Studie, Datenschutz

Studie: Datenschutz macht Europa wettbewerbsfÀhiger

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 06:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Ein Abbau von Datenschutzstandards ist nach Ansicht von Wissenschaftlern kein geeignetes Mittel, um Europas WettbewerbsfÀhigkeit in der digitalen Wirtschaft zu stÀrken.

Zu diesem Schluss kommt ein Grundsatzpapier des Projekts "Plattform Privatheit", das unter FederfĂŒhrung des Fraunhofer-Instituts fĂŒr System- und Innovationsforschung (ISI) und der UniversitĂ€t Kassel erarbeitet wurde. Statt auf pauschale Deregulierung zu setzen, mĂŒsse Europa seine wirtschaftliche Zukunft vielmehr auf datenschutzfreundliche Technologien, digitale SouverĂ€nitĂ€t und vertrauenswĂŒrdige Innovationen aufbauen.

Die weit verbreitete Annahme "weniger Datenschutz bedeutet mehr Innovation" sei empirisch nicht haltbar, betonen die Autoren um Michael Friedewald vom Fraunhofer ISI und Alexander Roßnagel, Hessens Beauftragten fĂŒr Datenschutz und Professor an der UniversitĂ€t Kassel. Die EuropĂ€ische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sei keineswegs die zentrale Ursache fĂŒr Innovationshemmnisse. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass die Regulierung nicht zu einem generellen Einbruch bei Neuerungen gefĂŒhrt habe.

Probleme bei kleinen Firmen und BĂŒrokratie

Gleichwohl benennt das Papier spĂŒrbare Herausforderungen: WĂ€hrend große Digitalkonzerne die regulatorischen Anpassungen meist gut bewĂ€ltigen könnten, litten vor allem Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unter bĂŒrokratischem Aufwand und Rechtsunsicherheit. Diese Schieflage mĂŒsse durch gezielte Entlastungen korrigiert werden. Die Forscher schlagen vor, Pflichten kĂŒnftig strikt am tatsĂ€chlichen Verarbeitungsrisiko auszurichten und vermehrt Hersteller von Standard-Software in die Pflicht zu nehmen.

Zudem gelte bei KĂŒnstlicher Intelligenz (KI) und datengetriebenen GeschĂ€ftsmodellen nicht das Prinzip der reinen Datenmaximierung. Entscheidend fĂŒr unternehmerischen Erfolg seien vielmehr DatenqualitĂ€t, Passgenauigkeit und die ExklusivitĂ€t von Trainingsdaten.

Datenschutz als QualitÀtsmerkmal "Made in Europe"

Die Autoren warnen davor, europÀische Grundrechte und Innovationspolitik gegeneinander auszuspielen. Insbesondere in sensiblen Bereichen wie dem Gesundheitswesen, bei Finanzdienstleistungen oder in der Verwaltung könne ein verlÀsslicher Datenschutz zum entscheidenden Wettbewerbs- und Vertrauensvorteil werden.

Um die LĂŒcke zu den USA und China nicht weiter anwachsen zu lassen, empfiehlt die "Plattform Privatheit" unter anderem die gezielte Förderung dateneffizienter KI-Verfahren, den Ausbau von Reallaboren zur risikofreien Erprobung sowie mehr Rechtssicherheit fĂŒr die Forschung. So könne GrundrechtskonformitĂ€t kĂŒnftig zu einem international anerkannten QualitĂ€tsmerkmal europĂ€ischer Digitaltechnologie werden.

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