US-Regierung unterzeichnet Atom-Deal mit Saudi-Arabien
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 23:50 Uhr | dpa.deDie Energieminister beider LÀnder, Chris Wright und Abdulasis bin Salman, unterzeichneten in Washington ein entsprechendes Abkommen, wie das US-Energieministerium mitteilte. Den genauen Inhalt veröffentlichte das Ministerium zunÀchst nicht.
Zudem wurde den Angaben zufolge ein Abkommen zu flankierenden Sicherheitskontrollen unterzeichnet. So soll eine rechtliche Grundlage fĂŒr eine jahrzehntelange Partnerschaft gelegt werden. Die USA wollen wirtschaftlich profitieren: Sie wollen Nukleartechnologie exportieren, das soll US-Jobs schaffen. FĂŒr Saudi-Arabien soll das Abkommen laut der US-Mitteilung dazu beitragen, dass der Energiebedarf im Land gedeckt werden kann.
US-Energieminister Wright betonte, dass das Abkommen höchste Standards erfĂŒlle und auch beinhalte, dass keine Atomwaffen verbreitet werden. Die Vereinbarung wird dem US-Parlament zur PrĂŒfung vorgelegt, dort könnte es Widerstand geben.
Viele Abgeordnete lehnen eine Ausweitung atomarer Technologie im politisch instabilen Nahen Osten ab - noch dazu im laufenden Krieg der USA mit Saudi-Arabiens langjÀhrigem Rivalen Iran. Zudem war zunÀchst unter anderem offen, in welchem Maà internationale Inspektoren Zugang zu den Standorten bekommen könnten, um militÀrischen Missbrauch zu verhindern.
Was Medien zuvor bereits berichtet hatten
Das "Wall Street Journal" hatte bereits zuvor unter Berufung auf Regierungsvertreter berichtet, dass Trump ein Nuklearabkommen mit Saudi-Arabien genehmigt habe. In dem Bericht war auch davon die Rede, dass die Vereinbarung möglicherweise den Weg fĂŒr eine Urananreicherung auf saudischem Gebiet ebnen könnte.
Die milliardenschwere Vereinbarung sollte demnach eine Laufzeit von 30 Jahren haben, US-Unternehmen eine SchlĂŒsselrolle beim Aufbau der saudischen Atominfrastruktur sichern und andere auslĂ€ndische Konkurrenten ausschlieĂen. Eine zentrale Regelung sieht dem Bericht zufolge vor, dass US-Unternehmen eine Urananreicherungsanlage in Saudi-Arabien bauen, sofern eine gemeinsame amerikanisch-saudische Studie zu dem Schluss kommt, dass ein solcher Schritt gerechtfertigt ist.
Ob die Vereinbarung eine solche Regelung tatsÀchlich enthÀlt, war zunÀchst unklar.
GesprÀche auch mit China und Russland
Saudi-Arabien ist neben dem Iran der gröĂte Energiekonsument in der Region. Das Königreich hat kein bekanntes Atomwaffenprogramm, treibt die Nutzung von Atomkraft unter dem Kronprinzen und faktischen Herrscher Mohammed bin Salman aber seit Jahren voran. Das Land fĂŒhrte dabei neben den USA auch mit China und Russland entsprechende GesprĂ€che.
Die Trump-Regierung dĂŒrfte darauf hoffen, deren Einfluss durch die Atom-Einigung mit Riad zurĂŒckzudrĂ€ngen. Wright fĂŒhrte bei einer Reise nach Saudi-Arabien schon vergangenes Jahr GesprĂ€che ĂŒber einen solchen Deal, der auch Thema beim Treffen von Kronprinz Mohammed mit Trump im November in Washington war.
Saudi-Arabien hat den Atomwaffensperrvertrag (NPT) unterzeichnet, der die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen verbietet. Das Land hat auch eine umfassende Vereinbarung mit der Internationale Atomenergiebehörde IAEA geschlossen, die unter anderem mit Inspektionen den Bau von Atomwaffen verhindern soll. Riad hat bisher aber kein sogenanntes Zusatzprotokoll mit der IAEA geschlossen, mit dem die Behörde im Land auch nach Spuren geheimer AktivitÀten suchen könnte.
Auch die Emirate oder TĂŒrkei könnten aufrĂŒsten wollen
Der Kronprinz hatte 2018 zwar erklĂ€rt, dass sein Land keine Atomwaffen anstrebe. Wenn der Iran dies tun sollte, werde Saudi-Arabien aber "so schnell wie möglich" folgen. Diese Position bekrĂ€ftigte er auch 2023. Riad und Teheran waren lange Rivalen in der Region und nĂ€herten sich seit 2023 nur vorsichtig aneinander an. Experten fĂŒrchten, dass der Schritt andere Staaten in der Region ermutigen könnte, nuklear aufzurĂŒsten - etwa die Vereinigten Arabischen Emirate, die TĂŒrkei und Ăgypten.
Saudi-Arabien hat bereits die Sicherheitsbeziehungen zur Atommacht Pakistan verstÀrkt. Beide LÀnder unterzeichneten ein entsprechendes Abkommen nach Israels Angriff auf Hamas-Vertreter in Katar vergangenes Jahr. Pakistans Regierung erklÀrte dazu, Riad habe unter der Vereinbarung auch Zugang zum pakistanischen Programm.
Die fĂŒnf anerkannten AtommĂ€chte sind die USA, Russland, China, Frankreich und GroĂbritannien. AuĂerdem haben Indien, Pakistan, Nordkorea und inoffiziell Israel Atomwaffen. Dem Stockholmer Institut fĂŒr Friedensforschung Sipri zufolge gibt es weltweit mehr als 9.600 einsetzbare Atomsprengköpfe.
