Gericht lÀsst Fed-VorstÀndin im Amt
29.06.2026 - 17:26:19 | dpa.deDer Oberste Gerichtshof in den USA wies einen Antrag der Regierung ab - somit kann Notenbank-VorstÀndin Lisa Cook vorerst im Amt bleiben. Das Gerichtsverfahren rund um ihre Personalie lÀuft in unterer Instanz weiter.
Die Richterinnen und Richter stĂŒtzten ihre Entscheidung vor allem darauf, dass Cook vor ihrer Entlassung keine ausreichende Gelegenheit erhielt, auf die VorwĂŒrfe zu reagieren. Die Mehrheit betonte auĂerdem die ĂŒber 200-jĂ€hrige US-Tradition einer von politischer Einflussnahme unabhĂ€ngigen Zentralbank. Diese UnabhĂ€ngigkeit sei entscheidend fĂŒr Vertrauen in Geldpolitik und FinanzstabilitĂ€t.
Trumps Fehde mit der Fed
Seit seinem Amtsbeginn geht Trump mit drastischen Mitteln gegen die US-Notenbank vor und schĂŒrte damit die Sorge um ihre UnabhĂ€ngigkeit. Er fordert von den WĂ€hrungshĂŒtern niedrigere Zinsen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Vor allem der frĂŒhere Fed-Chef Jerome Powell geriet dabei ins Visier des PrĂ€sidenten. Trump beleidigte Powell mehrfach öffentlich und forderte dessen RĂŒcktritt. Auf ihn folgte im Mai der von Trump nominierte Kandidat Kevin Warsh.
Vergangenen Sommer teilte Trump dann mit, Cook mit sofortiger Wirkung aus ihrem Amt im Vorstand zu entlassen. Seine BegrĂŒndung: Es gebe hinreichende GrĂŒnde fĂŒr die Annahme, dass sie in einem oder mehreren HypothekenvertrĂ€gen falsche Angaben gemacht habe. Cook hatte daraufhin ĂŒber ihre AnwĂ€lte rechtliche Schritte angekĂŒndigt. Trump dĂŒrfe sie gar nicht abberufen, argumentierte sie. Die VorwĂŒrfe stritt Cook ab. Sollte sie unwissentlich falsche Angaben gemacht haben, sei dies Jahre vor dem Amtsantritt bei der Aufnahme einer privaten Hypothek geschehen.
Untere Instanzen bescherten Trump Niederlagen
Es begann ein Rechtsstreit, in dem mehrere Gerichte Trump Niederlagen bescherten. ZunĂ€chst schob eine Bundesrichterin der angestrebten Entlassung Cooks vorĂŒbergehend einen Riegel vor. Sie argumentierte unter anderem, der US-PrĂ€sident dĂŒrfe ein Mitglied des Fed-Vorstands nur "aus triftigen GrĂŒnden" entlassen. So könne jemand nicht allein aufgrund von Verhaltensweisen aus der Zeit vor dem Amtsantritt entlassen werden. Sie schrieb zudem, das öffentliche Interesse an der UnabhĂ€ngigkeit der Fed spreche fĂŒr Cooks Wiedereinsetzung.
Trump ging dagegen in Berufung, hatte jedoch auch vor einem Berufungsgericht keinen Erfolg. Der US-PrÀsident zog daraufhin vor den Supreme Court.
Argumentation des obersten US-Gerichts in Anhörung
Bereits in einer Anhörung Anfang des Jahres Ă€uĂerten die Richter am Gerichtshof erhebliche Zweifel an Trumps Entlassungsversuch. Bei einer fast zweistĂŒndigen Anhörung zeigten sich Richterinnen und Richter aus beiden politischen Lagern skeptisch gegenĂŒber den VorwĂŒrfen der Regierung und betonten die besondere verfassungsrechtliche Stellung und UnabhĂ€ngigkeit der Notenbank Federal Reserve.
Richterinnen und Richter betonten, eine sofortige Entlassung könne die UnabhÀngigkeit der US-Notenbank "schwÀchen oder sogar zerstören" und sei daher anders zu bewerten als bei anderen unabhÀngigen Behörden.
Cook ist seit Mai 2022 Mitglied des Fed-Vorstands. Dieser besteht aus sieben Mitgliedern. Cooks Amtszeit lĂ€uft nach Fed-Angaben eigentlich bis zum 31. Januar 2038. Vor ihrer Berufung war sie unter anderem als Professorin fĂŒr Wirtschaftswissenschaften und Internationale Beziehungen an der Michigan State UniversitĂ€t tĂ€tig.
