Sivers Semiconductors Aktie: Nasdaq-Listing blockiert
21.06.2026 - 01:51:40 | boerse-global.de
Starke Kursgewinne, chaotische Unternehmensführung. Bei Sivers Semiconductors klaffen Realität und Stimmung derzeit weit auseinander. Die Aktie schoss im letzten Monat um beeindruckende 75 Prozent nach oben. Die Hauptversammlung in Stockholm lieferte den Anlegern jedoch mehr Fragen als Antworten.
Hauptversammlung stoppt Nasdaq-Pläne
Eigentlich sollte das Treffen eine reine Formsache sein. Stattdessen traten mehrere Aufsichtsräte kurz vor der Abstimmung zurück. Der wichtigste Tagesordnungspunkt verschwand komplett vom Tisch. Aktionäre sollten über ein Zweitlisting an der Nasdaq in New York abstimmen. Dafür hätte das Unternehmen knapp 54 Millionen neue Aktien ausgeben müssen. Das hätte die Altaktionäre um rund 15 Prozent verwässert.
Der neu gewählte Vorstand zog die Pläne zurück. Das Management will zunächst das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm überarbeiten. Ganz auf frisches Kapital verzichtet die Führung aber nicht. Die Versammlung genehmigte einen allgemeinen Rahmen zur Ausgabe der exakt gleichen Aktienmenge. Das gibt dem Unternehmen finanzielle Flexibilität ohne sofortige Verwässerung.
Bilanzkorrekturen und juristischer Ärger
Die US-Ambitionen hinterlassen bereits tiefe Spuren in den Büchern. Sivers passte seine Bilanzen für die vergangenen zwei Jahre an US-Standards an. Die Folge: Höhere Verluste. Der Fehlbetrag für 2025 stieg rückwirkend auf rund 223 Millionen schwedische Kronen. Auch der Umsatz für 2024 fiel nach der Korrektur niedriger aus.
Abseits der Bilanz kämpft das Unternehmen mit juristischem Gegenwind. Die schwedische Wirtschaftsbehörde ermittelt wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Details zum Nasdaq-Listing waren im April vorab ins Netz gelangt. Zwei US-Kanzleien prüfen mögliche Verstöße gegen das Wertpapierrecht. Obendrein attackiert der Leerverkäufer Ningi Research das Unternehmen. Der Vorwurf: Sivers habe Forschungsgelder fälschlicherweise als kommerzielle Einnahmen verbucht.
Operative Lichtblicke stützen den Kurs
Trotz des Trubels meldet Sivers operative Erfolge. Anfang Juni sicherte sich der Konzern einen Auftrag über 8,2 Millionen US-Dollar. Der britische Satellitenkommunikationsanbieter ALL.SPACE bestellt spezielle Hochfrequenz-Chips. Das werten Marktbeobachter als wichtigen Vertrauensbeweis für die Technologie.
Die Vertriebspipeline wuchs massiv auf fast 800 Millionen Dollar. Die Hauptversammlung winkte parallel dazu ein besichertes Wandeldarlehen über rund 327.000 Dollar durch. Der Kredit läuft bis Ende 2029 und verzinst sich zweistellig. Eine Dividende fällt erwartungsgemäß aus.
An der Börse ignorieren Anleger die Störgeräusche bislang. Die Aktie schloss am Freitag bei 8,65 Euro. Damit notiert das Papier gewaltige 62 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt. Der nächste wichtige Termin steht im August 2026 an. Dann präsentiert das Management die Zahlen für das zweite Quartal. Bis dahin muss der neue Vorstand beweisen, dass er den US-Börsengang rechtlich sauber über die Bühne bringt.
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