TUI, Aktie

TUI Aktie: 29.400 Beschwerden im Halbjahr

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 04:08 Uhr, Redaktion boerse-global.de

TUI profitiert von gesenkter Luftverkehrsteuer, kämpft aber mit einem Rekordniveau an Kundenbeschwerden und möglichen Entschädigungen.

TUI Aktie: Steuerentlastung trifft auf Rekord-Beschwerdeflut
Eine abstrakte, atmosphärische Szene, die den Tourismus- und Reisesektor darstellt, mit visuellen Hinweisen auf Frustration und Unzufriedenheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

TUI bekommt in dieser Saison ordentlich Rückenwind vom Staat. Gleichzeitig meldet die Schlichtungsstelle für Reisen einen Beschwerde-Rekord. Für Anleger bedeutet das: Kostenersparnis auf der einen Seite, Ärger im Servicebereich auf der anderen.

Am Freitag legte die TUI-Aktie um 0,85 Prozent zu und schloss bei 7,14 Euro. Damit liegt der Kurs 3,37 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 6,91 Euro. Über die letzten 30 Tage steht ein Plus von 9,21 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn bleibt aber ein deutliches Minus von 20,02 Prozent.

Der Staat senkt die Kosten

Seit dem 1. Juli 2026 zahlt TUI weniger Luftverkehrsteuer. Der Gesetzgeber hat die Sätze auf das Niveau von vor Mai 2024 zurückgesetzt. Auf der Kurzstrecke sinkt die Belastung um bis zu 11,40 Euro pro Passagier. Bei Langstreckenflügen fällt die Steuer von über 70 Euro auf rund 59 Euro.

Im Herbst kommt die nächste Entlastung. Ab November halbiert sich die Gebühr für den Deutschen Reisesicherungsfonds. Branchenexperten schätzen die jährliche Ersparnis für die gesamte Reisebranche auf rund 630 Millionen Euro.

Als Marktführer bei Pauschalreisen profitiert TUI davon besonders stark. Der Konzern gewinnt finanziellen Spielraum. Er kann diesen für höhere Margen nutzen oder die Preise für Kunden senken.

Beschwerden erreichen Rekordniveau

Diesem Rückenwind steht ein handfestes Problem gegenüber. Die Schlichtungsstelle Reisen und Verkehr registrierte im ersten Halbjahr 2026 über 29.400 Anträge. Das ist ein Anstieg von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Rund 83 Prozent der Fälle betreffen den Flugverkehr. Extremwetter im Frühjahr und geopolitische Spannungen in der Golfregion führten zu Flugstreichungen und massenhaften Umbuchungen. Das kostet TUI zusätzliches Personal für die Abwicklung. Hinzu kommen mögliche Entschädigungszahlungen, die einen Teil der Steuerersparnis wieder auffressen könnten.

Chart: 8-Euro-Marke bleibt Hürde

Charttechnisch hat sich die Aktie zuletzt stabilisiert. Mit 7,14 Euro notiert sie über dem 50-Tage-Durchschnitt, aber noch 6,60 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 7,64 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 9,50 Euro aus dem Februar trennen den Kurs noch fast 25 Prozent.

Die Marke von 8,00 Euro bleibt der entscheidende Widerstand. Dort scheiterte der Kurs in den vergangenen Wochen bereits mehrfach. Die 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 33 Prozent — ein Zeichen für die Unsicherheit, die derzeit auf der Aktie lastet.

Im August wird TUI die Zahlen für das dritte Quartal und den Neunmonatsbericht vorlegen. Rund 7,9 Millionen Buchungen für die Hochsaison sprechen für starke Nachfrage. Die Zahlen werden zeigen, ob dieser Schwung die gestiegenen Kosten aus dem Beschwerde-Chaos auffangen kann.

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