Frankfurt-News, Vorjahren

Börse Frankfurt-News: Nicht zu vergleichen mit den Vorjahren (Anleihen 2023)

29.12.2023 - 09:32:44

Unternehmensanleihen wurden 2023 stark nachgefragt.

Zum Jahresende hin wechselten die Favoriten. Im Immobiliensegment ging es teilweise Ă€ußerst turbulent zu.

29. Dezember 2023. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Corporate Bonds haben sich in den vergangenen Monaten wieder zu einer echten Alternative fĂŒr renditesuchende Anleger*innen entwickelt. Dank der gestiegenen Zinsen seien "durchgĂ€ngig KĂ€ufer" am Markt, berichtet Rainer Petz von Oddo BHF. Der HĂ€ndler beobachtet an der Frankfurter Börse geradeiseitens der Privaten eine "deutliche Belebung". Besonders im zweiten Halbjahr hĂ€tten die UmsĂ€tze spĂŒrbar angezogen. "Der Markt ist nicht mehr zu vergleichen mit den Vorjahren".

Zinsen auf einem "ordentlichen Level"

Auch Tim Oechsner von der Steubing AG bilanziert fĂŒr das zu Ende gehende Jahr "wirklich gute UmsĂ€tze" in Unternehmensanleihen. Die Zinsen seien wieder auf einem "ordentlichen Level". Im Fokus der Kundschaft standen vor allem Anleihen bekannter Unternehmen mit Laufzeiten von zwei bis fĂŒnf Jahren. "Die BonitĂ€t muss gut und die GeschĂ€ftsmodelle intakt sein". Beispielhaft nennt der HĂ€ndler Bonds der Deutsche Telekom (XS1617898363), von Siemens (DE000A1UDWN5) oder Wienerberger (AT0000A37249). Die erst im Oktober emittierte Anleihe des österreichischen Ziegelproduzenten war bislang fĂŒr alle Seiten ein ErfolgsgeschĂ€ft. Das vergleichsweise große Emissionsvolumen von 350 Millionen Euro wurde vollumfĂ€nglich platziert und der Kurs ist in den ersten zweieinhalb Monaten um 6 Prozent gestiegen. Die aktuelle Rendite des bis 2028 laufenden Papiers betrĂ€gt 3,5 Prozent.

In der Umsatzstatistik der Börse Frankfurt finden sich unter den Anlegerlieblingen aber auch Anleihen etwas kleinerer Emittenten. Ganz vorne mit dabei ist die schon 2020 emittierte Anleihe von Grenke (XS2155486942), die im Jahr der Emission zwischenzeitlich auf unter 80 Prozent abgerutscht war. Damals war der Leasinganbieter von Shortsellern angegriffen worden. WĂ€hrend die Aktie ihre Verluste noch nicht komplett wettmachen konnte, ist der Kurs der Anleihe (aktuell 3,6 Prozent Rendite bis Mitte 2025) recht schnell wieder auf ihr vorheriges Niveau zurĂŒckgekehrt. Im laufenden Jahr ging es hier rund 5 Prozent nach oben.

Erfolgreiche Neuemissionen

Sehr gut angenommen wurden 2023 zahlreiche Neuemissionen. Kirchhoff Consult berichtet im Segment der KMU-Anleihen von einer Verdoppelung des Emissionsvolumens gegenĂŒber dem allerdings auch sehr schwachen Vorjahr. Mehrere dieser neu emittierten Bonds tauchen auch in der Liste der Umsatzspitzenreiter auf. Zu nennen ist hier etwa die bis 2028 laufende Anleihe der Deutsche Rohstoff AG (DE000A3510K1), die seit Ende September um rund 8 Prozent gestiegen ist, aber immer noch mit 5,7 Prozent rentiert. Auch bei den neuen Anleihen von Katjes International (NO0012888769) und Sixt (DE000A351WB9) gab es eine starke Nachfrage sowie nennenswerte Kursanstiege.

AuffĂ€llig ist laut HĂ€ndlern, dass es zum Ende des Jahres hin einen Favoritenwechsel auf Seiten der Anleger*innen gab. Bis in den Oktober hinein wurden vor allem kurz- bis mittelfristige Laufzeiten von bis zu drei Jahren bevorzugt. "Das ist ein Zeitraum, in dem die Kunden recht gut einschĂ€tzen können, was bei den Unternehmen passieren wird", erklĂ€rt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank die HintergrĂŒnde. Seitdem an den MĂ€rkten verstĂ€rkt ĂŒber Zinssenkungen gesprochen wird, werden aber zunehmend lĂ€ngere Laufzeiten favorisiert. Auf den Einkaufszetteln stand etwa die bis 2030 laufende Anleihe von Fresenius (XS2482872251), die seit Ende Oktober von 88 auf 96 Prozent geklettert ist.

Auch die Kundschaft der Steubing AG wechselte zuletzt zunehmend zu LanglĂ€ufern, weil diese laut Oechsner "ĂŒberproportional von einem sinkendem Zinsniveau profitieren". Zum Jahresende sei dieses Segment "richtig gut gelaufen". Hohe UmsĂ€tze gab es in den vergangenen Wochen in einer bis 2035 laufenden E.On-Anleihe (XS2574873183), deren Kurs in kurzer Zeit von 93 auf 105 Prozent zulegen konnte.

Immobilien-Bonds mit Kurseinbruch

Alles andere als gut lief es 2023 fĂŒr den Immobiliensektor. Vor allem der sich bis in den SpĂ€therbst hinein fortsetzende Zinsanstieg bereitete den Unternehmen Probleme. "In diesem Segment gab es die eine oder andere negative Überraschungen, was fĂŒr Unsicherheit gesorgt hat", berichtet Daniel. So brachen zum Beispiel die Kurse zweier Anleihen von Euroboden (DE000A2YNXQ5, DE000A289EM6) bis auf unter ein Prozent ein, nachdem der MĂŒnchner Projektentwickler im Juli zunĂ€chst die Laufzeiten verlĂ€ngern und die Verzinsung reduzieren wollte und kurze Zeit spĂ€ter dann die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt wurde. Vor gut zwei Wochen erfolgte nun das Delisting der Papiere.

Auch andere Gesellschaften hatten mit finanziellen EngpĂ€ssen zu kĂ€mpfen, was teilweise zu Umstrukturierungen der ausgegebenen Anleihen fĂŒhrte. Und der negative Trend scheint noch nicht gebrochen zu sein. Das Strategie-Team der renommierten DJE-Kapital AG jedenfalls hĂ€lt "grĂ¶ĂŸere Verwerfungen in einigen ImmobilienmĂ€rkten" auch 2024 fĂŒr wahrscheinlich.

Von Thomas Koch, 28. Dezember 2023 © Deutsche Börse AG

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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