Ergebnisse, Produktion/Absatz

General Atlantic könnte durch Deal zu ProSiebenSat.1-AktionÀr werden

06.03.2025 - 20:06:23

UNTERFÖHRING - Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 DE000PSM7770 will seinen Partner General Atlantic als AktionĂ€r an Bord holen.

(neu: Kurs und Analysten)

UNTERFÖHRING (dpa-AFX) - Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 DE000PSM7770 will seinen Partner General Atlantic als AktionĂ€r an Bord holen. Zugleich soll eine bessere Grundlage fĂŒr einen schnelleren Verkauf von RandaktivitĂ€ten geschafft werden. Die Unterföhringer beabsichtigen, das E-Commerce-GeschĂ€ft NuCom und die ParshipMeet Group komplett zu ĂŒbernehmen - in beiden FĂ€llen halten sie bereits die Mehrheit. Im Gegenzug könnte General Atlantic bei ProSiebenSat.1 einsteigen.

Weder das TauschgeschĂ€ft noch die Zahlen zum abgeschlossenen Jahr oder der Ausblick konnten der Unternehmensaktie zunĂ€chst helfen: Bis zur Mittagszeit sackte sie um rund 14 Prozent auf den letzten Platz im Kleinwerteindex SDax DE0009653386 ab. Dann drehte die Aktie aber ins Plus und spĂ€ter bis zum Handelsschluss auf 6,43 Euro. Das war letztlich das Tageshoch und bedeutete ein Plus von knapp sieben Prozent. Damit ist die Aktie des Medienunternehmens nun wieder zurĂŒck auf dem Kursniveau vom Sommer 2024. Das Plus im bisherigen Jahresverlauf 2025 betrĂ€gt zugleich knapp 30 Prozent.

Der Medienkonzern könnte als Gegenleistung fĂŒr den Erwerb der Minderheitsbeteiligungen des Finanzinvestors eine Pflichtwandelanleihe ausgeben oder eigene Aktien an ihn ĂŒbertragen, wie er am Mittwochabend mitteilte.

Voraussetzung fĂŒr den Deal ist, dass sich ProSiebenSat.1 von der Online-ParfĂŒmerie Flaconi und dem Vergleichsportal Verivox trennt - mindestens eine dieser Beteiligungen muss entsprechend verĂ€ußert werden. Falls zunĂ€chst nur eins von beiden GeschĂ€ften verkauft wird, soll General Atlantic direkt eine Minderheitsbeteiligung an der nicht verĂ€ußerten Gesellschaft erhalten. Bislang ist das nur indirekt der Fall, da beide GeschĂ€fte bei NuCom gebĂŒndelt sind.

Der ProSiebenSat.1-GroßaktionĂ€r MediaForEurope (MFE) drĂ€ngt seit Monaten darauf, dass sich der TV-Konzern von seiner E-Commerce-Sparte trennt und auf sein KerngeschĂ€ft fokussiert. Die Verhandlungen ĂŒber die VerkĂ€ufe von Flaconi und Verivox dauern aber seither an. Finanzchef Martin Mildner sagte in einer Telefonkonferenz mit Journalisten, dass er "auf gutem Wege" sei, um im vergangenen Jahr genannten Zeitraum von 12 bis 18 Monaten die VerkĂ€ufe zu realisieren. Der von der Berlusconi-Familie kontrollierte MFE-Konzern hĂ€lt mittlerweile 29,99 Prozent der Aktien des Medienkonzerns und steht damit kurz vor der Schwelle, bei der er ein Übernahmeangebot unterbreiten mĂŒsste.

Derweil stellt sich ProSiebenSat.1 erneut auf ein herausforderndes Jahr ein. So könnten Umsatz und operativer Gewinn sowohl zulegen als auch rĂŒcklĂ€ufig sein. Der Erlös dĂŒrfte 2025 laut Mitteilung vom Donnerstag zwischen 3,85 und 4,15 Milliarden Euro liegen. Bereinigt um Sondereffekte dĂŒrfte der Gewinn im TagesgeschĂ€ft (Ebitda) 500 bis 600 Millionen Euro betragen. WĂ€hrend Analysten beim Umsatz in etwa den Mittelwert auf dem Zettel haben, erwarteten sie beim operativen Gewinn einen Wert in der oberen HĂ€lfte der Spanne.

Die KonsumzurĂŒckhaltung könnte sich allerdings mit dem vorgeschlagenen Investitionspaket fĂŒr RĂŒstung und Infrastruktur von Union und SPD abschwĂ€chen und damit die Nachfrage nach WerbeplĂ€tzen ankurbeln, betonte JPMorgan-Analyst Daniel Kerven. Er wies zudem darauf hin, dass Sorgen vor einer AktienverwĂ€sserung unbegrĂŒndet seien. Annick Maas von Bernstein merkte dagegen an, dass der Jahresausblick den Schnitt bei den Markterwartungen nach unten ziehen dĂŒrfte.

Konzernchef Bert Habets stellte in einer Konferenz mit Journalisten Zahlen fĂŒr Kostensparmöglichkeiten vor. So dĂŒrfte zwar im zweiten Halbjahr 2025 ein mittlerer zweistelliger Millionen-Euro-Betrag fĂŒr Restrukturierungen anfallen. DafĂŒr dĂŒrften im Gesamtjahr aber die Kosten ebenfalls im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich sinken. Ab 2026 erhofft sich der Manager dadurch zudem jĂ€hrlich Bruttoersparnisse von mehr als 100 Millionen Euro.

Vor allem im KerngeschĂ€ft Entertainment will Habets die Kosten drastisch zurĂŒckfahren. Dabei sollen "Effizienzen" gefunden und ArbeitsablĂ€ufe angepasst werden. Konkreter - etwa wie viele Stellen wegfallen könnten - wurde der Manager auch in der Konferenz nicht.

Im abgeschlossenen Jahr verhagelte eine getrĂŒbte Konsumlaune dem Konzern das wichtige vierte Quartal mit EinkaufsanlĂ€ssen wie dem Black Friday und Weihnachten. So stieg der Umsatz 2024 um knapp zwei Prozent auf gut 3,9 Milliarden Euro, wĂ€hrend das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um vier Prozent auf 557 Millionen Euro zurĂŒckging. Grund dafĂŒr waren stĂ€rkere Investitionen, um das Wachstum der Streaming-Plattform Joyn zu stĂ€rken. Der Erlös fiel erwartungsgemĂ€ĂŸ aus, beim operativen Gewinn hatten Branchenkenner auf etwas mehr gehofft. Der bereinigte Nettogewinn lag bei 229 Millionen Euro nach 225 Millionen im Vorjahr.

Zugleich warb der Vorstand fĂŒr Flaconi und Verivox. Die Online-ParfĂŒmerie sei trotz anhaltender KonsumzurĂŒckhaltung gewachsen und insgesamt sei die E-Commerce-Sparte "sehr profitabel". Die AktionĂ€re, zu denen neben MFE die tschechische PPF-Gruppe gehört, sollen fĂŒr das abgelaufene Jahr erneut eine Dividende von fĂŒnf Cent je Aktie erhalten. PPF hĂ€lt neuesten Daten nach knapp 13 Prozent an ProSiebenSat.1.

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