Urteil, Spezi-Prozess

Urteil im Spezi-Prozess: Paulaner gewinnt gegen Berentzen

Veröffentlicht am: 05.08.2025 um 16:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Paulaner hat sich im Rechtsstreit um das Design einer Cola-Mix-Flasche gegen Berentzen durchgesetzt.

Die Flaschen der Mio Mio Cola+Orange Mische des vor allem fĂŒr Spirituosen bekannten Unternehmens aus Niedersachsen sind den Spezi-Flaschen der MĂŒnchner Brauerei zu Ă€hnlich, befand das Landgericht MĂŒnchen I. Es verurteilte Mio Mio dazu, den Verkauf des GetrĂ€nks in diesem Design zu unterlassen, sonst drohe ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro. Zudem mĂŒsse Mio Mio Schadenersatz zahlen und alle bereits produzierten Flaschen in seinem Besitz vernichten. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskrĂ€ftig.

Dem Gericht ging es dabei nicht um die Frage, ob die beiden Flaschen verwechselt werden können, sondern darum, ob die farbliche Gestaltung Kunden auf die Idee bringen könnte, dass das Mio-Mio-Produkt mit Paulaner zusammengehöre.

"Wir freuen uns, dass das Gericht vollumfĂ€nglich unserer Rechtsauffassung gefolgt ist", sagte Birgit Zacher, Sprecherin von Paulaner. Man werde jetzt das GesprĂ€ch mit Berentzen suchen. "Uns geht es nicht darum, Schadenersatz zu verlangen, sondern darum, unsere Farbmarke zu schĂŒtzen." Ob Paulaner auf der Vernichtung der bereits erzeugten Flaschen bestehen werde, sagte sie nicht.

Die Tapete hilft nicht

Berentzen hatte im Verfahren letztlich erfolglos argumentiert, dass farbenfrohe Gestaltung bei Cola-Mix-GetrÀnken hÀufig vorkomme. Es sei abwegig, dass der Verbraucher im Supermarkt wegen Farben und Formen auf die Idee komme, dass Mio Mio mit Paulaner zusammengehöre. Zudem habe man Kreise und keine Wellen auf seiner Flasche abgebildet. Das Design soll zudem nicht von Paulaner inspiriert worden sein. Vielmehr stamme die Idee von einer Àhnlich gestalteten Tapete im ehemaligen Studentenzimmer des heutigen Marketingchefs.

Vor Gericht verfing diese Anekdote allerdings nicht. Der Paulaner-Anwalt hatte die Tapete bereits in der mĂŒndlichen Verhandlung Anfang Juli fĂŒr irrelevant erachtet. Rein rechtlich gehe es um die Frage, ob Berentzen eigene und Ă€ltere Gegenrechte habe - die entstĂŒnden aber nicht durch die Existenz einer Tapete an der Wand, sagte er damals. Eine Position, der sich das Gericht jetzt anschloss.

Nicht das erste Spezi-Verfahren

Paulaner hat das Wellendesign seiner Flasche in den Farben Gelb, Orange, Rot, Pink und Lila schĂŒtzen lassen. Es war nicht das erste Mal, dass die MĂŒnchner es verletzt sahen und deswegen vor Gericht zogen. Erst im MĂ€rz hatte das Landgericht in einem Ă€hnlichen Fall ebenfalls zugunsten der MĂŒnchner entschieden. Damals war es um die "Brauerlimo" der Homburger Karlsberg Brauerei gegangen.

Warum Paulaner vor Gericht zog

Was befĂŒrchtet Paulaner eigentlich, wenn Konkurrenten Cola-Mix-GetrĂ€nke auf den Markt bringen, deren Flaschen den eigenen Ă€hnlich sind? Das wĂŒrde die eigene Marke schwĂ€chen, heißt es von der Brauerei. Die FĂŒnf-Farben-Welle diene dann irgendwann nicht mehr als Herkunftsnachweis. Gehe man nicht gegen Ă€hnliche Produkte vor, untergrabe man die eigene juristische Position und könne sich dann nicht mehr wehren, wenn andere Hersteller ein optisch Ă€hnliches Produkt auf den Markt brĂ€chten. GrundsĂ€tzlich suche man aber immer zuerst das GesprĂ€ch.

Die Namensrechte

2022 war Paulaner in einem anderen Spezi-Streit selbst Beklagte. Die kleinere Brauerei Riegele aus Augsburg hatten mit den MĂŒnchnern ĂŒber die Rechte am Namen Spezi gestritten und vergeblich versucht, LizenzgebĂŒhren fĂŒr den Namen zu bekommen.

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