Seer Aktie: Aktivisten schÀrfen Ton
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 00:17 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Bei Seer tobt ein offener Schlagabtausch zwischen Management und GroĂaktionĂ€ren. Vier Tage vor der Hauptversammlung am 28. Juli 2026 wirft die Investorengruppe um Bradley Radoff und Michael Torok dem Board vor, die eigene Geschichte schönzureden. Der Vorwurf: Das Unternehmen spreche von "anhaltendem Erfolg", wĂ€hrend die AktionĂ€re lĂ€ngst die Rechnung zahlen.
Die Zahlen, die Radoff-JEC in ihrem Brief anfĂŒhren, sind deutlich. Seit dem Börsengang im Dezember 2020 steht die Aktie mit rund 97 Prozent im Minus. Parallel dazu hat das Unternehmen kumulierte Verluste von mehr als 465 Millionen Dollar angehĂ€uft.
Der Cash-Verbrauch treibt die Kritik weiter an. Im Schnitt verbrannte Seer pro Jahr 51,8 Millionen Dollar, macht in Summe 310,8 Millionen Dollar seit dem Börsengang. Nach dem eigenen Strategieplan des Managements soll ProfitabilitĂ€t erst 2031 erreicht werden â elf Jahre nach dem IPO.
Besonders scharf richtet sich der Brief gegen CEO und Chairman Omid Farokhzad. Er habe bereits Aktien im Wert von ĂŒber 103 Millionen Dollar verkauft, mehr als die aktuelle Marktkapitalisierung des Unternehmens. Hinzu kommt eine durchschnittliche JahresvergĂŒtung von ĂŒber 6 Millionen Dollar, macht seit 2020 rund 36,5 Millionen Dollar.
UnabhÀngigkeit als Streitpunkt
Radoff-JEC, die nach eigenen Angaben rund 7,7 Prozent der Seer-Aktien halten, zweifeln zudem an der UnabhĂ€ngigkeit des Boards. Ihre These: FĂŒnf statt der offiziell genannten zwei Direktoren seien wegen persönlicher oder geschĂ€ftlicher Verbindungen zu Farokhzad nicht wirklich unabhĂ€ngig. Das sei entscheidend, weil der Vorstandschef selbst einen Vorschlag zur Ăbernahme des Unternehmens vorgelegt habe, den das Gremium eigentlich objektiv prĂŒfen soll.
Das Seer-Board weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck. In einem eigenen AktionĂ€rsbrief argumentiert es, die von Radoff und Torok vorgeschlagenen Kandidaten â Howard Berman, Joshua Horowitz und Luis Rinaldini â brĂ€chten weder Proteomics- noch Life-Science-Erfahrung mit. Die eigenen Nominierten, angefĂŒhrt von Farokhzad selbst sowie Meeta Gulyani, Robert Langer, Terrance McGuire, Dipchand Nishar, Isaac Ro und Nicolas Roelofs, verfĂŒgten hingegen ĂŒber die nötige Branchenexpertise, um die "kategorie-schaffende" Proteomics-Strategie weiterzufĂŒhren. Das Board wirft den Aktivisten vor, keine Interviews mit ihren Kandidaten zugelassen zu haben.
Am 28. Juli 2026 entscheiden die AktionĂ€re auf der Hauptversammlung, welchem Lager sie folgen. Bis dahin dĂŒrfte der Ton zwischen beiden Seiten kaum leiser werden.
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