New York Schluss: Möglicher neuer Handelskrieg verschreckt
20.01.2026 - 22:30:07 | dpa.deDie Androhung von Strafzöllen gegen europÀische Staaten im Streit um Grönland schickte die wichtigsten Indizes nach einem feiertagsbedingt langen Wochenende auf Talfahrt. Die Gewinne seit Jahresbeginn sind bereits wieder Geschichte.
Charttechnisch wichtige kurz- und mittelfristige Trendsignale zeichnen ein dĂŒsteres Bild fĂŒr die weitere Börsenentwicklung. Der VolatilitĂ€tsindex (VIX), der die kurzfristig erwarteten Schwankungen im S&P 500 misst, stieg ĂŒber 20 Punkte auf den höchsten Stand seit November. Anleger flĂŒchteten in Edelmetalle wie Gold als sicheren Hafen. US-Staatsanleihen gaben nach.
Zwischen Washington und Europa war es am Wochenende zur Eskalation gekommen. US-PrĂ€sident Donald Trump drohte im Streit um die zu DĂ€nemark gehörende Insel Grönland vom 1. Februar an Strafzölle gegen einige europĂ€ische LĂ€nder an, die im Juni weiter steigen sollen, sofern kein Abkommen ĂŒber den Kauf Grönlands durch die USA erzielt wird. EuropĂ€ische Staats- und Regierungschefs reagierten empört und erwĂ€gen GegenmaĂnahmen.
Der Dow Jones Industrial US2605661048 bĂŒĂte letztlich 1,76 Prozent auf 48.488,59 Punkte ein und schloss damit knapp ĂŒber seinem wenig zuvor erreichten Tagestief. FĂŒr den marktbreiten S&P 500 US78378X1072 ging es um 2,06 Prozent auf 6.796,86 ZĂ€hler abwĂ€rts. Der von Technologiewerten geprĂ€gte Nasdaq 100 US6311011026 sackte um 2,12 Prozent auf 24.987,57 Punkte ab. Alle drei Indizes rutschten unter die 21-Tage-Linie, die den kurzfristigen Trend signalisiert, S&P 500 und Nasdaq sackten auĂerdem auch unter die 50-Tage-Linie fĂŒr den mittelfristigen Trend.
"Der Grönland-Streit zeigt: Handelsstreitigkeiten sind bei weitem noch nicht beigelegt", sagte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Und sie dĂŒrften unter einer Trump-Administration wohl auch ein "Dauer-Störfeuer" bleiben.
Im Dow waren 3M US88579Y1010 das Schlusslicht mit minus 7,0 Prozent. Der Mischkonzern enttĂ€uschte zur Vorlage seiner Quartalszahlen Analysten zufolge mit seinem bereinigten operativen Ergebnis und blieb zudem mit seinem Margenausblick fĂŒr 2026 etwas hinter den Erwartungen zurĂŒck.
Die Aktie des KI-Chipherstellers Nvidia US67066G1040 bĂŒĂte als schwĂ€chste unter den sogenannten "glorreichen Sieben" 4,4 Prozent ein. Doch auch die anderen sechs - Alphabet US02079K3059, Amazon US0231351067, Apple US0378331005, Meta US30303M1027, Microsoft US5949181045 und Tesla US88160R1014 - die zu den weltweit gröĂten und wichtigsten Technologieunternehmen zĂ€hlen, gaben nach. Sie verloren zwischen 1,1 und 4,2 Prozent.
Intel US4581401001 sprangen dagegen um 3,4 Prozent hoch und profitierten von positiven Analystenkommentaren von HSBC und Seaport Global Securities. Eine Erholung des lange Zeit vor allem im Vergleich zur bÀrenstarken Konkurrenz schwÀchelnden Chipherstellers nahm damit weiter Form an. Am Aktienmarkt setzen Anleger schon lÀnger auf eine GeschÀftsbelebung.
Die Aktie des Streaming-Anbieters Netflix US64110L1061 gab nach anfĂ€nglichen Gewinnen um 1,1 Prozent nach. Im Bieterkampf um das Hollywood-Urgestein Warner Brothers US9344231041 legte Netflix nach. Das bisherige Gebot von knapp 83 Milliarden US-Dollar inklusive Schulden fĂŒr das Studio- und Streaming-GeschĂ€ft von Warner wird zu einem kompletten Barangebot. Konkurrent Paramount US69932A2042 bietet gut 108 Milliarden Dollar fĂŒr den gesamten Konzern. Dessen Aktie verlor 2,1 Prozent, wĂ€hrend Warner Bros. 1,2 Prozent abgaben.
Die Anteilscheine der Edelmetall-Produzenten Newmont US6516391066 und Agnico Eagle Mines CA0084741085 gewannen zwischen 4 und knapp 6 Prozent. Sie profitierten von Rekordhochs bei Gold und Silber. Die Edelmetalle sind angesichts der vielen geopolitischen Krisenherde wie der Lage im Iran und Trumps Zoll-Drohungen als "sichere HĂ€fen" derzeit stark gefragt.
Um 64 Prozent auf 57,57 Dollar sprangen die Aktien von Rapt Therapeutics US75382E2081 nach oben. Der britische Pharmakonzern GSK GB0009252882 will das US-Biotech-Unternehmen kaufen und bietet den AktionÀren 58 Dollar je Aktie, was einem Firmenwert von 2,2 Milliarden Dollar entspricht./ck/he
--- Von Claudia MĂŒller, dpa-AFX ---
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

