'Möchte kein vergeudetes Treffen'
22.10.2025 - 06:35:02Medienberichte, denen zufolge das geplante Treffen auf Eis gelegt wurde oder sich zumindest verzögert, bestĂ€tigte Trump zwar nicht direkt. Allerdings entgegnete er auf Nachfrage einer Journalistin, was er ĂŒber die angebliche PlanĂ€nderung wisse und ob das seine Haltung zu einer möglichen Lieferung von amerikanischen Tomahawk-Marschflugkörpern an die Ukraine beeinflusse: "Ich möchte kein vergeudetes Treffen." Er wolle keine Zeit verschwenden, bis er sehe, was passiert.
"Wir haben noch keine Entscheidung getroffen", sagte Trump weiter. Man werde sehen, was geschieht. Ob er sich damit auf ein mögliches Treffen zwischen ihm und Putin bezog oder auf die Frage nach den Marschflugkörpern, blieb unklar. Trump stellte in Aussicht, innerhalb der nĂ€chsten zwei Tage darĂŒber zu informieren, was die USA tun wĂŒrden. Und er bekrĂ€ftigte seinen Standpunkt, dass fĂŒr ein Ende der KĂ€mpfe in der Ukraine der Frontverlauf eingefroren werden sollte.
AuĂenminister treffen sich wohl doch nicht
Mehrere US-Medien hatten berichtet, dass das in Budapest geplante Treffen zwischen Trump und Putin offenbar nicht wie vorgesehen stattfinden werde. Sie beriefen sich auf Angaben aus dem WeiĂen Haus nach einem Telefonat des US-AuĂenministers Marco Rubio mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Eigentlich war dieses GesprĂ€ch als Teil der Vorbereitungen fĂŒr den Gipfel in Budapest gedacht. Zudem sollte ein persönliches Vor-Treffen der beiden Minister folgen. Doch davon ist man offensichtlich wieder abgekommen - die PlĂ€ne wurde laut den Berichten zufolge auf Eis gelegt.
Trump hatte am Donnerstag nach einem Telefonat mit dem Kremlchef ĂŒberraschend bekanntgegeben, dass er Putin in der ungarischen Hauptstadt treffen wolle, um ĂŒber den Ukraine-Krieg zu sprechen. Einen Zeitpunkt nannte der Republikaner zunĂ€chst nicht - kurz darauf sagte er aber, der Gipfel werde "wahrscheinlich in den nĂ€chsten zwei Wochen" stattfinden.
Was ist passiert?
Was genau seitdem passiert ist, ist unklar. Der Kreml hatte ohnehin eher Brems-Signale gesendet und sah er noch einigen KlĂ€rungsbedarf vor einem solchen Treffen. "Es sind noch viele Hausarbeiten zu erledigen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge am Montag. Die AuĂenministerien beider LĂ€nder mĂŒssten eine Vielzahl offener Fragen behandeln.
Peskow betonte auch, dass sich Russlands Position in dem Konflikt nicht geĂ€ndert habe. Er fĂŒhrte das zwar nicht aus, klar ist aber, dass Russland mehr als die bisher in der Ukraine eroberten Landstriche beansprucht. So hat Moskau nach der schon 2014 annektierten Krim kurz nach Kriegsbeginn im Februar 2022 noch vier weitere ukrainische Regionen zu eigenen Gebieten erklĂ€rt, obwohl es sie bis heute nur teilweise kontrolliert. Peskow reagierte mit seinen ĂuĂerungen auf die Bemerkung Trumps, dass der aktuelle Frontverlauf eingefroren und FriedensgesprĂ€che begonnen werden sollten.
Trump drÀngt nicht nur Angreifer zum Frieden
Nun berichteten US-Medien unter Berufung auf Quellen im WeiĂen Haus, dass Rubios Telefonat mit Lawrow zwar angeblich "produktiv" gewesen sei. Aber: Weder Russland noch die Ukraine seien in dem Konflikt bereit, ernsthafte FriedensgesprĂ€che zu fĂŒhren - so gab etwa NBC News den Tenor wieder.
Es ist unklar, wie konkret die PlĂ€ne Russlands und der USA zu dem Treffen bereits waren, als Trump es nach seinem Telefonat mit Putin ankĂŒndigte. Das Telefonat hatte nur einen Tag vor dem Besuch des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj im WeiĂen Haus stattgefunden - und beeinflusste das Treffen in Washington möglicherweise.
