US-Handelspolitik, Gericht

US-Handelspolitik: Gericht kippt Zölle, Regierung fĂŒhrt neue ein

27.02.2026 - 00:00:45 | boerse-global.de

Nach einem Urteil des Obersten Gerichts wurden alte US-Sonderzölle gekippt, doch eine neue globale Importabgabe von 15 Prozent tritt sofort in Kraft. Deutsche Unternehmen stehen vor erheblichen Kosten und Planungsunsicherheiten.

US-Handelspolitik: Gericht kippt Zölle, Regierung fĂŒhrt neue ein - Foto: ĂŒber boerse-global.de
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Die US-Handelspolitik erlebt einen dramatischen Richtungswechsel. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs sind umstrittene Sonderzölle hinfĂ€llig – doch die Regierung verhĂ€ngt umgehend neue Abgaben. FĂŒr die deutsche Exportwirtschaft bedeutet das weiterhin Unsicherheit.

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Supreme Court entzieht Zöllen die Grundlage

Auslöser der Entwicklung ist ein wegweisendes Urteil vom 20. Februar. Der Supreme Court entschied, dass der International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) von 1977 den PrĂ€sidenten nicht zur einseitigen Erhebung von Zöllen ermĂ€chtigt. Diese Befugnis liege allein beim Kongress. Das Urteil entzog damit einer ganzen Reihe von Zöllen gegen internationale Handelspartner die Rechtsgrundlage. Die US-Zollbehörde CBP stellte die Erhebung dieser Abgaben fĂŒr alle ab dem 24. Februar eintreffenden Waren ein.

Neue globale Importabgabe als Ersatz

Die Regierung reagierte blitzschnell. Noch am selben Tag, an dem die alten Zölle endeten, trat eine neue, temporĂ€re globale Importabgabe in Kraft. Basis ist nun Section 122 des Trade Act von 1974. Die Maßnahme soll „grundlegende Probleme“ in der US-Zahlungsbilanz adressieren. Der Zollsatz wurde zunĂ€chst auf 10, dann auf 15 Prozent festgesetzt. Die Abgabe gilt fĂŒr 150 Tage, bis zum 24. Juli 2026, sofern der Kongress sie nicht verlĂ€ngert. Bestehende Sonderzölle, etwa auf Stahl oder gegen China, bleiben bestehen.

Ausnahmen gleichen alten Regelungen

Nicht alle Waren sind betroffen. Von den neuen Abgaben ausgenommen sind – Ă€hnlich wie zuvor – bestimmte kritische Mineralien, Pharmaprodukte, einige Agrarerzeugnisse sowie Waren aus Kanada und Mexiko gemĂ€ĂŸ USMCA-Abkommen. FĂŒr deutsche Exporteure bedeutet das: Viele Produkte fallen weiterhin unter den neuen Aufschlag. Die abrupte Änderung sorgt fĂŒr erhebliche Planungsunsicherheit in den Lieferketten. Unternehmen stehen vor der Frage, wie sie die zusĂ€tzlichen Kosten von 15 Prozent schultern sollen.

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EU setzt Handelsabkommen aus, RĂŒckerstattung offen

Die internationale Reaktion fiel verhalten aus. Das EU-Parlament setzte die Ratifizierung eines Handelsabkommens mit den USA vorerst aus. Deutsche IndustrieverbĂ€nde wie der BDI begrĂŒĂŸten zwar das Gerichtsurteil als StĂ€rkung des regelbasierten Handels, kritisierten aber scharf die fortbestehende Unsicherheit. Eine der drĂ€ngendsten offenen Fragen ist die RĂŒckerstattung bereits gezahlter IEEPA-Zölle. Das Supreme Court hat dazu keine Entscheidung getroffen. Untergeordnete Gerichte mĂŒssen nun ĂŒber ErstattungsansprĂŒche befinden – ein Prozess, der Monate dauern kann.

FĂŒnf Monate der Ungewissheit fĂŒr die Wirtschaft

Die nĂ€chsten 150 Tage werden entscheidend sein. Ist der neue Zoll nur eine Übergangslösung, oder sucht die US-Regierung nach dauerhaften Mechanismen? FĂŒr exportorientierte deutsche Unternehmen, von Automobilzulieferern bis zum Maschinenbau, beginnt eine phase erhöhter Wachsamkeit. Die Ereignisse der Woche zeigen eindrĂŒcklich: Die transatlantischen Handelsbeziehungen bleiben fragil und unberechenbar.

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