Börse Frankfurt-News: Anleihen: Lieber auf Nummer sicher
28.03.2025 - 15:32:57"Sichere HĂ€fen" wie Bundesanleihen sind wieder gesucht. Auto-Bonds halten sich - anders als Autoaktien - gut. Der Kurseinbruch bei Anleihen in tĂŒrkischen Lira wird fĂŒr KĂ€ufe genutzt.
28. MĂ€rz 2025. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach den seit Mitte MĂ€rz geltenden US-Zöllen von 25 Prozent auf Stahl- und Aluminiumprodukte kommen nun auch Zölle von 25 Prozent auf Autos und Autoteile. "Tump heizt mit den Autozöllen einen globalen Handelskrieg an", erklĂ€rt Tim Oechsner, der fĂŒr die Steubing AG Anleihen handelt. VergeltungsmaĂnahmen wĂŒrden vermutlich bereits in KĂŒrze folgen. Auch die US-Notenbank werde sich damit beschĂ€ftigen mĂŒssen. "Werden Neufahrzeuge teurer, hat dies Auswirkungen auf die US-Inflationsentwicklung."
Die Unsicherheit fĂŒhrt zu einer Flucht in Bundesanleihen und US-Treasuries als sichere HĂ€fen. Im Gegenzug ging die Rendite zehnjĂ€hriger Bundesanleihen zurĂŒck und liegt am Freitagmorgen bei 2,73 Prozent, Anfang der Woche waren es noch 2,82 Prozent. Anfang des Monats lag die Rendite sogar kurz bei ĂŒber 2,93 Prozent, Grund war die AnkĂŒndigung des milliardenschweren Finanzpakets in Deutschland.
Extrem beliebt: TĂŒrkische-Lira-Bonds
Stark gesucht sind weiterhin Anleihen in tĂŒrkischen Lira, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank meldet. Sie haben sich nach dem heftigen Markteinbruch infolge der Verhaftung von Istanbuls BĂŒrgermeisters und Erdo?an-Kontrahent Imamo?lu vergangene Woche etwas stabilisiert. Besonders liquide: eine Lira-Anleihe der European Bank for Reconstruction and Development EBRD (XS2779805097), die bis 2031 lĂ€uft und aktuell mit 31 Prozent rentiert. "Die wird andauernd gekauft", berichtet der HĂ€ndler. Weitere Bonds der EBRD wĂŒrden ebenfalls nur gesucht (XS2756383233, < XS2765026468>, < XS2034314224>), Mit Laufzeiten bis 2027, 2029 und 2026 bieten sie aktuell zwischen 35 und 39 Prozent.
Arthur Brunner von der ICF Bank berichtet zudem von vielen KĂ€ufen norwegischer Staatsanleihen in Kronen Anfang der Woche. Beispiel ist ein Bond mit 3,625 Prozent bis 2034 (NO0013148338).
Autoanleihen: SeitwÀrtsbewegung
Im Handel mit Unternehmensanleihen sind aufgrund der Zölle Autoanleihen im Fokus, wie Oechsner berichtet. Hohe UmsĂ€tze weisen etwa Papiere von Mercedes-Benz (DE000A289QR9, DE000A3LH6T7), Porsche Automobil Holding (XS2615940215) und VW auf (XS2694874533, XS2374595044) - in beiden Richtungen. Daniel sieht ebenfalls KĂ€ufe und VerkĂ€ufe fĂŒr VW-Anleihen (XS1893631769). "GröĂere Kursbewegungen bei den Autoanleihen gibt es nicht", erklĂ€rt auch Rainer Petz von Oddo BHF.
Fraport und MTU gesucht, Beruhigung bei Mutares
Gefragt sind Daniel zufolge Bonds von Fraport mit FÀlligkeit 2032 (XS2832873355) und MTU Aero Engines 2031 (XS2887896574) mit Renditen von derzeit 3,68 Prozent und 3,42 Prozent und ein LanglÀufer von Eon mit FÀlligkeit 2044 und Rendite von 4,22 Prozent (XS2791960664).
Sehr hohe UmsĂ€tze weisen weiter die zwei Mutares-Anleihen (NO0012530965, NO0013325407) auf, wie Brunner feststellt. Diese hatten im Zuge des rasanten Steyr-Kursanstiegs zugelegt, mit dem dann folgenden KursrĂŒckgang aber wieder etwas verloren. Mutares hatte Steyr an die Börse gebracht, hĂ€lt aber noch einen groĂen Teil der Aktien des vom RĂŒstungsboom profitierenden Unternehmens.
Restrukturierung fĂŒr Nordwest Industrie?
Deutlich nach unten ging es diese Woche fĂŒr den Nordic Bond der Nordwest Industrie Finance (NO0013355255), wie Daniel berichtet. Die Bremer Beteiligungsgesellschaft meldete, "MaĂnahmen zur Beseitigung eines LiquiditĂ€tsengpasses" vorzubereiten. Hintergrund sei die anhaltend negative Entwicklung des GeschĂ€fts mit Montagesystemen fĂŒr Solaranlagen. Sobald Klarheit ĂŒber das MaĂnahmenpaket bestehe, soll es eine AnleiheglĂ€ubigerversammlung geben - es steht wohl eine Restrukturierung an. Der letzte Kurs am Freitagmorgen lag laut Daniel bei 60 Prozent.
Hep und Publity unter Abgabedruck
KrĂ€ftig Federn lassen Brunner zufolge auch Bonds von hep global (DE000A3H3JV5) und hep solar projects (DE000A351488). "Es gibt GerĂŒchte, dass das Unternehmen ein Nachrangdarlehen nicht rechtzeitig tilgen konnte." Ebenfalls viel Umsatz meldet Brunner fĂŒr die Anleihe von Publity (DE000A254RV3), die eigentlich im Juni zurĂŒckgezahlt werden mĂŒsste. Das Unternehmen will nun am Amtsgericht Frankfurt einen Antrag auf ein Verfahren nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) stellen. "Anleihehalter sollen lediglich 2 bis 3 Prozent zurĂŒckbekommen", erklĂ€rt Brunner.
Von Anna-Maria Borse, 28. MÀrz 2025, © Deutsche Börse
(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

