche, auch bei Bestellungen werde gespart. "Weniger Aperitif, weniger Nachtisch, weniger Wein. Das schlĂ€gt auf den Umsatz."

Hantzsch erwartet 2026 eine Zunahme der Insolvenzen und ein weiteres AusdĂŒnnen der Gastronomie. "Besonders kleine, inhabergefĂŒhrte Betriebe kĂ€mpfen angesichts hoher Energie-, Miet- und Lebensmittelkosten ums Überleben." Vor allem in kleinen StĂ€dten und Dörfern dĂŒrfte der Wandel sichtbar werden. Die finanzielle Lage vieler Betriebe ist der Analyse zufolge angespannt. Bei knapp 40 Prozent der Unternehmen liegen die Eigenkapitalquoten bei weniger als 10 Prozent. Knapp ein Drittel schreibt Verluste.

Umfrage: Bei Bekleidung und Lebensmitteln wird weniger gespart

Laut einer im Februar durchgefĂŒhrten YouGov-Umfrage sparen die Verbraucher bei FreizeitaktivitĂ€ten besonders. 42 Prozent geben an, sich bei Ausgaben fĂŒr Kino, Theater, Konzerte und Restaurantbesuche am meisten zurĂŒckzuhalten. Bei Möbeln (32 Prozent), Bekleidung (29 Prozent), Elektronikprodukten (28 Prozent) oder Lebensmitteln (14 Prozent) schrĂ€nken sich weniger ein.

Um die Gastronomie zu entlasten, wurde die Mehrwertsteuer fĂŒr Speisen zu Jahresbeginn von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Nach der Steuersenkung sind einer Analyse zufolge die Preise nur leicht gesunken. Der vom Datenspezialisten Meoton ermittelte Preisindex fĂŒr Speisen lag Mitte Februar bei 99,6 im Vergleich zu 100 im Dezember. FĂŒr die Analyse wurden mehr als 200.000 Preise von mehr als 30.000 Betrieben ausgewertet.

Nach Angaben des Deutschen Hotel- und GaststĂ€ttenverbandes (Dehoga) verzeichnete die Branche 2025 preisbereinigt schon das sechste Jahr in Folge Umsatzverluste. Die Betriebe leiden nach Angaben des Dehoga unter massiv gestiegenen Kosten fĂŒr Waren, Personal und Energie. Diese haben demnach seit 2022 teilweise um bis zu 40 Prozent zugelegt. Viele Gastronomen hatten bereits Ende des Jahres betont, dass die Steuersenkung genutzt werde, um die gestiegenen Kosten auszugleichen - und nicht, um die Preise zu senken.

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