SK Hynix Aktie: Bewertungslücke im Test
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 12:16 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der Sprung an die Nasdaq ist geglückt, das Kapital eingesammelt. Die eigentliche Frage lautet aber, ob SK Hynix damit seinen jahrelangen Bewertungsabschlag gegenüber der US-Konkurrenz tatsächlich loswird. Genau darauf richten sich jetzt die Blicke der Investoren.
Mit der heutigen Notierung an der Nasdaq unter dem Kürzel "SKHY" platzierte der südkoreanische Speicherchiphersteller 177,9 Millionen American Depositary Receipts zu je 149 US-Dollar. Der Erlös summierte sich auf 26,5 Milliarden US-Dollar. Es ist der größte US-Börsengang eines ausländischen Unternehmens und weltweit der zweitgrößte nach SpaceX im Juni 2026 – das Angebot war Insidern zufolge mehr als siebenfach überzeichnet.
Kapital für Yongin und Indiana
Der Erlös fließt vor allem in den neuen Halbleiterkomplex in Yongin sowie in Verpackungsanlagen für High-Bandwidth-Memory-Chips, darunter ein Werk im US-Bundesstaat Indiana. Als Cornerstone-Investoren hatten Baillie Gifford, Coatue Management und Situational Awareness Partners im Vorfeld Anteile im Volumen von bis zu 7 Milliarden Dollar gezeichnet. Der IPO-Erlös deckt dabei nur einen Teil des Investitionsbedarfs – die geplanten jährlichen Ausgaben von 50 bis 70 Billionen Won sollen größtenteils aus dem operativen Cashflow stammen, der in den kommenden zwei Jahren auf über 200 Billionen Won pro Jahr geschätzt wird.
Der Korea-Abschlag auf dem Prüfstand
Im Zentrum der Debatte steht die sogenannte Korea-Discount, der chronische Bewertungsabschlag koreanischer Konzerne gegenüber globalen Wettbewerbern. SK Hynix wird trotz seiner Führungsposition im HBM-Markt derzeit nur mit dem 4,8-Fachen der für die nächsten zwölf Monate erwarteten Gewinne gehandelt, während Rivale Micron auf das 6,6-Fache kommt und der Branchendurchschnitt bei fast dem 30-Fachen liegt.
Investmentchef Ha SeokKeun von Eugene Asset Management rechnet im Basisszenario mit rund 30 Prozent Aufwärtspotenzial für die Seoul-Aktie und rund 45 Prozent für die ADRs, sollte sich die Lücke schließen. HSBC hatte sein Kursziel für die Seoul-notierte Aktie bereits Ende Juni um 38 Prozent angehoben und dies mit der besseren Zugänglichkeit für globale Investoren begründet.
Andere Marktbeobachter dämpfen die Euphorie. Ein steigender Aktienkurs verkleinere die Bewertungslücke nicht automatisch: Micron legte im laufenden Jahr um rund 250 Prozent zu, SK Hynix um etwa 240 Prozent – der Abstand blieb dabei nahezu unverändert. Das Nasdaq-Listing soll vor allem den Zugang für US-Fonds erleichtern, die koreanische Aktien bislang meist gemieden haben.
Zahlen, die Selbstvertrauen geben
Das operative Geschäft liefert die Argumente für die Wette auf eine Neubewertung. Im ersten Quartal 2026 erzielte SK Hynix einen Umsatz von rund 52,6 Billionen Won und einen operativen Gewinn von etwa 37,6 Billionen Won – mehr als fünfmal so viel wie im Vorjahresquartal.
Die operative Marge lag bei 72 Prozent, ein Niveau, das selbst führende Logikchip-Hersteller nicht erreichen. Im Juni 2026 hatte der Konzern zudem erstmals seit einem Vierteljahrhundert Samsung Electronics als wertvollstes Unternehmen Südkoreas abgelöst.
Der Wettbewerbsdruck wächst allerdings. SK Hynix dürfte zwar Marktführer bei HBM-Chips bleiben, sein Anteil aber von zuletzt rund 57 Prozent auf etwa 50 Prozent in diesem Jahr und mittelfristig in den niedrigen 40-Prozent-Bereich sinken, während Samsung und Micron aufholen. Als eigentliche Herausforderung gilt dabei weniger der Marktanteil als die Kapazität – selbst angekündigte Werkserweiterungen reichen nach Einschätzung von Branchenkennern nicht aus, um die erwartete Nachfrage bis Ende des Jahrzehnts zu decken.
Die Bewertungslücke zu Micron bleibt damit der Maßstab, an dem sich der Erfolg des Nasdaq-Debüts messen lassen muss. Noch klafft sie trotz des milliardenschweren Kapitalzuflusses unverändert.
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