Thyssenkrupp Aktie: TKMS schlägt Hanwha bei Kanada-U-Booten
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 09:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Tochter thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) hat sich in einem der größten Rüstungsgeschäfte der jüngeren Geschichte gegen den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha durchgesetzt. Kanadas Premierminister Mark Carney erklärte TKMS am 6. Juli zum bevorzugten Anbieter für bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD. Der endgültige Vertragsabschluss soll bis Ende 2027 erfolgen, die ersten vier Boote sollen bis 2034 an die kanadische Marine übergeben werden. Das erste Exemplar will TKMS bereits 2033 liefern.
Für Kanada ist der Deal von strategischer Dringlichkeit: Von der bisherigen Victoria-Klasse ist derzeit nur ein einziges von vier U-Booten überhaupt einsatzbereit. Das 212CD-Modell, gut 74 Meter lang, verfügt über einen nicht-magnetischen Doppelrumpf sowie einen Diesel-Brennstoffzellen-Hybridantrieb mit Lithium-Ionen-Batterien und kann nach Angaben zu dem Programm mehr als 40 Tage getaucht bleiben. Die Plattform teilt sich Kanada künftig mit Deutschland und Norwegen. Als wirtschaftlichen Ausgleich fließt die gesamte Investitionssumme des Auftrags nach kanadischen Angaben ins Land zurück – ergänzt um eine Absichtserklärung von TKMS mit Heirloom Carbon Technologies und der Konzernschwester thyssenkrupp Calvion für eine Anlage zur direkten CO2-Abscheidung in Alberta. Der Auftragsbestand von TKMS soll durch das Kanada-Geschäft um mehr als die Hälfte steigen.
Rückzug aus Kiel, Rennen um Kanada-Vertrag gewonnen
Während TKMS bei den U-Booten für Kanada den Zuschlag holte, zieht sich das Unternehmen aus einem anderen Rüstungspoker zurück: Vorstandschef Oliver Burkhard hat das Interesse an einer Übernahme der German Naval Yards Kiel offiziell beendet. Damit bleibt im Bieterprozess um die Werft nur noch Rheinmetall übrig. Für TKMS bedeutet der Verzicht, dass sich der Konzern auf das margenträchtige Kanada-Geschäft und die eigene Kapazitätsplanung konzentrieren kann, statt Ressourcen in eine zusätzliche Werftübernahme zu binden.
Nicht jeder internationale Wettbewerb läuft für die Kieler derart erfolgreich. Am 18. April hatten Australien und Japan einen Fregattenvertrag über drei Schiffe des Typs Mogami besiegelt, den Mitsubishi Heavy Industries baut – Gesamtvolumen rund 7 Milliarden US-Dollar. TKMS war mit seinem Angebot der MEKO-A-200-Fregatte in diesem Rennen unterlegen. Der Kanada-Erfolg zeigt jedoch, dass die Kieler im hart umkämpften globalen U-Boot-Markt trotz solcher Rückschläge Boden gutmachen.
Quartalszahlen der Marinesparte heute im Fokus
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält TKMS an diesem Dienstag durch die anstehende Vorlage der Quartalsergebnisse der Marinesparte. Erste Schätzungen zu den Zahlen liegen bereits vor, Details zum Zahlenwerk selbst wurden bislang nicht veröffentlicht. Anleger dürften vor allem darauf achten, ob sich der Auftragsschub aus Kanada bereits in der Guidance des Managements niederschlägt.
Kursreaktion: Aktie nahe Jahreshoch
Der Aktienkurs der Thyssenkrupp-Mutter spiegelt die positive Nachrichtenlage rund um die Rüstungssparte wider. Am Montag schloss das Papier bei 12,35 Euro, ein Plus von 1,23 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Monatssicht steht ein Zuwachs von 20,91 Prozent zu Buche – ein deutlicher Ausdruck dafür, wie stark der Kanada-Auftrag und die generelle Rüstungsdynamik die Anlegerstimmung treiben. Zum erst kürzlich markierten 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro fehlen dem Titel derzeit noch 6,80 Prozent, der Abstand hat sich damit spürbar verringert. Die Kombination aus Großauftrag, dem Rückzug aus dem Kieler Bieterverfahren und den anstehenden Quartalszahlen dürfte die Volatilität der Aktie in den kommenden Handelstagen hoch halten.
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