Tesla erhĂ€lt FristverlĂ€ngerung fĂŒr US-Sicherheitsuntersuchung
19.01.2026 - 18:24:11Tesla muss sich bis Ende Februar nicht zu schweren Vorwürfen gegen sein „Full Self-Driving“-System äußern. US-Verkehrssicherheitsbehörden gewährten dem Konzern fünf Wochen mehr Zeit, um Tausende interne Dokumente zu prüfen.
Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) verschob die Frist auf den 23. Februar 2026. Grund ist eine umfangreiche Informationsanfrage im Rahmen einer Voruntersuchung. Diese läuft seit Oktober und prüft Dutzende von Verbraucherbeschwerden. Sie werfen Tesla-Fahrzeugen mit aktiviertem FSD-System gefährliches Verhalten vor: Das Übersehen roter Ampeln, Fahren auf der falschen Straßenseite und das Missachten von Verkehrsregeln.
Die Verlängerung unterstreicht den enormen Aufwand für solche Prüfungen im Zeitalter softwaredefinierter Autos. Tesla muss laut eigener Aussage noch 8.313 interne Aufzeichnungen manuell sichten. Das Unternehmen gab an, pro Tag etwa 300 Datensätze bearbeiten zu können.
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Die Untersuchung betrifft schätzungsweise 2,9 Millionen Fahrzeuge in den USA, die mit der FSD-Technologie ausgestattet sind. Auslöser waren mindestens 62 konkrete Beschwerden. Die NHTSA prüft, ob systematische Mängel im FSD-Code zu Verkehrsverstößen führen und ein unangemessenes Sicherheitsrisiko darstellen.
Im Dezember forderte die Behörde einen breiten Katalog interner Daten an. Dazu zählen Kundenbeschwerden, Technikerberichte, Unfallakten, Klagen und interne Bewertungen zu den mutmaßlichen Vorfällen. Untersucht werden unter anderem falsche Spurwechsel, das Durchfahren von Kreuzungen bei Rot und Unfälle mit Verletzten.
Diese Evaluation ist eine von mehreren parallel laufenden NHTSA-Untersuchungen gegen Tesla. Der Konzern beklagte in seinem Antrag auf Fristverlängerung die Belastung durch diese Mehrfachanfragen. Neben der FSD-Prüfung läuft auch eine Untersuchung zu verspäteten Unfallmeldungen und eine zu möglichen Defekten an Türgriffen der Modelle 3 und Y.
Wachsender regulatorischer Druck auf beiden Küsten
Die Prüfung in Washington ist nur eine Front, an der Tesla sich verteidigen muss. Im wichtigen Absatzmarkt Kalifornien wirft die dortige Motor Vehicle Department dem Unternehmen vor, die Fähigkeiten von Autopilot und FSD in der Werbung überzubewerten. Die Behörde droht mit einem 30-tägigen Verkaufsstopp für Tesla in dem Bundesstaat – eine Maßnahme mit potenziell schweren finanziellen Folgen.
Der Name „Full Self-Driving“ steht dabei selbst in der Kritik. Verbraucherschützer argumentieren, er suggeriere fälschlicherweise vollständige Autonomie. Tatsächlich handelt es sich um ein Level-2-Assistenzsystem, das die ständige Aufmerksamkeit des Fahrers erfordert. Einige in der Untersuchung erfasste Vorfälle beschreiben ein plötzliches, unvorhersehbares Verhalten der Fahrzeuge ohne Vorwarnung. Tesla betont stets, dass Fahrer jederzeit bereit sein müssen, die Kontrolle zu übernehmen.
Branchenweite Bedeutung und Teslas Geschäftsstrategie
Das Ergebnis dieser Untersuchung könnte einen wichtigen Präzedenzfall für die Regulierung automatisierter Fahrfunktionen schaffen. Es geht um die grundlegende Frage: Wie validiert man die Sicherheit KI-gesteuerter Systeme, deren mögliche Fehler in Millionen Codezeilen verborgen sein können?
Für Tesla kommt die Prüfung zu einem strategisch entscheidenden Zeitpunkt. Das Unternehmen hat kürzlich angekündigt, FSD nur noch als Abonnement anzubieten und den Einmalkauf abzuschaffen. Dieser Wechsel soll stetigere Einnahmen generieren. Sein Erfolg hängt maßgeblich vom Verbrauchervertrauen und der regulatorischen Akzeptanz der Technologie ab.
Eine mögliche Rückrufaktion oder eine behördlich angeordnete Software-Aktualisierung würde nicht nur dieses Abo-Modell gefährden. Sie könnte auch Teslas ehrgeizige Robotaxi-Pläne ausbremsen, die fundamental auf einer als sicher zertifizierten FSD-Plattform aufbauen.
Die Branche wartet nun gespannt auf Teslas Einreichung Ende Februar. Die gelieferten Daten bestimmen das weitere Vorgehen der NHTSA. Die Behörde kann die Voruntersuchung einstellen oder sie in eine formale technische Analyse überführen. Sollte sie ein unvertretbares Sicherheitsrisiko erkennen, dürfte sie einen Rückruf fordern – der bei Tesla wohl als „Over-the-Air“-Update umgesetzt würde. Die Entscheidung wird die Entwicklung des automatisierten Fahrens weltweit mitprägen.
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