Spartenverkauf beschert Boeing ersten Gewinn seit 2018
Veröffentlicht am: 27.01.2026 um 16:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAbseits davon schrieb der Rivale des weltgröĂten Flugzeugbauers Airbus hingegen erneut rote Zahlen. Konzernchef Kelly Ortberg sieht Boeing nach mehreren Krisenjahren mit zwei tödlichen AbstĂŒrzen, einem Beinahe-UnglĂŒck und etlichen QualitĂ€tsmĂ€ngeln immerhin auf dem Weg aus der Dauerkrise.
"Wir machen gute Fortschritte", sagte der Manager bei der Vorlage der Jahreszahlen am Dienstag in Arlington. Damit gingen jedoch auch Erwartungen einher: "Unsere Kunden und Stakeholder werden in diesem Jahr mehr von uns erwarten."
Im vergangenen Jahr verdiente Boeing unter dem Strich 2,2 Milliarden US-Dollar nach einem Verlust von 11,8 Milliarden ein Jahr zuvor. Die schwarzen Zahlen verdankte der Konzern jedoch dem Verkauf des GeschĂ€fts mit digitalen Dienstleistungen an die Software-Investmentfirma Thoma Bravo, den Boeing im vergangenen April angekĂŒndigt hatte. Der Deal brachte Boeing im vierten Quartal einen Sondergewinn von 9,6 Milliarden Dollar ein. Ohne diesen Effekt hĂ€tte der Konzern 2025 wie von Analysten erwartet den siebten Jahresverlust in Folge verbucht.
Am Finanzmarkt konnten die Neuigkeiten entsprechend nicht ĂŒberzeugen: Die Boeing-Aktie verlor kurz nach Handelsstart in New York knapp zwei Prozent an Wert. Im Vergleich zum Jahreswechsel liegt sie damit noch rund 12 Prozent im Plus.
Im TagesgeschĂ€ft erholte sich der Konzern ein StĂŒck von seiner Dauerkrise, die sich Anfang 2024 nach einem Beinahe-UnglĂŒck einer Boeing 737 Max deutlich verschĂ€rft hatte. Damals hatten die US-Luftfahrtbehörde FAA den Hersteller unter verschĂ€rfte Aufsicht gestellt. Die Zahl der ausgelieferten Passagier- und Frachtjets brach seinerzeit auf 348 StĂŒck ein. Im Jahr 2025 sprang sie nun wieder krĂ€ftig auf 600 Maschinen nach oben.
Entsprechend legte der Umsatz des Konzerns um gut ein Drittel auf 89,5 Milliarden Dollar zu und ĂŒbertraf zugleich die Erwartungen von Analysten. Von schwarzen Zahlen im KerngeschĂ€ft mit Passagier- und Frachtjets blieb Boeing jedoch noch weit entfernt: Der operative Verlust der Sparte verringerte sich lediglich von 8 Milliarden auf 7,1 Milliarden Dollar.
Die RĂŒstungs- und Raumfahrtsparte konnte ihren operativen Verlust immerhin deutlich eindĂ€mmen. Schwarze Zahlen schrieb lediglich die Servicesparte - selbst ohne den Verkauf des DigitalgeschĂ€fts, das zu ihrem Bereich gehört hatte.
Boeings Dauerkrise hĂ€lt schon seit Jahren an. Los ging es mit den AbstĂŒrzen zweier Mittelstreckenjets vom Typ 737 Max mit insgesamt 346 Toten in den Jahren 2018 und 2019 und einem mehr als 20-monatigen Flugverbot fĂŒr das Modell. In den Jahren danach tauchten immer wieder Produktions- und QualitĂ€tsmĂ€ngel auf, auch bei anderen Modellen. Schon 2019 verlor Boeing die Position als weltgröĂter Flugzeugbauer an seinen europĂ€ischen Rivalen Airbus, der ihm seitdem weiter davoneilte.
Als eine 737 Max Anfang 2024 im Flug ein tĂŒrgroĂes Rumpfteil verlor, griffen die Behörden durch. Immer wieder musste Boeing auch die Erstauslieferung des modernisierten GroĂraumjets 777X verschieben. Das Modell liegt inzwischen sieben Jahre hinter dem ursprĂŒnglichen Zeitplan. Den Hersteller kostete die Verzögerungen eine Milliardensumme.
