ROUNDUP, Maximalforderungen

Maximalforderungen und DrohgebÀrden vor Iran-Verhandlungen

11.04.2026 - 08:05:19 | dpa.de

Unmittelbar vor Beginn der geplanten FriedensgesprÀche in Pakistan zwischen den USA und dem Iran haben beide Kriegsparteien auf ihren jeweiligen Forderungen beharrt.

Der Iran machte seine Teilnahme an den Verhandlungen in der Hauptstadt Islamabad unter anderem von einem Ende der israelischen Angriffe im Libanon abhÀngig. US-PrÀsident Donald Trump drohte seinerseits bereits mit neuen Attacken auf den Iran, falls sich Teheran nicht auf die US-Forderungen einlassen sollte.

Die von VizeprĂ€sident JD Vance gefĂŒhrte US-Delegation und die iranischen UnterhĂ€ndler unter der Leitung von ParlamentsprĂ€sident Mohammad Bagher Ghalibaf stehen vor schwierigen Verhandlungen. Der Zeitplan und das Format der Verhandlungen waren zunĂ€chst noch nicht ganz klar:

* Erste GesprĂ€che dĂŒrften wohl indirekt stattfinden, mit Pakistan als Vermittler zwischen den beiden Seiten. So war es etwa zuletzt auch bei den vom Oman vermittelten AtomgesprĂ€chen gewesen.

* Sollte es Fortschritte geben, könnte es auch zu direkten Verhandlungen kommen. Mit Vance als Leiter der US-Delegation wĂŒrden die GesprĂ€che den ranghöchsten direkten Austausch mit der Islamischen Republik seit geraumer Zeit darstellen.

* Auch eine VerlÀngerung der Verhandlungen auf den Sonntag soll Medienberichten zufolge bei Fortschritten möglich sein.

UN-Chef: USA und Iran sollten Chance nutzen

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres rief die UnterhĂ€ndler beider Kriegsparteien dazu auf, sich ernsthaft um eine dauerhafte Beilegung des Konflikts zu bemĂŒhen. Sie mĂŒssten die GesprĂ€che in Pakistan als Chance nutzen, "um sich in gutem Glauben um eine dauerhafte und umfassende Einigung zu bemĂŒhen", sagte UN-Sprecher StĂ©phane Dujarric.

Die Ausgangslage

Im Laufe der Jahre und unter wechselnden US-PrĂ€sidenten gab es mit dem Iran immer wieder Verhandlungen um Teherans umstrittenes Atomprogramm. Die GesprĂ€che zogen sich jeweils sehr lange hin. Nach gut fĂŒnf Wochen Krieg ist die Ausgangslage nun eine andere:

* Die USA und Israel haben im Iran Tausende Ziele angegriffen, das Land militĂ€risch massiv geschwĂ€cht und einen Teil der FĂŒhrungsriege getötet. Trump meint deswegen, die USA hielten jetzt alle TrĂŒmpfe in der Hand. "Der einzige Grund, warum sie heute noch am Leben sind, ist, um zu verhandeln!", schrieb Trump etwa am Freitag.

* Die neue FĂŒhrung in Teheran sieht sich vor den GesprĂ€chen ebenfalls in einer Position der StĂ€rke: Das Machtsystem der Islamischen Republik ist weiter intakt und die US-VerbĂŒndeten am Persischen Golf mussten schmerzhafte Gegenangriffe verkraften. Vor allem kontrolliert der Iran weiterhin die fĂŒr die globale Energieversorgung entscheidende Straße von Hormus - und hĂ€lt damit die Weltwirtschaft in Atem. Aus iranischer Sicht steht Washington auch deswegen unter Zeitdruck.

Die Streitpunkte

Selbst, wenn manche Maximalforderungen nur als Verhandlungstaktik dienen sollten, liegen die Positionen der beiden Kriegsparteien weit auseinander.

* Zu den grĂ¶ĂŸten Konfliktpunkten zĂ€hlt Irans Blockade der Straße von Hormus. Der Iran beansprucht die Kontrolle der Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman und plant die EinfĂŒhrung eines Mautsystems. Die USA hingegen fordern eine freie und sichere Durchfahrt von Schiffen ohne GebĂŒhr - wie es auch vor dem Krieg der Fall war.

* Zudem verlangt Washington die Herausgabe von mehr als 400 Kilogramm hoch angereicherten Urans und die Einstellung des iranischen Atomprogramms. Washington will dem Iran auch eine Begrenzung seines Programms zur Entwicklung ballistischer Raketen auferlegen.

* Der Iran wiederum fordert die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte sowie Reparationszahlungen fĂŒr die wĂ€hrend des Kriegs entstandenen SchĂ€den. Zudem verlangt Teheran die Aufhebung sĂ€mtlicher Sanktionen, eine Garantie, dass es nicht mehr zu Angriffen kommen wird und einen Abzug von US-Soldaten aus dem Nahen Osten.

Streit um Waffenruhe im Libanon

Trotz Maximalforderungen und scharfer Rhetorik beider Seiten hĂ€lt die fĂŒr zwei Wochen vereinbarte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran seit Mittwoch weitgehend. Umstritten ist allerdings, ob die Waffenruhe auch fĂŒr den Libanon gilt: Teheran sieht das so, die USA und Israel hingegen nicht.

Deswegen war bis zuletzt noch unklar, ob die iranische Delegation ĂŒberhaupt an den GesprĂ€chen teilnehmen wĂŒrde. Teheran verlangt als Vorbedingung ein Ende der israelischen Angriffe auf die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon.

Allerdings knĂŒpften Israel und der Libanon erste Kontakte zur Vorbereitung von GesprĂ€chen ĂŒber eine kĂŒnftige Waffenruhe. In einem Telefonat loteten die libanesische Botschafterin in Washington und der israelische Botschafter in den USA die Chancen fĂŒr Verhandlungen aus, wie das PrĂ€sidialamt in Beirut mitteilte.

Demnach wurde ein erstes Treffen am Dienstag im US-Außenministerium vereinbart. Ziel sei die VerkĂŒndung einer Waffenruhe und der Beginn formeller Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon unter Vermittlung der USA, hieß es aus Beirut weiter. Laut einem Bericht des US-Nachrichtenportals Axios ist Israel zwar zu GesprĂ€chen mit dem Libanon bereit, nicht aber zu Verhandlungen ĂŒber eine Feuerpause gegenĂŒber der proiranischen Hisbollah.

Ranghohe iranische Delegation

Die USA sind in Islamabad mit Vance auf zweithöchster Ebene vertreten, und auch die große iranische Delegation ist ranghoch besetzt. Neben dem Leiter Ghalibaf gehören dazu etwa auch Außenminister Abbas Araghtschi, der SekretĂ€r des Verteidigungsrates, Ali-Akbar Ahmadian, und der Gouverneur der Zentralbank, Abdol-Naser Hemmati, wie die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete.

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