Sind Aldi und Lidl wirklich billiger als die SupermÀrkte?
Veröffentlicht am: 03.02.2026 um 06:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMal senkt der eine die Preise zuerst, mal der andere. Vor wenigen Tagen Ă€rgerte Lidl seinen Konkurrenten und unterbot dessen kurz zuvor angekĂŒndigte Preissenkung fĂŒr Schokoladenprodukte teilweise.
Preise sind fĂŒr Kunden so wichtig wie wohl lange nicht mehr. Das zeigt auch eine Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH Köln: Gut 70 Prozent vergleichen beim Lebensmitteleinkauf stĂ€rker die Preise und greifen hĂ€ufiger zu Sonderangeboten.
Besonders groĂ ist der Druck auf Aldi und Lidl. "Discount" - ĂŒbersetzt Rabatt - ist schlieĂlich ein Versprechen. Aldi gilt als dessen Erfinder und langjĂ€hriger PreisfĂŒhrer - ein Image, kein offiziell vergebener Titel. Herausforderer Lidl stellt diesen Anspruch infrage. "Eure Nr. 1. Der PreisfĂŒhrer lohnt sich", so wirbt der HĂ€ndler. Doch wer ist tatsĂ€chlich billiger? Und macht es sich fĂŒr Kunden ĂŒberhaupt bemerkbar, wo sie einkaufen? Ein Ăberblick:
Wo ist es am gĂŒnstigsten?
Die Vergleichsapp Smhaggle hat im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur die dominierenden Regalpreise der groĂen LebensmittelhĂ€ndler in Deutschland im Jahr 2025 analysiert. Untersucht wurden die Kernsortimente, etwa 2.000 Produkte, die bei allen Anbietern verfĂŒgbar und damit gut vergleichbar sind. Sonderangebote wurden nicht berĂŒcksichtigt.
"Egal ob Milch, Joghurt, Nudeln, Butter oder Salatgurke: Die Preise dieser Produkte sind bis auf wenige Ausnahmen auf den Cent gleich", sagt Smhaggle-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Sven Reuter. Dies gelte sowohl fĂŒr Eigenmarken als auch fĂŒr Markenprodukte - unabhĂ€ngig davon, ob es sich um Discounter oder Supermarkt handelt. Die Preise könnten regional und in von selbststĂ€ndigen Kaufleuten gefĂŒhrten MĂ€rkten unter UmstĂ€nden abweichen. Ăber die Smhaggle-App laden Nutzer laut Reuter tĂ€glich mehr als 10.000 Kassenbons hoch. So lĂ€sst sich die Entwicklung der Preise detailliert nachvollziehen.
Wie lÀuft das ab?
Meistens senken die Discounter als erste die Preise. Die anderen HĂ€ndler wie Rewe, Edeka oder Kaufland ziehen anschlieĂend schnell nach. Laut Reuter reagieren sie auf PreisĂ€nderungen innerhalb weniger Stunden oder ein bis zwei Tagen. Da die Preise anschlieĂend wieder anbieterĂŒbergreifend nahezu identisch seien, könne von einer PreisfĂŒhrerschaft eines HĂ€ndlers keine Rede sein, sagt Reuter.
Die Supermarktkette Rewe wirbt mit einem Versprechen. Auf der Internetseite heiĂt es: "Bei Rewe findest du 4.000 Produkte, die immer genauso gĂŒnstig sind wie beim Discounter." Die Verkaufspreise werden regelmĂ€Ăig mit denen von Aldi und Lidl abgeglichen. Bei Edeka ist es Ă€hnlich.
Wo wird am liebsten eingekauft?
Ein klarer Favorit lĂ€sst sich nicht ausmachen. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur bevorzugen 32 Prozent der Menschen in Deutschland SupermĂ€rkte wie Rewe und Edeka, 29 Prozent ziehen Discounter wie Aldi und Lidl vor. 38 Prozent haben keine feste PrĂ€ferenz. Die GrĂŒnde unterscheiden sich deutlich. Was den jeweiligen Kunden wichtig ist:
* Erreichbarkeit (SupermÀrkte: 62 Prozent, Discounter: 65)
* Frische Produkte wie Obst, GemĂŒse und Fleisch (52, 36)
* Eigenmarken (48, 55)
* Sonderangebote (43, 60)
* GroĂe Auswahl an Lebensmitteln (42, 15)
* Preise (35, 77)
Beim Preis liegen die Discounter klar vorn. SupermĂ€rkte ĂŒberzeugen mit der gröĂeren Auswahl an Lebensmitteln. Andere Merkmale, mit denen sie sich abzuheben versuchen, spielen eine geringere Rolle. Nur jeweils 29 Prozent geben die Vielzahl an Markenprodukten oder die schöne EinkaufsatmosphĂ€re mit gröĂerem Platzangebot an, lediglich 21 Prozent freundliches Personal.
Was sagen Experten?
Die Unterschiede zwischen den Formaten verschwimmen zunehmend. Die Discounter setzen heute stĂ€rker auf Ambiente und Markenprodukte. "Die QualitĂ€t der Ware ist auch hoch", sagt Michael Gerling, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Handelsforschungsinstituts EHI. "Die SupermĂ€rkte mĂŒssen sich anstrengen und an Erlebniswert drauflegen." Sie sollten mit besonderen Angeboten punkten, wie etwa Gastronomie, Veranstaltungen, Bedientheken oder RegionalitĂ€t.
Ein Unterschied ist bestehen geblieben: Discounter fĂŒhren deutlich weniger Artikel. Aus Sicht von Carsten Kortum, Handelsprofessor an der Dualen Hochschule Baden-WĂŒrttemberg Heilbronn, ist dies nicht zwingend ein Nachteil. Ganz im Gegenteil. "Auswahl ist grundsĂ€tzlich gut, zu viel kann aber auch ĂŒberfordern", sagt er. "Viele Kunden fĂŒhlen sich wohl, wenn es ĂŒbersichtlicher ist." Das erleichtere die Kaufentscheidung.
Wer ist gröĂer?
Die Discounter, zu denen auch Penny und Netto gezÀhlt werden, liegen beim Umsatz vorn. Im Handel mit Produkten des tÀglichen Bedarfs kamen sie laut YouGov zuletzt auf einen Marktanteil von gut 38 Prozent, die SupermÀrkte wie Rewe und Edeka auf rund 28,5 Prozent. Der Rest entfiel unter anderem auf SB-WarenhÀuser wie Kaufland, Fachhandel und Drogerien.
GröĂter LebensmittelhĂ€ndler in Deutschland ist laut EHI Edeka. Bei den Discountern setzt Lidl zwar mehr um als Aldi Nord und Aldi SĂŒd jeweils, zusammen liegen die beiden Aldi-Unternehmensgruppen jedoch knapp vorn. Die Marktanteile verschieben sich seit Jahren zugunsten der Discounter. Experten begrĂŒnden dies damit, dass Kunden wegen der hohen Inflation preisbewusster konsumiert haben. "FĂŒr Discounter sind schlechte Zeiten gute Zeiten", sagt Handelsexperte Gerling.
Laut YouGov kauften 44 Prozent wegen der gestiegenen Preise in den vergangenen Jahren hĂ€ufiger bei Discountern ein. "Dabei zahlen sie dort fĂŒr die gleichen Produkte nicht weniger als in SupermĂ€rkten. Die Discounter Aldi und Lidl haben zudem deutlich weniger Sonderangebote", sagt Smhaggle-Chef Reuter. Am besten sparen können Verbraucher demnach, wenn sie primĂ€r gezielt Aktionsprodukte kaufen.
