Versicherer zu Cannabis am Steuer: Es wird bekifft gefahren
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 06:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas legt eine Umfrage unter Konsumenten des Rauschmittels nahe. "Vor allem Menschen, die Cannabis gewöhnt sind und regelmĂ€Ăig, meist sogar tĂ€glich konsumieren, fahren vielfach danach auch Auto", sagte die Leiterin der Unfallforschung der Versicherer, Kirstin Zeidler, in Berlin. "Sie haben sich schon nicht davon abhalten lassen, als Cannabis noch illegal war, und zeigen auch weiterhin keine Hemmung, bekifft zu fahren."
Laut der Umfrage des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft hat sich in den vergangenen zwölf Monaten jeder fĂŒnfte Befragte nach eigener Aussage kurz nach dem Konsum ans Steuer gesetzt. 2024 sei es jeder Vierte gewesen. Im vergangenen Monat sei jeder siebte Befragte kurz nach dem Cannabis-Konsum gefahren.
Das Fazit der Unfallforschung lautet: "Zwar hat der Grenzwert nicht dazu gefĂŒhrt, dass mehr Befragte bekifft Autofahren als vorher, aber auch kaum weniger." Der Grenzwert sei hinreichend bekannt, sagten demnach 88 Prozent der Befragten. Aber knapp jeder dritte Befragte sagte, ihm sei das egal.
BuĂgeld, Fahrverbot, Punkte
FĂŒr Cannabis am Steuer gilt seit dem 22. August 2024 ein gesetzlicher Grenzwert. Wer mit 3,5 Nanogramm THC je Milliliter Blutserum oder mehr unterwegs ist, riskiert in der Regel 500 Euro BuĂgeld, einen Monat Fahrverbot und zwei Punkte in der Flensburger Datei. Wird dazu noch Alkohol getrunken, drohen in der Regel 1.000 Euro BuĂe, ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte.
AuĂerdem gilt wie bei Alkohol in der zweijĂ€hrigen FĂŒhrerschein-Probezeit und fĂŒr Fahrerinnen und Fahrer unter 21 ein Cannabis-Verbot - die Grenze von 3,5 Nanogramm gilt also nicht. Bei VerstöĂen drohen in der Regel 250 Euro BuĂe.
Wann und wer befragt wurde
Hintergrund der Regelung ist die seit 2024 geltende Legalisierung des Cannabiskonsums fĂŒr VolljĂ€hrige mit vielen Auflagen. Laut Unfallforschung wurden Cannabis-Konsumierende vor und nach der Teillegalisierung in zwei Zeitabschnitten gefragt: 4.933 Befragte von Januar bis Mitte MĂ€rz 2024 und 3.144 Befragte im Februar und MĂ€rz 2026. Die Untersuchung sei nicht reprĂ€sentativ fĂŒr die Bevölkerung Deutschlands, aber aussagekrĂ€ftig fĂŒr Cannabis-Konsumierende, heiĂt es in der Untersuchung.
"Schon jetzt zeigt sich, dass Cannabis-Konsumenten schlecht aufgeklĂ€rt sind", sagte Zeidler. Sie forderte deutlich mehr AufklĂ€rung ĂŒber die Wirkung von Cannabis. Denn Cannabis könne die FahrtĂŒchtigkeit deutlich einschrĂ€nken - unabhĂ€ngig davon, ob es medizinisch indiziert sei oder nicht.
Was im Falle eines Unfalls droht
Die Versicherer warnten vor möglichen finanziellen Folgen im Falle eines Unfalls. "Wer mit zu viel THC im Blut nicht mehr sicher fahren kann und einen Unfall verursacht, riskiert auch nach der Legalisierung seinen Versicherungsschutz", sagte die stellvertretende HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Gesamtverbands, Anja KĂ€fer-Rohrbach. "Wie bei alkoholbedingten UnfĂ€llen zahlt die Kfz-Haftpflichtversicherung zwar den Schaden des Unfallopfers in voller Höhe, kann den Unfallverursacher aber in Regress nehmen."