Selenskyj wollte sich bei der Begegnung mit dem US-PrĂ€sidenten dessen Erlaubnis fĂŒr den Erwerb von US-Marschflugkörpern des Typs Tomahawk einholen. Die Ukraine will eine offensivere Rolle im Krieg einnehmen und könnte diese Waffen bis tief in das russische Hinterland abfeuern. Doch Trump blieb vage, gab keine Zusage und pochte darauf, dass beide Seiten den Krieg beenden mĂŒssten. Selenskyj indes beharrt darauf, dass ein Einsatz von Tomahawks das beste Mittel sei, um Russland zum Einlenken zu bewegen, wie er am Dienstagabend in seiner tĂ€glichen Videobotschaft wiederholte.
UnterstĂŒtzung aus Europa
Selenskyj kann zumindest weiter auf UnterstĂŒtzung der europĂ€ischen VerbĂŒndeten setzen. Er wurde von EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa zum Oktober-Gipfel der Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten eingeladen, der am Donnerstag beginnt.
Hintergrund der Einladung war insbesondere das geplante - und nun anscheinend wieder in die Ferne gerĂŒckte - Treffen Trumps mit Putin. In BrĂŒssel wurde befĂŒrchtet, dass dabei ĂŒber den Kopf der Ukrainer hinweg ĂŒber Bedingungen fĂŒr eine Beendigung des Krieges verhandelt werden könnte. Deswegen wollten die EuropĂ€er Selenskyj noch einmal ihre UnterstĂŒtzung zusichern.
Geplant ist auch, in der EU festgesetztes Vermögen der russischen Zentralbank fĂŒr Darlehen in Höhe von 140 Milliarden Euro zu nutzen, um die ukrainische Armee fĂŒr den weiteren Abwehrkampf gegen die russischen Angreifer aufzurĂŒsten. Zudem soll das mittlerweile 19. Paket mit EU-Russland-Sanktionen auf den Weg gebracht werden.
Nato-Chef trifft Trump in Washington
Bereits an diesem Mittwoch soll es zudem ein Treffen zwischen Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte und Trump geben, wie die Nato ĂŒberraschend ankĂŒndigte. Rutte werde dazu nach Washington kommen, teilte Sprecherin Allison Hart mit. Pressetermine seien nicht geplant. Als Hintergrund des Treffens gelten die aktuellen BemĂŒhungen Trumps um eine Beendigung des Ukraine-Kriegs.
Russland greift ukrainische StÀdte mit Raketen an
Derweil griff das russische MilitĂ€r in der Nacht wieder Ziele in der ukrainischen Hauptstadt Kiew an. VorlĂ€ufigen Angaben der ukrainischen Luftwaffe zufolge wurden dabei mindestens vier ballistische Raketen eingesetzt. Ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur hörte im Zentrum gut zwölf Explosionen, hauptsĂ€chlich von Flugabwehrraketen. In mehreren Stadtteilen seien RaketentrĂŒmmer herabgestĂŒrzt und BrĂ€nde ausgebrochen, teilte BĂŒrgermeister Vitali Klitschko mit. MilitĂ€rexperten zufolge waren die beiden Heizkraftwerke der Stadt Ziel des Angriffs.
In der sĂŒdostukrainischen GroĂstadt Saporischschja schlugen Behördenangaben zufolge neun russische Kampfdrohnen ein. Mehrere WohnhĂ€user seien in Brand geraten, teilte der Gouverneur des Gebiets mit. Laut der ukrainischen Luftwaffe wurden auch mehrere russische Raketen und Drohnen auf die Industriestadt Kamjanske abgefeuert worden. Berichte ĂŒber mögliche SchĂ€den und Opfer gab es zunĂ€chst nicht.
Zuvor hatten mehrere russische Kampfdrohnen auch die sĂŒdukrainische Hafenstadt Ismajil an der rumĂ€nischen Grenze angegriffen. Der ukrainische öffentlich-rechtliche Rundfunk berichtete von Explosionen und StromausfĂ€llen in der Stadt an der Donau. Offizielle BestĂ€tigungen dafĂŒr gab es zunĂ€chst nicht.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als dreieinhalb Jahren gegen Russlands Invasion. Im Herbst hat das russische MilitĂ€r Angriffe auf ukrainische Energieanlagen intensiviert. In mehreren Gebieten des Landes kommt es dadurch immer wieder zu StromausfĂ€llen. Der Beginn der Heizsaison fĂŒr die Fernheizungssysteme wurde bereits aufgeschoben. Dabei fallen die Temperaturen nachts in vielen Regionen schon jetzt in den unteren einstelligen Bereich.

