See-Windparks, Einspeiseverzicht

See-Windparks wollen mit Einspeiseverzicht Geld verdienen

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 11:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Betreiber von Windparks auf See drĂ€ngen neuerdings auf den Markt fĂŒr Regelreserve, die Schwankungen von Stromerzeugung und -verbrauch ausgleicht.

Nach EinschĂ€tzung von Netzbetreibern und Versorgern können Windparks nach einer Qualifizierung zur StabilitĂ€t des Stromnetzes beitragen. Die Aufgabe ĂŒbernehmen ĂŒblicherweise Pumpspeicherkraftwerke, Gaskraftwerke und Batteriespeicher. Der Beitrag der Windkraft ist noch verschwindend gering, wie Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen.

Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, der fĂŒr das Netz im Nordosten des Landes an der Ostsee zustĂ€ndig ist, berichtete, es befĂ€nden sich mehrere Windparks auf See in der sogenannten PrĂ€qualifizierungsphase. Dabei ĂŒberprĂŒft 50Hertz, ob die Windparks die Anforderungen erfĂŒllen. "Das Interesse, am Regelleistungsmarkt teilzunehmen, steigt", teilte ein Sprecher mit.

Regelreserve ist ein Überbegriff. Regelleistung beschreibt die Vorhaltung von Leistung zur Systemstabilisierung. Regelarbeit ist die aktivierte Energiemenge.

Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet, der fĂŒr die Nordsee zustĂ€ndig ist, teilte mit: "Wir beobachten ein steigendes Interesse von Windparkbetreibern am Regelreservemarkt." Das gelte auch fĂŒr den Offshoremarkt.

Vattenfall und Trianel vermarkten Regelenergie

Wie es vom Energieversorger Vattenfall heißt, vermarktet das Unternehmen nun erstmals Regelenergie auf hoher See. Der Windpark Veja Mate sei in der Tennet-Zone prĂ€qualifiziert worden, teilte der Vermarkter mit. Der Windpark liegt rund 95 Kilometer nordwestlich von Borkum und besteht aus 67 Anlagen.

Im August wurde bekannt, dass der Stadtwerke-Zusammenschluss Trianel den Windpark Borkum I fĂŒr den Regelenergiemarkt prĂ€qualifizieren lassen hat. Die Vermarktung hat laut Trianel im Juli begonnen.

Stillstand kann lukrativ sein

Das Fraunhofer-Institut fĂŒr Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) teilte mit: "Die aktuellen PrĂ€qualifizierungen deuten darauf hin, dass Offshore-Windparks stĂ€rker als FlexibilitĂ€tsoption fĂŒr den Regelenergiemarkt erschlossen werden." Die Windparks könnten vor allem sogenannte negative Regelleistung bereitstellen. Das bedeute, dass sie auf Abruf die Einspeisung reduzierten.

Nach Bewertung von 50Hertz kann es sich fĂŒr Windparkbetreiber an manchen Tagen lohnen, auf eine Einspeisung zu verzichten, statt geringe Erlöse an Strombörsen zu erzielen. Dazu drehten Betreiber WindrĂ€der aus dem Wind und der Stillstand werde als negative Regelleistung vermarktet.

Vergleichsweise schwieriger ist laut Fraunhofer IEE, dass Windparks sogenannte positive Regelleistung bereitstellen. "Positive Regelleistung wĂŒrde voraussetzen, dass Anlagen vorsorglich gedrosselt werden, um Leistung fĂŒr einen möglichen Abruf vorzuhalten." Das wĂ€re allerdings eine vermeidbare Abregelung erneuerbarer Energie und meist nicht wettbewerbsfĂ€hig.

Batteriespeicher effizienter

Laut Fraunhofer IEE stĂ€rkt die Teilnahme von Windparks auf See den Regelreservemarkt. GrundsĂ€tzlich seien Batteriespeicher aber effizienter als Windparks. Das Problem der Batteriespeicher sei aber, dass es fĂŒr die Projektierer schwieriger werde, an das Netz angeschlossen zu werden.

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