ROUNDUP, Parlamentswahl

Parlamentswahl in Slowenien bringt keine klaren Mehrheiten

23.03.2026 - 04:50:34 | dpa.de

Sloweniens liberaler MinisterprĂ€sident Robert Golob hat die Parlamentswahl Ă€ußerst knapp gewonnen, aber zusammen mit seinen linken Koalitionspartnern die Regierungsmehrheit verloren.

Golobs Freiheitsbewegung kam nach AuszÀhlung fast aller Stimmen auf 28,6 Prozent und 29 Mandate, wie die staatliche Wahlkommission in Ljubljana mitteilte (AuszÀhlungsstand 99,85 Prozent). Die Slowenische Demokratische Partei (SDS) des rechts-konservativen Ex-Premiers Janez Jansa konnte demnach 28 Prozent der Stimmen auf sich vereinen und 28 Mandate erringen.

Das EU- und Nato-Land steht vor einer schwierigen Regierungsbildung. Weder der linke noch der rechte Block verfĂŒgt ĂŒber die Mehrheit von 46 Mandaten in der 90-sitzigen Volksvertretung. Golob erklĂ€rte dennoch seinen Anspruch auf die Regierungsbildung. "Wir haben unser Mandat erneuert, schwierige Verhandlungen stehen uns bevor", sagte er in der Wahlnacht vor AnhĂ€ngern. Jansa deutete an, das knappe Wahlergebnis anfechten zu wollen. "Wir werden jede Stimme aus jedem Wahllokal nachzĂ€hlen", sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur STA.

Golob, der vor seinem Einstieg in die Politik Generaldirektor eines Energiehandelsunternehmens war, regierte in den vergangenen vier Jahren zusammen mit den Sozialdemokraten (SD) und der Linken (Levica). Die SD kam auf 6,7 Prozent der Stimmen und sechs Mandate, die Levica, die diesmal zusammen mit der GrĂŒn-Partei Vesna antrat, auf 5,6 Prozent und fĂŒnf Mandate.

Auch Jansa ohne Regierungsmehrheit

Jansas traditioneller Koalitionspartner, die konservative Partei Neues Slowenien (NSi), vereinte 9,3 Prozent der Stimmen auf sich und kam auf neun Mandate. Die neue Partei Demokraten des ehemaligen Jansa-Mitstreiters Anze Logar erhielt 6,7 Prozent der Stimmen und damit sechs Mandate. Logar stellt sich seit der ParteigrĂŒndung als "dritte Kraft" jenseits der Blöcke dar. In Ljubljana geht man aber davon aus, dass er viel eher mit Jansa als mit Golob kooperieren wĂŒrde.

Auch Jansas SDS hĂ€tte zusammen mit der NSi und den Demokraten keine Regierungsmehrheit. Den Einzug ins Parlament schaffte erstmals die ultrarechte Partei Resni.ca (Wahrheit), die mit 5,5 Prozent der Stimmen fĂŒnf Mandate errang. Sie war in der Zeit der Corona-Pandemie Ă€hnlich wie die deutschen "Querdenker" als Protestbewegung gegen PCR-Testpflichten, Ausgangssperren und andere Maßnahmen entstanden.

"Querdenker" als unwilliges ZĂŒnglein an der Waage

Zu jener Zeit hatte Jansa regiert. Resni.ca-Chef Zoran Stevanovic hatte vor der Wahl mehrfach betont, keine Koalition mit dem Ex-Premier einzugehen. Im Parlament sind außerdem je ein Vertreter der italienischen und der ungarischen Minderheit vertreten. Sie gelten in jede Richtung anschlussfĂ€hig, wĂŒrden aber keinem der Blöcke zu einer Mehrheit verschaffen.

Golob hatte bei der Parlamentswahl 2022 Jansa klar geschlagen und ihn als Regierungschef abgelöst. Viele Versprechen, die auf einen "Neuanfang" abzielten, löste er jedoch nicht ein. So kam die angekĂŒndigte Gesundheitsreform nicht von der Stelle. Auch in anderen Bereichen wirkte seine Regierung mitunter behĂ€big und ungeschickt.

In den Meinungsumfragen hatte Jansa lange Zeit mit mehreren Prozentpunkten vor Golob gefĂŒhrt. Erst in der vergangenen Woche kehrte sich der Trend um. Beobachter fĂŒhrten dies auf eine SchmutzkĂŒbel-Kampagne zurĂŒck, die auf anonym ins Netz gestellten Videos beruhte. Die Clips zeigten Ex-Politiker und RechtsanwĂ€ltinnen aus dem Umfeld Golobs, die als Opfer fingierter GeschĂ€ftsverhandlungen ĂŒber mutmaßliche Korruption im linken und liberalen Regierungslagers sprachen.

Israelische Lobby-Agentur soll mitgemischt haben

Die unabhĂ€ngige Wochenzeitung "Mladina" identifizierte eine israelische Lobby-Agentur als mutmaßliche Urheberin der Kampagne. "Black Cube" wurde von hochrangigen israelischen Ex-MilitĂ€rs und Ex-Geheimdienstlern gegrĂŒndet. Offizielle der Agentur sollen mehrfach in Ljubljana gewesen sein und Jansa in der SDS-Parteizentrale getroffen haben.

Der slowenische Geheimdienst Sova bestÀtigte die Medienberichte weitgehend. Jansa bestritt, "Black Cube" beauftragt zu haben, rÀumte aber ein, den israelischen Ex-General Giora Eiland, einen Berater der Agentur, in der SDS-Zentrale empfangen zu haben.

RĂŒckkehr Jansas hĂ€tte Europa-Skeptiker in EU gestĂ€rkt

Jansa steht seit 1993 an der Spitze der rechtskonservativen Slowenischen Demokratischen Partei (SDS). Als er von 2004 bis 2008, 2012 bis 2013 und 2020 bis 2022 regierte, zeigte er autoritĂ€re Tendenzen. So trachtete er, die Medienfreiheit einzuschrĂ€nken, und ließ oppositionelle Demonstranten von der Polizei schikanieren.

Jansa ist außerdem mit dem ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor Orban verbĂŒndet. GeschĂ€ftsleute aus dem Umfeld Orbans halfen ihm, eigene Propaganda-Medien aufzubauen. Anders als der Rechtspopulist Orban ist Jansa nicht prorussisch orientiert. Er teilt jedoch die EU-Skepsis und traditionalistische Weltanschauung des Ungarn.

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