Telefonica Aktie: O2 baut jede sechste Stelle ab
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 08:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die deutsche Telefónica-Tochter O2 zieht die Kostenbremse und trifft damit die eigene Belegschaft hart. Bis Ende 2026 sollen bis zu 1.100 Vollzeitstellen wegfallen – jede sechste Position im Unternehmen. Der Grund liegt tief im operativen Geschäft: Der Verlust des größten Firmenkunden schmerzt bis heute.
Der 1&1-Abgang als Auslöser
Jahrelang mietete 1&1 mit seinen 12 Millionen Handykunden das O2-Netz. Inzwischen ist der Anbieter zu Vodafone gewechselt, und die Mieteinnahmen fehlen in der Kasse. Der langjährige O2-Chef Markus Haas verließ das Unternehmen Ende 2025, seit Anfang 2026 steuert der Deutsch-Spanier Santiago Argelich Hesse den Konzern durch die Krise.
Der Kahlschlag geht über den reinen Personalabbau hinaus. Von den rund 800 O2-Shops sollen bis Jahresende 60 eigene Standorte schließen, Franchise-Partner bleiben verschont. Die Restrukturierung kostet 265 Millionen Euro, wofür entsprechende Rückstellungen gebildet werden. Argelich Hesse begründet den Schritt mit einer notwendigen Vereinfachung der Organisation und einem verstärkten Einsatz Künstlicher Intelligenz in zentralen Abläufen.
Schon jetzt kündigt das Unternehmen eine zweite Sparrunde für 2027 an, mit weiteren Rückstellungen von bis zu 155 Millionen Euro. Callcenter und Vertrieb stehen dabei im Fokus. Ab 2028 will O2 durch beide Phasen zusammen jährlich rund 185 Millionen Euro einsparen.
Gewerkschaft warnt vor Servicequalität
Die Gewerkschaft Verdi reagiert alarmiert. Verdi-Sekretär und Aufsichtsratsmitglied Christoph Heil sieht die Qualität des Kundenservice in Gefahr, gerade weil der Beratungsbedarf in einer alternden Gesellschaft eher steige als sinke. Heil fordert stattdessen Investitionen vom spanischen Mutterkonzern und vermisst eine nachhaltige Strategie für die Zukunft der Deutschlandtochter.
Bei der Netzabdeckung hat O2 zuletzt aufgeholt, bleibt aber hinter der Konkurrenz zurück. Laut Bundesnetzagentur erreichte das Unternehmen im Dezember 88,6 Prozent der Fläche mit 4G und 76,2 Prozent mit 5G – die Telekom kommt auf 92,5 beziehungsweise 87,9 Prozent. Ob der harte Sparkurs reicht, um die verlorenen Marktanteile gegenüber Telekom und Vodafone zurückzugewinnen, dürfte sich erst zeigen, wenn die zweite Kürzungsphase 2027 anläuft.
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