ROUNDUP, Tankrabatt

Tankrabatt könnte nur mit Verzögerung wirken

20.04.2026 - 15:14:44 | dpa.de

Der ab 1. Mai geplante "Tankrabatt" könnte erst mit VerspĂ€tung bei den Verbrauchern ankommen - und im schlimmsten Fall sogar fĂŒr kurzfristigen Spritmangel sorgen.

Davor warnen jedenfalls BranchenverbÀnde. Die Preise an den Tankstellen sinken inzwischen nur noch langsam, wie Zahlen des ADAC zeigen.

Im Gesetzentwurf fĂŒr den "Tankrabatt" heißt es: "Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Steuersatzsenkung verzögert und schleichend in den Verbrauchspreisen widerspiegelt." Ähnliche Bedenken hatte es schon 2022 beim damaligen Tankrabatt gegeben.

Ursache dafĂŒr ist die Steuersystematik. Um die Spritpreise zu senken, sollen nach PlĂ€nen der schwarz-roten Koalition befristet fĂŒr zwei Monate die Steuern auf Diesel und Benzin um je rund 17 Cent brutto pro Liter gesenkt werden. Die reduzierten SteuersĂ€tze sollen vom 1. Mai bis 30. Juni gelten. Allerdings: Die Energiesteuer wird bei Lieferung des Sprits an die Tankstelle fĂ€llig.

Es kommt auf den Stichtag an

SĂ€mtliche Kraftstoffe, die bis zum Stichtag 1. Mai in den Tanks liegen, seien noch mit dem normalen, höheren Betrag belegt, heißt es vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie in einer Stellungnahme fĂŒr eine Anhörung im Finanzausschuss des Bundestags. "Die Tanks der Tankstellen werden am 1. Mai 2026 also in unterschiedlichem Umfang noch mit "normal versteuertem" Benzin und Diesel gefĂŒllt sein."

Es sei zu erwarten, dass die Tankkunden in der Zeit vor der Energiesteuersenkung zurĂŒckhaltend sein werden. "Daher dĂŒrfte sich der Effekt der niedrigeren SteuersĂ€tze nicht ĂŒberall gleich am Stichtag um Mitternacht einstellen, sondern erst in der Folgezeit, wenn die "normal versteuerten" Kraftstoffe abverkauft und nach und nach die niedrig versteuerten Kraftstoffe angeliefert werden." Zudem gebe es weitere Faktoren, die auf den Preis wirkten. "Die Energiesteuern sind eine wichtige Preiskomponente, aber bei Weitem nicht die einzige."

ZwickmĂŒhle bedroht die Versorgung

FĂŒr Tankstelleninhaber ist es durch die Steuersystematik finanziell vorteilhaft, mit niedrigen BestĂ€nden in den 1. Mai zu gehen. Das fĂŒhrt laut dem Branchenverband bft, der fĂŒr die freien Tankstellen spricht, aber zu einem Zielkonflikt: Denn wenn alle Tankstellen so vorgehen, könnte dies - zusammen mit den eingeschrĂ€nkten Liefermöglichkeiten am langen Wochenende - fĂŒr Probleme sorgen.

"FĂŒr eine sichere Versorgung mĂŒssten die Tankstellen zum 1. Mai eigentlich volle Tanks haben. Auf der darin enthaltenen hohen Energiesteuer bleiben sie ohne Ausgleich aber sitzen", sagt bft-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Daniel Kaddik. "Wer vernĂŒnftig bevorratet, trĂ€gt das wirtschaftliche Risiko. Wer BestĂ€nde niedrig hĂ€lt, riskiert Versorgungsprobleme." Eine Möglichkeit aus Sicht des Verbands wĂ€re, den Rabatt auf den 4. Mai zu verschieben. Dies könne zumindest fĂŒr etwas Erleichterung sorgen.

Auch der Wirtschaftsverband Fuels und Energie Ă€ußerte Ă€hnliche Sorgen.

ADAC hĂ€lt EngpĂ€sse fĂŒr unwahrscheinlich

Beim ADAC hĂ€lt man VersorgungsengpĂ€sse rund um den 1. Mai dagegen fĂŒr unwahrscheinlich. Das sei auch 2022 befĂŒrchtet worden, aber dann nicht eingetreten, sagte ein Sprecher. 2022 war der Tankrabatt an einem normalen Mittwoch gestartet. Nennenswerte VersorgungsengpĂ€sse wurden damals nicht bekannt. Dabei war der Preisunterschied bei E10 mit gut 35 Cent mehr als doppelt so hoch wie jetzt.

Und die Belastung der Mineralölindustrie durch höher versteuerten Sprit am Start des Rabatts wird am Ende des Rabatts durch einen spiegelbildlichen Effekt ausgeglichen. Dann können Tankstellen sich die Lager noch vor dem Stichtag mit steuerlich gĂŒnstigem Sprit fĂŒllen und ihn danach zu mutmaßlich höheren Preisen verkaufen.

2022 waren die PreissprĂŒnge deutlich

2022 waren die PreissprĂŒnge an Anfang und Ende des damaligen Tankrabatts zwar sehr deutlich ausgefallen - aber in beiden Richtungen niedriger als die steuerliche Änderung, wie aus Daten des ADAC hervorgeht.

Die bundesweiten Tagesdurchschnittspreise fĂŒr E10 sanken damals zu Beginn binnen eines Tages um gut 27 Cent und stiegen am Ende um 23 Cent - obwohl der Steuerunterschied bei rund 35 Cent lag. Bei Diesel ging es zu Beginn um knapp 12 Cent nach unten, am Ende um knapp 9 Cent nach oben, obwohl der Steuerunterschied bei rund 17 Cent lag. Vor und nach den Stichtagen fĂŒr die Steuer gab es damals aber krĂ€ftige Preisbewegungen.

Talfahrt verliert an Schwung

Unterdessen hat die Talfahrt der Spritpreise an Schwung verloren. Rund um den krĂ€ftigen mittĂ€glichen Preissprung am Montag deuteten die Zahlen nur noch bei Diesel nach unten, wie aus Daten des ADAC hervorgeht. Superbenzin der Sorte E10 war nach dem Sprung sogar minimal teurer als zur gleichen Zeit am Vortag. Das könnte auf eine Stagnation oder sogar wieder steigende Preise fĂŒr Benzin hindeuten.

Schon am Sonntag hatte sich E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt nur noch minimal verbilligt: um 0,2 Cent auf 2,059 Euro pro Liter. Diesel gab um 1,2 Cent auf 2,152 Euro nach.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis   Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
de | boerse | 69217256 |