Samsung verbucht Rekordgewinne - und enttÀuscht die MÀrkte
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 10:28 Uhr, dpa.de(Neu: weitere Details und Aktienkurs)
SEOUL (dpa-AFX) - Erneut fĂ€hrt SĂŒdkoreas gröĂtes Unternehmen Rekordgewinne ein: So geht Samsung KR7005930003 Electronics in seinem aktuellen GeschĂ€ftsbericht fĂŒr das zweite Jahresquartal von einem Betriebsgewinn von 89,4 Billionen Won (rund 51 Mrd. Euro) aus - so viel wie nie zuvor. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies einer Steigerung des Betriebsgewinns um mehr als 1.800 Prozent.
Damit verbucht Samsung das dritte GeschĂ€ftsquartal in Folge den jeweils höchsten Wert in seiner Unternehmensgeschichte. Zum Vergleich: Der operative Gewinn fĂŒr das gesamte Jahr 2025 betrug 43,6 Billionen Won, also weniger als die HĂ€lfte der aktuell prognostizierten Quartalszahlen. Den tatsĂ€chlichen Nettogewinn weist Samsung in seinem GeschĂ€ftsbericht - wie auch in frĂŒheren GeschĂ€ftsberichten - nicht separat aus.
Der Grund fĂŒr die rasant steigenden Profite ist der anhaltende Boom rund um kĂŒnstliche Intelligenz. Weltweit ist die Nachfrage nach Rechenzentren sowie leistungsstarken Computer-Prozessoren regelrecht explodiert. Und sĂ€mtliche technische GerĂ€te benötigen Speicherchips - jenem Segment also, in dem Samsung Electronics weltweit als MarktfĂŒhrer gilt. Da die Nachfrage die ProduktionskapazitĂ€ten deutlich ĂŒbersteigt, konnte Samsung zudem von den rasant gestiegenen Halbleiterpreisen zusĂ€tzlich profitieren.
Samsung-Aktie bricht zeitweise um zehn Prozent ein
Umso ĂŒberraschender erscheint zunĂ€chst die Reaktion der MĂ€rkte: Der Aktienkurs von Samsung Electronics ist am Dienstag bis Handelsschluss um knapp 7 Prozent eingebrochen. Zeitweise stand der Kurs gar rund 10 Prozent im Minus.
Ein Grund dafĂŒr ist laut Experten, dass der Markt die starken Gewinnzahlen bereits seit Monaten weitgehend eingepreist hatte. Die Erwartungen vieler Investoren sind derart hoch, dass sie selbst von einem historisch guten GeschĂ€ftsbericht kaum ĂŒbertroffen werden können.
Die Samsung-Aktien seien bereits so hoch bewertet gewesen, dass die Erwartungen kaum noch ĂŒbertroffen werden konnten ("priced for perfection"), stellte Marktbeobachter Stephen Innes fest. Der "erste KI-Stresstest" habe nun nicht geklappt.
Von Ende 2025 bis Mitte Juni hatten die Samsung-Papiere etwa 170 Prozent gewonnen, bevor zuletzt bereits eine Korrektur einsetzte. Nach dem Einbruch infolge der Eckdaten steht im bisherigen Jahresverlauf noch ein Plus von knapp 140 Prozent auf dem Kurszettel.
Hinzukommt die von vielen Branchenbeobachtern geteilte Annahme, dass die KI-Investitionen, welche die Halbleiterindustrie antreiben, nicht auf ewig in einem derart rasanten Tempo weitergehen werden. Dementsprechend haben viele Investoren ihre Aktien nun verkauft, um bereits erzielte Profite abzusichern.
Riesige Gewinne, doch auch riesige Investitionsausgaben
Nicht wenige Ăkonomen sprechen gar vom ersten ernsthaften KI-Stresstest, der sich am Beispiel Samsung Electronics abspielen könnte: Trotz eines hervorragenden GeschĂ€ftsberichts zeigen sich die scheinbar ĂŒberhitzten MĂ€rkte enttĂ€uscht - nicht zuletzt, weil die fĂŒhrenden KI-Unternehmen nach wie vor keine nachhaltigen GeschĂ€ftsmodelle vorgelegt haben, um angesichts der riesigen Investitionssummen entsprechende Renditen einfahren zu können.
Samsung steht zudem unter Druck durch den heimischen Konkurrenten SK Hynix, der im Zuge des KI-Booms sogar einen noch spektakulĂ€reren Siegeszug hingelegt hat. Der Tech-Konzern mit Sitz in der sĂŒdkoreanischen Stadt Icheon profitiert davon, dass er sich bereits frĂŒh auf die Entwicklung sogenannter HBM-Chips (High Bandwidth Memory) spezialisiert hatte - einer Technologie, die derzeit besonders gefragt ist. LĂ€ngst gilt SK Hynix KR7000660001 als wichtigster Zulieferer von HBM-Chips fĂŒr den US-MarktfĂŒhrer Nvidia US67066G1040.
Im Juni hatte SK Hynix gar Samsung Electronics als gröĂtes sĂŒdkoreanisches Unternehmen nach Marktkapitalisierung abgelöst - wenn auch nur kurzzeitig. Nach aktuellem Stand fĂŒhrt Samsung die Rangliste wieder an.
Trotz hoher Betriebsgewinne sind auch die Investitionsausgaben der Unternehmen riesig. Erst Ende Juni hatte SĂŒdkoreas PrĂ€sident Lee Jae Myung das wohl gröĂte industriepolitische Projekt in der Geschichte des Landes vorgestellt. Demnach sollen Gelder im dreistelligen Milliardenbereich in die Chipproduktion, Rechenzentren und Robotik investiert werden. Im Zentrum steht ein umgerechnet rund 450 Milliarden Euro teures Halbleiter-Ăkosystem im SĂŒdwesten des Landes, das mehrheitlich von Samsung Electronics und SK Hynix errichtet wird.
Rekordgewinne lösen Verteilungsdebatte aus
In SĂŒdkorea haben die extrem hohen Unternehmensgewinne der groĂen Halbleiterproduzenten Samsung Electronics und SK Hynix zudem zu einer öffentlich debattierten Verteilungsfrage gefĂŒhrt. Ende Mai nahmen Mitglieder der Samsung-Gewerkschaft nach einer Streik-Drohung einen Kompromissvorschlag des Managements an, der JahresprĂ€mien von mehreren Hunderttausend Euro fĂŒr jeden Mitarbeiter der hochprofitablen Halbleitersparte vorsieht. Zeitweise hatte PrĂ€sident Lee die Forderungen einiger Halbleitergewerkschaften als "exzessiv" kritisiert.
WĂ€hrend die Tech-Unternehmen des Landes von der anhaltenden KI-Nachfrage profitieren und hohe Löhne sowie PrĂ€mien zahlen, lĂ€uft es in vielen anderen Industriezweigen SĂŒdkoreas derzeit eher durchwachsen. So ist die Arbeitslosenquote in der besonders betroffenen Altersgruppe unter 30 Jahren zuletzt deutlich gestiegen. Zudem wird befĂŒrchtet, dass der KI-Boom, von dem die sĂŒdkoreanische Techbranche profitiert, gleichzeitig etliche ArbeitsplĂ€tze insbesondere im verarbeitenden Gewerbe ĂŒberflĂŒssig machen könnte.
Bei den GeschÀftszahlen von Samsung Electronics handelt es sich um eine erste SchÀtzung. Genauere Zahlen wird der Konzern erst zu einem spÀteren Zeitpunkt veröffentlichen, voraussichtlich am Ende des Monats.
