VDBW-Kongress: Systemwechsel in der Pflege-Gesundheit
28.04.2026 - 09:38:34 | boerse-global.deDer Verband Deutscher Betriebs- und WerksĂ€rzte (VDBW) will die Arbeitsbedingungen in der Pflege grundlegend neu gestalten. Statt kurzfristiger Bonusprogramme setzt der Verband auf eine systemische Neugestaltung der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Das ist die Kernbotschaft des bevorstehenden Fachkongresses âHealth in Care Professionsâ (HiCP) Mitte Juni in Erfurt.
Mehr als sechs Millionen Menschen arbeiten in Deutschland in helfenden Berufen. Sie bilden das gesundheitliche und soziale Fundament der Gesellschaft â doch die Belastungen sind enorm. Der FachkrĂ€ftemangel, physische und psychische Beanspruchung: Die Arbeitsmedizin sucht dringend neue Wege.
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Keine oberflÀchlichen Lösungen mehr
âDie Branche braucht keine weiteren Bonusprogrammeâ, betont VDBW-PrĂ€sidentin Susanne H. Liebe. Stattdessen fordert sie einen systemischen Blick auf die tatsĂ€chlichen Bedingungen in Pflege, Erziehung und Versorgung. Die arbeitsmedizinische Expertise soll strukturelle Defizite identifizieren und die Rolle der Mediziner in diesen Prozessen stĂ€rken.
Der Kongress, organisiert in Kooperation mit der Berufsgenossenschaft fĂŒr Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), versteht sich als Plattform fĂŒr die besonderen Anforderungen dieser Branchen. Weg von rein gewerblichen Standards â hin zu spezifischen Lösungen.
Von GewaltprÀvention bis Klimawandel
Das Programm vom 17. bis 19. Juni im Congress Center Erfurt deckt ein breites Spektrum ab. Ein Schwerpunkt: die psychische Gesundheit und GewaltprĂ€vention. PflegekrĂ€fte sind ĂŒberproportional hĂ€ufig mit verbalen oder physischen Ăbergriffen konfrontiert. Neue Deeskalationsstrategien und Konzepte zur Nachsorge sollen Abhilfe schaffen.
Ein weiterer Block widmet sich der gendersensiblen Arbeitsmedizin. Da die Pflege ĂŒberwiegend weiblich ist, braucht es spezifische Lösungen jenseits von StandardansĂ€tzen. Experten diskutieren zudem ĂŒber Infektionsschutz, den Umgang mit infektiösen BeschĂ€ftigten und Datenschutzfragen bei der Zusammenarbeit mit GesundheitsĂ€mtern.
Und dann ist da noch der Klimawandel: Steigende Temperaturen und extreme Wetterereignisse belasten das Personal in oft unzureichend klimatisierten Einrichtungen massiv. Der Kongress entwickelt arbeitsmedizinische Empfehlungen fĂŒr diese neuen Herausforderungen.
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Digitale Chancen und Nachwuchssorgen
Der digitale Wandel wird als Chance begriffen. Ziel ist eine sektorenverbindende PrĂ€ventionsstrategie, die den Informationsfluss verbessert â ohne den Datenschutz zu vernachlĂ€ssigen. Neue Software und digitale Anwendungen sollen in den Alltag der BetriebsĂ€rzte integriert werden.
Gleichzeitig kĂ€mpft die Betriebsmedizin selbst mit FachkrĂ€ftemangel. Der VDBW bietet daher spezielle Workshops fĂŒr Einsteiger und Assistenzpersonal an. âBeginners im Gesundheitswesenâ lernen die Unterschiede zu klassischen Industriebetrieben kennen â von den spezifischen Infektionsrisiken bis zur Arbeit mit medizinisch gebildetem Personal.
Ein Wendepunkt fĂŒr die Branche?
Der Fokus auf die Pflege kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Erst am 25. April unterstrich ein Praxisanleitungs-Kongress in Regensburg das enorme Interesse an Bildungs- und Vernetzungsformaten. Die Branche sucht hÀnderingend nach Orientierung.
Bislang wurde die arbeitsmedizinische Betreuung in der Pflege oft vernachlĂ€ssigt oder nach Industriestandards behandelt. Mit âHealth in Care Professionsâ etabliert der VDBW ein eigenstĂ€ndiges, wissenschaftlich fundiertes Format. Bereits bei der Premiere im Mai 2025 ĂŒbernahmen hochrangige Vertreter wie der PrĂ€sident der BundesĂ€rztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, und Landesministerin Katharina Schenk die Schirmherrschaft.
Es geht nicht mehr nur um Arbeitsschutz. Es geht um die Aufrechterhaltung der systemrelevanten Infrastruktur. Die Impulse aus Erfurt mĂŒssen den Weg in den Klinik- und Heimalltag finden. Nur durch tiefgreifende Verbesserungen wird es gelingen, die sechs Millionen FachkrĂ€fte dauerhaft zu halten.
